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Das Problem Gelbrost-Pilz Pflanzenschutzberater informiert Landwirte in Schledehausen

Von Harald Preuin | 12.04.2015, 10:59 Uhr

Der Gelbrost-Pilz stellt Landwirte in der Region vor Probleme, führte im Vorjahr zu Ernteverlusten. Der Erreger überwintert an Ausfall- und Wintergetreide. Bei einem Feldbegang in Schledehausen informierte ein Pflanzenschutzexperte über Gegenmaßnahmen.

Zwei bis drei Wochen hinkte der Vegetationsbeginn im Osnabrücker Land hinter dem Rekordstart im vergangenen Jahr her. Das war den Sonnenstunden in den ersten drei Monaten geschuldet. Erst wenn die Temperatur dauerhaft über null Grad Celsius bleibt, ist störungsfreies Wachstum auf den Feldern garantiert.

Der „kleine Feldbegang“ in Schledehausen fand an der Schwelle zum Vegetationsbeginn statt, den nur die Natur beeinflussen kann. Die Landwirte hatten als fachkundigen Referenten den Pflanzenschutzexperten Arne Klages vom Fachgroßhändler Agravis eingeladen. Gleich am ersten Acker, auf dem im Herbst Winterweizen gesät worden ist, wurden die Pilzerkrankungen angesprochen. Eines der Hauptprobleme des vergangenen Erntejahres war der Gelbrost-Pilz. Er führte zu Ernteverlusten. Der Pilz konnte sich bei feucht-kühler Witterung besonders ausbreiten.

Infektion kann schnell zur Epidemie werden

Der Erreger überwintert an Ausfall- und Wintergetreide, die Infektion kann sich schon bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt zu einer Epidemie ausbreiten. Angesichts der deutlichen Anzeichen von Gelbrost riet Arne Klages zu „Herbizidmaßnahmen“, die „jetzt schleunigst erfolgen“ sollten. Dabei ergaben sich auch Fragen zum Total-Herbizid Glyphosat, das unter den Namen Weedkill, Dominator oder Roundup im Handel sei. Das Mittel ist umstritten, weil neue Studien die bislang attestierte Unbedenklichkeit des Mittels für Mensch, Tier und Umwelt in Frage stellen. Weitere Studien sorgen leider nicht für objektive Aussagen, so dass sich Gegner und Befürworter des Glyphosateinsatzes weiter gegenüberstehen.

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Neben dem Einsatz von Herbiziden ging es auch um sogenannte Wachstumsregler, die Getreidepflanzen an der Halmbasis stärken, damit sie bei Unwettern nicht so schnell „ins Lager“ fallen, wie der Landmann sagt, wenn Getreidefelder zu Boden gedrückt werden. In diesen Lagern stockt der Stoff- und Energiewechsel. Sind die Bahnen für den Nährstofffluss zum Korn und der Reifeprozess unterbrochen, ist mit Minderausfällen zu rechnen.

Gute Ergebnisse durch Wachstumsregler

Der Einsatz der Wachstumsregler ist für den Getreidebauern ein Lotteriespiel. Verzichtet er auf das teure Spritzmittel, das in einer bestimmten Wachstumsphase zeitlich exakt ausgebracht werden muss, oder bringt es zu spät aus, muss er unter Umständen Ernteausfälle in Kauf nehmen. Geht er auf Nummer Sicher, muss er die Kosten für den Einsatz der Wachstumsregler vom Erlös abziehen. Arnd Klages sprach sich für den Einsatz aus, weil in den letzten Jahren gute Ergebnisse erzielt worden seien.

Neben Weizen ging es beim Feldbegang auch um den Anbau von Roggen, Triticale, Gerste und Raps, denen auch Mangelernährung anzusehen ist. Besonders die Gerste sei eine Mimose, die auf viele Dinge reagiert. Zeichnet sich ein Krankheitsbefall ab, empfahl der Pflanzenschutz-Experte den Einsatz von Fungiziden. Je nach Vegetation und Infektionsbedingungen bis zu zweimal im Jahr. „Aber das muss jeder selber wissen und das Risiko abwägen“. Besonders der Echte Mehltau und Zwergrost, aber auch Läuse machen den Getreidebauern zu schaffen.

Der Raps hingegen hat allerlei Liebhaber, die sich an der Pflanze ernähren. Der Rapsglanzkäfer ist einer der vielen tierischen Schädlinge. Er benötigt Temperaturen über zehn Grad Celsius zur Entwicklung und frisst dann die Rapsknospen an, die dann nicht mehr blühen können, also später auch keine Schote ausbilden. Er frisst die Rapsknospen. Experte Klare riet zur Kontrolle des Schädlingsbesatzes auf den Feldern zur sogenannten Gelbschale, mit der der Zuflug der Schadinsekten gemessen wird und eine Entscheidungsgrundlage liefert für eine chemische Pflanzenschutzmaßnahme.

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Sorgen bereitet den Landwirten auch die starke Population von Mäusen, die sich aufgrund der letzten warmen Wintern stark ausgebreitet hätten. Ihnen flächendeckend mit der Chemiekeule zu begegnen, ist für Teilnehmer des kleinen Feldbeganges nicht das Mittel der Wahl. Obwohl sie mit dem Einsatz der „Legeflinten“ (zur Giftbehandlung jedes Mauseloches) schlicht überfordert sind. Nun hoffen sie schon jetzt auf einen knackig kalten Winter 2015/2016.

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