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Aus dem Dornröschenschlaf erwacht Neuer Eigentümer auf dem Berg in Schledehausen

Von Bärbel Recker-Preuin | 22.05.2015, 07:33 Uhr

Auf diesem Fleckchen Erde lässt es sich wahrlich aushalten – „der Berg“ in Schledehausen ist geschaffen für Erholung und Wohlbefinden. Neu ist diese Erkenntnis nicht, denn schon vor mehr als hundert Jahren wurde hier ein Sanatorium errichtet. Relativ neu sind dagegen die Visionen von Ralf Oeverhaus. Er möchte, dass der Bissendorfer Berg „aus dem Dornröschenschlaf erwacht“.

Vielversprechende Anfänge sind gemacht. Oeverhaus ist neuer Eigentümer der Gebäude und Grundstücke. Und noch etwas: Politik und Verwaltung wollen ihn nach Kräften unterstützen. „Ich stelle mir vor, in absehbarer Zeit hier in einem idyllischen Gartencafé zu sitzen“, sagte ein Ratsmitglied und alle anderen, die zur offiziellen Vorstellung des Projektes „Am Berg“ gekommen waren, hatten wohl ähnliche Gefühle. Zugegeben: Bis dahin wird noch viel Wasser durch die Wierau fließen, allerdings beflügelte allein der Gedanke, dass aus dem Großen Zuschlag – kurz „Berg“ genannt – wieder ein idyllischer Anziehungspunkt werden könnte.

Unklare Besitzverhältnisse

Der Berg war in den letzten vierzig Jahren vielfach im Gespräch, leider meistens nicht positiv. Unklare Nutzung und Besitzverhältnisse und der Verfall der historischen Bausubstanz standen im Vordergrund des einst so stolzen Komplexes. Insbesondere der Abriss des alten Sanatoriums im Jahre 2001 – fast genau 100 Jahre nach der Errichtung – hatte die Gemüter regt und für heftige Kritik gesorgt. Wie jetzt deutlich auf dem Berg zu sehen ist, wurde nun ein neues Kapitel aufgeschlagen. Fazit: der Berg lebt wieder.

Neuer Eigentümer

Auslöser dieser alle Fraktionen froh stimmenden Nachricht ist Ralf Oeverhaus, ein Osnabrücker Unternehmer mit Ideen und Tatkraft. Wie kommt nun ein Osnabrücker zum Berg nach Schledehausen? Vor vielen Jahren habe er den Berg und die damalige Akademie kennengelernt, als er in der Firma seines Vaters hier Heizungsanlagen installierte. Die Liebe zum Berg ließ nicht nach, im Gegenteil. Er blieb beseelt von der Idee, Architektur und Landschaft auf dem Gelände der Maharishi Aryurveda Gesundheitszentrum Akademie Schledehausen vor dem Verfall zu retten.

Zwangsversteigerung genutzt

Mit der Zwangsversteigerung bot sich die Gelegenheit. Ralf Oeverhaus wurde Eigentümer der Gebäude (mit Ausnahme eines Hauses, das sich in Privatbesitz befindet) und des fast fünf Hektar großen Areals. Vor einigen Wochen zogen die Handwerker in seine Häuser Am Berg  5 und 5a, 9 und 9a ein. Zurzeit wird umfangreich entkernt, saniert und renoviert. Dass sich gewaltig etwas tut auf dem Berg, zeigt sich auch im Gelände. Das verwachsene Dornröschengestrüpp verschwindet nach und nach, Stück für Stück kommt die ursprüngliche Parkanlage wieder zum Vorschein.

 Visionen für den Berg der Zukunft

„Meine Frau und ich entwickelten eine Vision für die Zukunft des Berges,“ sagte Ralf Oeverhaus. Wie die aussieht, erklärten er und seine Frau Alexandra: Im ersten Abschnitt zur Entwicklung des Berges entstehen in den vorhandenen Gebäuden Hotelzimmer, Appartements, Seminar- und Veranstaltungsräume. Namhafte Therapeuten sollen später Kurse anbieten, die die gesamtheitliche Gesundheit des Menschen im Mittelpunkt stellen. Es geht um ein vielseitiges Angebot – von der Rauchentwöhnung, über Verjüngung und gesunde Ernährung. Ralf Oeverhaus möchte ein professionelles Bildungs- und Kulturprogramm anbieten, zum Beispiel Lesungen und Sprachunterricht.

Erlebbare Kunst

Kunst soll in dieser perfekten Umgebung erlebbar werden. Ausstellungen, Kreativworkshops, auch kulinarische Kunst gehören dazu. „Besonders liegt uns am Herzen, Kultur und Kunst durch besondere Veranstaltungen zu fördern, Veranstaltungen für die Menschen hier in der Gegend, die aber auch überregional von Interesse sind“, sagte Ralf Oeverhaus. Dass der Berg mit diesem Konzept zur offenen Begegnungsstätte für alle Bürger wird, wurde von den Rats- und Verwaltungsmitgliedern als zusätzliches Plus gewertet.

Lichtdurchfluteter Veranstaltungssaal

Oeverhaus‘ Visionen gehen noch weiter. Auf der ehemaligen Gewächshausfläche wird nach seinen Plänen wieder viel Glas verbaut, es entsteht ein lichtdurchfluteter Veranstaltungssaal. „Vielleicht eine romantische Hochzeitsadresse unter alten Bäumen“, so Alexandra Oeverhaus. Die Planung sieht auch vor, Haus 2, also die ehemalige Klinik, und das alte Sanatorium, Haus 1, wieder aufzubauen – und zwar in seiner ursprünglichen Form. Davor dann eine terrassenförmige Parkanlage mit weitem Blick auf das Hasetal. Hier hätte dann auch ein Café-Restaurant einen geeigneten Platz.

Änderung des Flächennutzungsplanes

Vor der Umsetzung dieser Pläne liegen noch Hürden wie die Änderung des Flächennutzungsplanes. Das Gelände befindet sich in einem Landschaftsschutzgebiet. Vor dem Bau neuer Häuser muss das geändert werden, um die Bauleitplanung beginnen zu können. „Wir arbeiten bereits an der Änderung, auch an den Vorgaben des Artenschutzes“, bestätigte Städteplaner Johannes Eversmann. Sicherlich wird über die Details der Oeverhaus’schen Visionen im Planungsausschuss noch diskutiert und abgewogen werden müssen. Zunächst gab es aus allen politischen Richtungen aber positive Signale. Im Sinne des gewaltigen Vorhabens werden die Vorgaben erfüllt, so der Eigentümer, denn dass der Traum vom Erhalt des „Berges“ in Schledehausen in Erfüllung geht, hat für Ralf und Alexandra Oeverhaus Priorität.