Feld in Bissendorf-Nemden abgesucht Projekt im Osnabrücker Land: Drohne sucht Kitze

Von Carolin Hlawatsch


Bissendorf.  Mithilfe eines Hexacopters mit Wärmebildkamera unterstützt Carsten Kemna aus Gesmold die Jägerschaft Osnabrücker-Land bei der Rettung von Rehkitzen. Viele Landwirte führen derzeit die Mahd ihrer Felder durch, die ungünstiger Weise in die Setzzeit der Rehe fällt. Unlängst wurde ein großes Feld in Bissendorf-Nemden mit dem Hexacopter nach Tieren abgesucht.

Mit gereckten Köpfen steht eine Gruppe Jäger zusammen mit Landwirt Dirk Westrup an dessen Feldrand. Gespannt verfolgen sie den zwischen 12 und 17 Metern hoch fliegenden Hexacopter, der die Fläche systematisch abfliegt und von Drohnenpilot Carsten Kemna über Fernbedienung gesteuert wird. Neben Kemna arbeitet sein Bissendorfer Kollege Sven Pots. Er trägt eine First-Person-View (FPV)-Brille mit Bildschirm und sieht so ganz genau das Wärme- sowie das Videobild, das die am Hexacopter angebrachte Kamera überträgt.  

Ein Job für Frühaufsteher

In diesem Frühling haben die Kitzretter ihr Projekt, das sie den Jägern im Winter auf Versammlungen vorstellten, neu eingeführt. Das Interesse seitens Landwirten und Jägerschaft ist groß. Zum Start der Mahd werden Kemna und Pots oft kurzfristig angefragt, da das Mähen der Felder wetterabhängig ist. In aller Frühe rücken sie dann mit ihrer Ausrüstung an, um ein Feld vor dem Mähen abzusuchen. „Nach Möglichkeit starten wir gegen 6 Uhr morgens, dann wenn es noch kühl ist“, erklärt Carsten Kemna. Sobald die Sonne heraus kommt, liefere die Wärmebildkamera nicht mehr so gute Ergebnisse, da sich die Differenz zwischen Außentemperatur und gesuchtem zirka 25 Grad warmen Kitzkörper dann verringere. 

Durch Landmaschinen stark gefährdet

Nicht nur Kitze, auch Junghasen und Bodenbrüter wie der Fasan sind durch Landmaschinen stark gefährdet. Nur ein Teil der Tiere wird durch die Mäher sofort getötet, viele werden schwer verletzt, was den Erntevorgang alljährlich zu einem gravierenden Tierschutzproblem werden lässt. Im Mai und Juni ist Hauptsetzzeit der Rehe. Die Ricke versteckt ihre ein bis drei Kitze in Wiesen und Feldern und sucht sie nur kurz zum Säugen auf. Erst ab der vierten Lebenswoche folgen die Kitze ihren Müttern. Vorher liegen sie fluchtunfähig, durch ihr geflecktes Fell und reduziertem Eigengeruch gut getarnt vor Fressfeinden im hohen Gras, oder eben auch im Grünroggen, Weizen oder anderen landwirtschaftlichen Energiepflanzen, die für Biogasanlagen zu Brut- und Setzzeiten gemäht werden. Aufgrund ihres Duckreflexes drücken sie sich bei herannahenden Landmaschienen auf den Boden. „Wird ein Kitz beim Mähen übersehen und gerät in den Häcksler stellt das auch eine Lebensgefahr für das Vieh dar, welches später die Silage frisst“, weiß Revierinhaber und Landwirt Herbert Heckmann. 

Jungtieren helfen

Jäger und Landwirte sind den Kitzrettern für ihren ehrenamtlichen Einsatz dankbar. Carsten Kemna und Sven Pots möchten die, wie sie sagen „gar nicht komplizierte“ Drohnen-Technik bekannter machen, in der Hoffnung, dass sich andere Naturfreunde ebenfalls engagieren. Die Jägerschaft denkt bereits über die Anschaffung der Technik nach. „Es gibt einfach zu viele Felder, die abgesucht werden müssen. Das können wir alleine nicht abdecken“, sagt Carsten Kemna. Ein TV-Bericht und vor allem drei tot gemähte Kitze in seiner Nachbarschaft weckten bei ihm Ambition, den Jungtieren zu helfen. Dafür informierte sich der beruflich als Reha-Techniker im Sitzschalenbau tätige Kemna deutschlandweit bei verschiedenen Rehrettungsorganisationen. 

15 Hektar in 90 Minuten

Größte Herausforderung sei, mit dem Hexacopter wirklich die gesamte Suchfläche zu erfassen, kein Stück zu übersehen. Die Wärmebildkamera decke in einer Flughöhe von 12 Metern einen 12 Meter breiten Streifen ab. Durchschnittlich schafft es das Team 15 Hektar in 90 Minuten abzusuchen. Das ist effizienter, als das Begehen des Felds mit angeleinten Hunden, wie es von den Jägern zur Kitzrettung durchgeführt wird. Akustische Vergrämungsmittel an Mähmaschinen führen nur zu mäßigem Erfolg, da die Kitze in den ersten drei Lebenswochen noch nicht fliehen können. 

Kitz entdeckt

Beim Einsatz im Nemden wurde noch kein Kitz entdeckt. Die Funde mehrten sich in den darauf folgenden Wochen mit Zunahme der Kitzgeburten. Elf Kitze konnten bis jetzt im Bereich Bissendorf und Melle mithilfe des Drohnen-Projekts gerettet werden. Wird ein Jungtier gefunden, versetzen es die Jäger mit Einmalhandschuhen und Kiste in ein angrenzendes, sicheres Waldstück. Durch rufen mit Fieplauten finden Ricke und Kitz wieder zueinander.