Neugeborene Rehe im Visier Jungjäger gelingt seltene Tierbeobachtung in Bissendorf

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Bissendorf/Osnabrück. Einen besonders seltenen Einblick in die Kinderstube der Natur hatte der junge Jäger Kilian Fenske (26) aus Osnabrück-Haste. Im Revier im Bissendorfer Ortsteil Krevinghausen beobachtete er frisch geborene, erst wenige Stunden junge Rehkitze.

Der aufregende Moment liegt zwar schon ein paar Wochen zurück. Kilian Fenske ist aber noch immer hellauf begeistert. „Zum ersten Mal in meiner dreijährigen Zeit als Jäger habe ich so kleine Kitze gesehen“, erzählt der 26-Jährige. Viele ältere Jagdkollegen staunen über sein enormes Jungjäger-Glück, haben sie eine derartige Situation trotz langjähriger Waidmannstätigkeit noch nicht erlebt.

Viele Stunden reine Beobachtungszeit

5.20 Uhr morgens an einem Montag im Mai: Kilian sitzt mit Gewehr auf dem Hochsitz. Es ist Saison für die Rehbockjagd. Einen Bock entdeckt er an diesem Morgen nicht, stattdessen ein weibliches Reh, in Jägersprache „Ricke“ genannt, mit dickem Bauch. „Tiere in freier Wildbahn zu beobachten ist einfach faszinierend und bildet für mich eine ebenso wichtige, wenn nicht sogar bedeutendere Facette der Jagd, wie das Erlegen von Wild“, berichtet Kilian Fenske. „Viele Leute denken, Jäger klettern auf den Hochsitz und schießen das erste Reh, das ihnen vor die Büchse kommt. Wie viele Stunden reinen Beobachtens und Entspannens mitten in der Natur dazu gehören, wissen die meisten nicht“. Rund 40-mal pro Jahr zieht der Jungjäger ins Revier. In diesem Mai waren es elf Reviergänge bei denen er einen Fuchs, sechsmal Damwild, viele Rehe und weitere Wildarten wie Mäusebussarde oder Kanadagänse observieren konnte.

Kitze gerade zur Welt gebracht

Als Kilian Fenske am Abend noch einmal zurückkehrt, traut er seinen Augen kaum. Gerade auf der Leiter des Hochsitz stehend, erhebt sich 30 Meter vor ihm das Reh aus dem hohen Gras, mit dem er bereits morgens Bekanntschaft gemacht hatte. Aber was bewegt sich da hinter dem Tier? Der Jungjäger muss dreimal hinschauen, bis er realisiert, dass es noch von der Geburt feuchte Kitze sind, die wackelig auf den Beinen von ihrer Mutter trocken geleckt werden.

Im Mai und Juni bekommen Rehe ihren Nachwuchs. Obwohl die Paarungszeit Ende Juli stattfindet, entwickelt sich ihre befruchtete Eizelle erst ab Dezember. Diese Verzögerung wird als Eiruhe bezeichnet und hat für die Tiere den Vorteil, dass der Nachwuchs im Frühling statt Winter zur Welt kommt, in einer Zeit in der die Temperaturen moderat sind und das Nahrungsangebot groß ist. Rehe bringen ein bis drei weißgetupfte Kitze zur Welt, die sie in Deckung ablegen und in den ersten Wochen nur zum Säugen aufsuchen, damit Fressfeinde nicht auf die Babys aufmerksam werden. Die Jungtiere haben einen Duckreflex, drücken sich bei Bedrohung auf den Boden, anstatt zu fliehen. Deswegen fallen jährlich zahlreiche Kitze, die sich in den Äckern ducken, Mähmaschinen zum Opfer.

3500 Fotos von heimischen Wildtieren

Von seinem Beobachtungsposten schießt Kilian Fenske Fotos. Seine Kamera hat er stets dabei, 3500 Fotos heimischer Wildtiere bestücken das Archiv auf seinem Computer. Aber auch auf dem Hof seiner Familie in Krevinghausen findet er tierische Motive: Kühe, Schweine, Muffelwild, Nandus, Katzen und Hund Lilu. Der 26-Jährige macht seinen Master in der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft an der Hochschule Osnabrück und möchte beruflich im Agrarsektor tätig werden. Mit dem Thema Jagd kam er zum ersten Mal während seiner Ausbildungszeit in einem landwirtschaftlichen Lehrbetrieb in Glandorf in Berührung. „Bisher gab es in meiner Familie keinen Jäger“, sagt er. Der Jagdschein sei eine gute Ergänzung zu seiner landwirtschaftlichen Ausbildung und dem anschließenden Studium, das auch forstwirtschaftliche Aspekte umfasst.


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