Journalist Michael Brendel Gast Vortrag „Klicken ohne Reue“ in Bissendorfer Oberschule

Von Markus Strothmann

Alles wird digitaler: Michael Brendel betreibt Aufklärung, damit Eltern wissen, was der Nachwuchs treibt bei Instagram, Snapchat & Co. Foto: Markus StrothmannAlles wird digitaler: Michael Brendel betreibt Aufklärung, damit Eltern wissen, was der Nachwuchs treibt bei Instagram, Snapchat & Co. Foto: Markus Strothmann

Bissendorf. Der Journalist Michael Brendel sprach am Donnerstag in der Oberschule am Sonnensee über die wachsende Bedeutung des Internets im Leben von Kindern und Jugendlichen - und wie Eltern den richtigen Umgang vermitteln können.

„Aufwachsen 2.0“ lautete der erste Tagesordnungspunkt des Vortrags, den Michael Brendel extrovertiert und mit hohem Tempo hielt. Der 39-jährige Brendel ist Studienleiter für Medien und Politik im Ludwig Windthorst-Haus in Lingen und hat selbst drei Kinder, zwei davon internetfähig. Er weiß also, wovon er spricht. „Es gibt heute keine von digitalen Medien unbeeinflussten Lebenswelt-Erfahrung mehr: Auch Identitätsfindung und Abgrenzung von den Eltern sind geprägt von digitalen Medien.“ Wie man dazu grundsätzlich steht, ist schon längst nicht mehr die Frage, es ist gesellschaftliche Realität. Michael Brendel mit Zahlen: 156 Minuten sind 12 bis 13-Jährige im Schnitt täglich online, die 14 bis 15-Jährigen sogar 191 Minuten, also mehr als drei Stunden. Medium Nummer eins ist das Smartphone. 

Bescheid wissen

Viele Kinder und Jugendliche haben bereits Erfahrung mit Cybermobbing, Internetkriminalität und Seiten, deren Besuch Eltern lieber verbieten würden. „90 Prozent des gesamten weltweiten Internetverkehrs sind Porno“, so Michael Brendel, „aber nur 3 Prozent sind durch eine echte Altersabfrage gesichert.“ 

Was also sollte man Kindern mit auf den Weg geben, um die Risiken der Internetnutzung zu minimieren? „Sie sollten sich regelmäßig informieren, mögliche Schutzmechanismen anwenden und auf Augenhöhe mit Ihren Kindern reden“, empfahl Brendel. Wenn der Nachwuchs sehr viel besser Bescheid weiß als die Eltern, wird es schon schwierig, auch nur zu reden über problematische Anwendungen, Seiten und Gewohnheiten. 

Alternativen zu Whatsapp

Auch auf Privatsphäre legt Michael Brendel gesteigerten Wert, ebenso auf möglichst weitgehende Kontrolle über die eigenen Daten. Darum nutzt er etwa nicht mehr die Nachrichten-App Whatsapp, anders als 1,2 Milliarden Menschen weltweit. Der Grund: das Unternehmen speichere die Kontaktdaten nicht nur seiner Nutzer, sondern auch diejenigen aller Personen in deren digitalen Telefonbüchern. Andere Dienste wie Threema, Signal und Wire täten das nicht, so Brendel, der diese als Alternativen empfiehlt. Allerdings gab er selbst an vielen Stellen im Vortrag deutlich zu verstehen, dass man streng genommen nie wisse, wer was über einen weiß – oder zumindest theoretisch Zugriff hätte auf die Daten, denn wie eine Zuhörerin bemerkte: „Wen soll das denn interessieren?“ Da hielt Michael Brendel dagegen: „Ich möchte mir gern so etwas wie eine Privatsphäre bewahren, und darum achte ich darauf, was ich poste und welche Dienste ich nutze.“


0 Kommentare