Drogenprävention in Bissendorf Wenn ein Süchtiger der Klasse Angst macht

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Drastische Abschreckung: Janina La-Candia, Michelle Ritter und Hannah-Luisa Ludwig (von links) betrachten auf dem Hof der Oberschule am Sonnensee das Auto, in dem ein 22-Jähriger ums Leben kam. Foto: Egmont SeilerDrastische Abschreckung: Janina La-Candia, Michelle Ritter und Hannah-Luisa Ludwig (von links) betrachten auf dem Hof der Oberschule am Sonnensee das Auto, in dem ein 22-Jähriger ums Leben kam. Foto: Egmont Seiler

Bissendorf. Wie gefährlich ist Alkohol, wie schnell wird man von Drogen süchtig, wie fühlt sich ein Horrortrip an? Auch die Oberschule am Sonnensee beteiligte sich an der Bissendorfer Aktionswoche „Alkohol? Weniger ist mehr!“. Zu Gast war ein Suchtkranker, der nach zwei Therapien „clean“ ist.

Es ist der Hingucker in der Pause: Auf dem Hof der Oberschule am Sonnensee steht ein Autowrack, das sich um einen Baumstamm gewickelt hat, ausgestellt auf einem Anhänger. Die Fahrertür ist herausgeschnitten, der Airbag hängt schlaff aus dem Lenkrad, auf dem Sitz sind rotbraune Flecken zu erkennen. Nicht jeder begreift auf Anhieb, was das soll; mehrere Jungs scharren sich um den roten VW Lupo, fachsimpeln über technische Details und machen Witze. Nur wer die Texttafel am Anhänger liest, erfährt: In diesem Auto starb ein junger Mann. Der 22-Jährige war nach einer Karnevalsfeier betrunken von der Fahrbahn abgekommen, frontal gegen den Baum geprallt, noch an der Unfallstelle verstorben. „Selber schuld“, sagt einer lapidar.

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„Die Jungs sind eigentlich immer so“

Es ist der Drogenpräventionstag der neunten Klassen, und nein, nicht jeder geht damit sensibel um. „Die sollten mehr darüber nachdenken, was da passiert ist“, sagt Janina La-Candia, 15, die ebenfalls an dem Unfallwrack steht. „Die Jungs sind eigentlich immer so“, sagt ihre Freundin Michelle Ritter, ebenfalls 15.

Wie man coole Jungs packt, weiß René Küppers. Der 41-Jährige ist „Polytoxer“, wie er sagt, das heißt, er ist – oder war – von mehreren Drogen abhängig. Heute, nach zwei Therapien, ist er clean und erzählt den Schülern 75 Minuten lang, wie das so ist, wenn man süchtig ist – ohne Lehrer, ohne Erwachsene. „Die haben alle gespannt zugehört“, sagt er später. Sein Ansatz: Nichts beschönigen, aber auch nichts zu verbieten. „Die müssen ihre Erfahrungen machen“, sagt er, und: „Alles, was ich tun kann, ist Angst zu machen.“

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Spinnen an den Beinen

Bei den Schülern bleibt genau das hängen. „Er hat erzählt, wie er durch Drogen mal einen Horrortrip hatte“, erzählt Michelle. Ängste, die man ohnehin schon habe, würden dabei verstärkt; Küppers etwa habe riesige Spinnen an sich hinaufklettern gefühlt und Stimmen gehört, das ging so weit, dass er in die Psychiatrie kam. „Ich würde das auf jeden Fall nicht machen“, sagt Janina.

Küppers ist klar und direkt. „Freunde, die versuchen, Euch was anzudrehen, sind keine Freunde“, sagt er etwa. Oder: „Der Dealer will nur Euer Geld, der wird Euch bei Problemen oder vor Gericht nicht unterstützen.“ Und, was die wenigsten Schüler wissen: „Der Körper entwickelt sich anders.“ Er sei physisch und psychisch auf der Strecke geblieben, fühle sich eher wie Anfang 30 als wie Anfang 40, erzählt Küppers nach der Gesprächsrunde. „Drogen bringen den Körper durcheinander. Das musst Du weitergeben, sonst wissen die nicht, was das mit dem Körper anrichtet.“ Es ist einer der Gründe, warum er den Caritas-Selbsthilfeverband Kreuzbund unterstützt, Selbsthilfegruppen betreut, Schulklassen besucht.

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„Gut, so offen darüber zu reden“

Bei den Schülern kommt das gut an. „Es war mal gut, so offen darüber zu reden und das nicht nur von Lehrern zu hören“, sagt Janina. Denn Lehrer müssten ihre Schüler ja schließlich vor Drogen warnen – aber Betroffene wie René Küppers würden ganz anders reden, „weil die wirklich nicht wollen, dass das jemandem passiert“.


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