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Für junge unbegleitete Flüchtlinge Tag der offenen Tür in Bissendorfer Clearingstelle

Von Bärbel Recker-Preuin, Bärbel Recker-Preuin | 28.08.2016, 15:16 Uhr

r. Bissendorf. Volles Haus in der Clearingstelle Ellerbeck. Das Mitarbeiterteam des Verbunds Sozialer Dienste (VSD) und die 20 jungen Bewohner erwiesen sich beim Tag der offenen Tür als perfekte Gastgeber.

Wenn sich gut hundert Menschen bei 33 Grad im Schatten unter wenigen Bäume oder sich durch neu hergerichtete Räume eines alten Hauses drängen, spricht vieles für das Haus und die Gastgeber. In diesem Fall waren das 20 Jugendliche – unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge. Sie hatten sich für die Besucher ziemlich ins Zeug gelegt.

Nach der Schule war gekocht und gebacken worden, die Zimmer waren blitzblank und die Wohn- und Essbereiche ordentlich aufgeräumt. Draußen lud ebenfalls alles zum Verweilen ein. Zum ersten Mal nach ihrer Flucht aus der Heimat und dem Abschied von ihren Familien erlebten die Jungen im Alter zwischen 15 und 18 Jahren die Aufmerksamkeit von so vielen Gästen. Das Team des VSD half ihnen dabei.

Clearingstelle im ehemaligen Grünen Jäger

Seit einigen Wochen leben die Jugendlichen in der Clearingstelle Ellerbeck. Hier werden sie auf ihr Leben in Deutschland vorbereitet. In welcher Bildungs- und Wohnform das am besten geschehen kann, ermitteln die Mitarbeiter des VSD während des drei- bis sechsmonatigen Aufenthalts. Am Tag der offenen Tür gab es die Gelegenheit, alles über die Einrichtung und das Konzept in der ehemaligen Traditionsgaststätte „Grüner Jäger“ zu erfahren.

Gewünscht war allerdings noch mehr: „Tage wie diese sind dafür gemacht, um miteinander ins Gespräch zu kommen,“ sagte Tim Ellmer, Geschäftsführer des VSD. Er sprach von vielfacher Unterstützung und verschwieg dabei nicht, dass es anfangs Vorbehalte gegenüber der Einrichtung für unbegleitete minderjährige Ausländer gegeben habe.

„Ellerbeck und die Clearingstelle – das passt zueinander“, versicherte auch Nils Bollhorn, pädagogischer Leiter des VSD. Er dankte dem „multikulturellen Team“, den ehrenamtlichen Helfern, Nachbarn, Schulen und Sportvereinen, in den die Jugendlichen bereits mitmachen dürfen. Viele Menschen setzen sich dafür ein, dass der erste Schritt in ein neues Leben für die Jugendlichen möglichst problemlos verläuft, so Bollhorn. Auch Bürgermeister Halfter empfahl die Clearingstelle als offenes Haus und den weiteren Dialog.

Internationales Buffet

Während sich die Gäste noch im Schatten am Getränkestand versammelten, vollendeten die Jugendlichen im Haus ihre Bewirtung. Das Buffet war reich gedeckt mit Speisen aus den Herkunftsländern der Jungen. Gefüllte Teigtaschen Bolani zur Vorspeise ergänzten sich hervorragend mit dem deutschen Butterkuchen zum Abschluss.

Köstlich duftete das Kabile Palaus, zubereitete von Enayatullah, 16 Jahre alt und seit fünf Monaten allein in Deutschland. Kochen war schon immer seine Leidenschaft, berichtete der Afghane und gab gern das Rezept weiter: Reis, Fleisch, Gemüse, Rosinen, das alles mit vielen Gewürzen geschmort.

Alltagsregeln üben

Neben den kulinarischen Köstlichkeiten informierten die Bewohner und der VSD über die Herkunftsländer, Kultur und Religionen. Hausbesichtigungen gaben Einblicke in das Leben der Jungen. Wie in fast jeder Familie unterstützen Putzpläne, Hinweise zur Mülltrennung, Essenszeiten und andere Regeln die Alltagsstruktur. Samstags ist schwimmen und mittwochs Fußball, am häufigsten „Deutsch lernen“ und das machen die Neu-Ellerbecker auch am liebsten.

Viele Gäste kamen zum Tag der offenen Tür auch, um die alte Gaststätte Grüner Jäger nach Monaten des Leerstandes und Umbaus von innen zu sehen. „Auch das ist ein guter Grund“, sagte Tim Ellmer, „bei uns ist jeder willkommen.“