Gefahr auf vier Pfoten Seminar in Bissendorf klärt über aggressive Hunde auf

Von Christoph Beyer

Fachtierärztin und Verhaltensforscherin Dr. Dorit Urd Feddersen-Petersen beschäftigt sich, auch als Gutachterin, mit Hunden, die für Menschen eine Gefahr darstellen. Foto: Christoph BeyerFachtierärztin und Verhaltensforscherin Dr. Dorit Urd Feddersen-Petersen beschäftigt sich, auch als Gutachterin, mit Hunden, die für Menschen eine Gefahr darstellen. Foto: Christoph Beyer

cby Bissendorf. Überraschende Erkenntnisse vermittelte die Fachtierärztin und Verhaltensforscherin Dr. Dorit Urd Feddersen-Petersen den rund 50 Teilnehmern eines Tagesseminars im Bissendorfer Seminarzentrum. Unter der Überschrift „Wenn Hunde zur Gefahr werden“ setzte sich die Expertin mit den Hintergründen für hochaggressive Verhaltensweisen einzelner Vierbeiner auseinander.

Bisse durch Hunde sorgen immer wieder für Schlagzeilen, insbesondere wenn Kinder betroffen sind. Über die Hintergründe derartiger Vorfälle informierte, auf Einladung der Meller Akademie für Hundefreunde „DOCnDOG“, Dr. Feddersen-Petersen mit Praxisbeispielen aus der eigenen Gutachtertätigkeit. Ihr Buch „Hundepsychologie“ gilt als Standardwerk zur Verhaltensforschung von Wölfen und Haushunden.

Beziehung Hund-Halter bedeutend

Unverständlich sei es für sie, betonte Dorit Urd Feddersen-Petersen, dass in vielen Fällen unter sechsjährige Kinder mit einem Hund allein gelassen werden. Durch Missverständnisse zwischen Kind und Hund könne es generell schnell brenzlig werden. Unausgewogenes Sozial- und Aggressionsverhalten hätte aber in der Regel viele Ursachen, wobei dem jeweiligen Beziehungsgeflecht zwischen Hund und Halter eine besonders große Bedeutung zukommt.

Jugendphase entscheidend

Maßgeblich für das spätere Verhalten eines Hundes sei die Jugendentwicklung. In dieser sensiblen Phase gelte es sichere Bindungen zu schaffen, betonte die Expertin. Der Hundehalter müsse sein Tier dabei unterstützen, konstruktiv mit anderen Hunden Kontakt aufzunehmen und zu kommunizieren. „Hunde sind sehr soziale Tiere mit hoher Lernbereitschaft, die eine richtige Impulskontrolle aber erst erlernen müssen“, betonte Feddersen-Petersen.

Keine pauschal gefährliche Rasse

Von gefährlichen Hunderassen möchte die Fachtierärztin nicht sprechen. Stattdessen seien es jeweils einzelne Hunde, deren hyperaggressives Verhalten Probleme bereite. Meist läge dem eine große Unsicherheit zugrunde, die eng mit dem sozialen Umfeld zusammenhinge, in welchem der Hund sozialisiert werde. Zudem spiele auch eine gewisse genetische Selektion eine Rolle.

Für die Erkenntnisse dieser systemischen Sichtweise zeigten viele Multiplikatoren Interesse. Neben Hundeschule-Leitern, Trainern und Tierärzten nahmen auch Behördenvertreter an dem Tagesseminar teil. Zu Letzteren zählte auch Andrea Rappsilber. Die Ordnungsamt-Sachbearbeiterin aus Halle, in deren Zuständigkeitsbereich etwa das Hundegesetz Sachsen Anhalts fällt, hatte die weiteste Anreise auf sich genommen. Von der Seminarteilnahme erhoffte sie sich wichtige Theorieimpulse für die eigene Arbeit.


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