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Augenzeugin schildert Vorfälle Landkreis reagiert auf Kampfhund-Attacke in Bissendorf

Von Christian Ströhl | 06.10.2016, 13:00 Uhr

Drei Menschen sind am 29. September im Bissendorfer Ortsteil Jeggen durch einen sogenannten Kampfhund verletzt worden. Eine Augenzeugin schildert die dramatischen Vorfälle, nach denen die Opfer mit Bissverletzungen in die Klinik gebracht wurden. Weil der Hund vor einigen Jahren schon einmal auffällig geworden ist, verschärft der Landkreis nun die Auflagen.

Ein älteres Ehepaar und eine 28-jährige Frau wurden am 29. September an der Schledehausener Straße in Bissendorf (Jeggen) durch einen sogenannten Kampfhund verletzt. Eine Anwohnerin verhinderte womöglich Schlimmeres.

Hilfeschreie

„Zufällig befand ich mich in meiner Küche und hörte Hilfe- und Schmerzensschreie“, erinnert sich Silke Weber im Gespräch mit unserer Redaktion an die Beißattacken. „Beim Blick aus dem Fenster sah ich das ältere Ehepaar, welches täglich mit ihren Gehhilfen die Straße rauf und runter spaziert.“ Laut Webers Angaben habe die 84-jährige Frau zu diesem Zeitpunkt bereits am Boden gelegen – vermutlich umgestoßen von einem Terrier-Mischling, der den Kampfhunden zugeordnet wird. Die Anwohnerin sah, wie der Hund der Frau in den Kopf biss. Silke Weber zögerte nicht, rannte aus dem Haus und verjagte das Tier mit lauten Schreien. Trotz des beherzten Eingreifens erlitt die 84-jährige Dame Bissspuren am Kopf und Oberschenkel, und ihr 83-jähriger Mann im Bereich des Gesäßes und des rechten Oberschenkels.

Hund mit Schaufeln verjagt

Eine Nachbarin habe daraufhin die Polizei verständigt, während Weber das Ehepaar nach Hause begleitete, um von dort den Krankenwagen zu rufen. „Währenddessen kamen die nächsten Schreie von der Brinkstrasse“, sagt die Anwohnerin. Der Hund hatte eine weitere Frau angefallen. Einige Nachbarn seien mit Schaufeln aus dem Haus gerannt, um das Tier zu verjagen. Als die Polizei den Schauplatz erreichte, „war der Hund wieder auf einem Grundstück verschwunden“, sagt Weber.

Schon einmal auffällig geworden

Die Beamten alarmierten daraufhin den Landkreis, der schnell handelte. Weil das Tier bereits vor einigen Jahren auffällig geworden ist, hatten die Besitzer bis dato die Auflagen, den Hund mit Maulkorb und Leine zu führen sowie ein ausbruchssicheres Grundstück zu gewährleisten. Bei einem Wesenstest wurde das Tier damals aber nicht als „Gefahrenhund“ eingestuft.

Gegen Auflagen verstoßen

Da der Terrier-Mischling aus der Umzäunung des Grundstückes entkommen konnte und Menschen verletzte, verschärfte der Landkreis nun die Auflagen und verhängte ein Bußgeld gegen den Besitzer. Außerdem muss der Wesenstest nun wiederholt werden. Laut Landkreissprecher Burkhard Riepenhoff darf sich der Hund ab sofort auch auf dem Grundstück nur angeleint und mit Maulkorb aufhalten. Zudem müsse das Gelände wieder „ausbruchssicher“ gemacht werden. Der Fachbereich Ordnung des Landkreises werde die Einhaltung der Auflagen prüfen und befinde sich zudem in Gesprächen mit dem Besitzer, um eine „einvernehmliche Lösung für alle Beteiligten“ zu finden, sagt Riepenhoff. Eine Möglichkeit wäre dabei etwa auch die dauerhafte Unterbringung in einem Tierheim.

Besitzer vermutet Einbruch

Der Besitzer des Hundes bedauert die Vorfälle: „Es tut mir leid, dass unschuldige Menschen gebissen wurden.“ Er könne es schwer nachvollziehen, warum der Hund, der seit acht Jahren bei der Familie lebt, so auf die Spaziergänger reagierte. Er glaubt, dass das Tier aufgescheucht worden sei und das Grundstück beschützen wollte. Der Besitzer vermutet einen Zusammenhang zu einem Einbruch in der Nachbarschaft, der sich einige Tage zuvor ereignet haben soll. Dabei hätten die Einbrecher Diebesgut auf sein Grundstück geworfen, das Beamte der Kriminalpolizei am Dienstag sichergestellt hätten. „Vermutlich“, so der Besitzer, „sind die Diebe verantwortlich für die Schwachstelle im Maschendrahtzaun.“

Mit dem Verweis auf laufende Ermittlungen wollte die Polizei keine Auskunft zu den Aussagen des Hundebesitzers machen. Außerdem „beteiligen wir uns nicht an Spekulationen“, sagt Mareike Kocar, Pressesprecherin der Polizeiinspektion.

Angst vor erneutem Angriff

Für die Bissendorfer scheint die Gefahr durch die verschärften Auflagen zunächst gebannt. Trotzdem macht sich Silke Weber, übrigens selbst Besitzerin eines Hundes, Gedanken: „Das Grundstück, auf dem der Hund gehalten wird, liegt auf dem Schulweg der meisten Kinder. Muss erst ein Kind schwer verletzt werden, bevor etwas passiert?“ Der Besitzer des Hundes garantiert: „Er wird nicht mehr frei ohne Leine und Maulkorb laufen – auch nicht auf dem Grundstück.“ Derweil sollen sich die Opfer des Hundes das Krankenhaus wieder verlassen haben. „Die ältere Frau spaziert wieder die Straße entlang“, sagt Weber, „allerdings mit Verbänden am Kopf“.