Landwirte im Osnabrücker Land Strategie gegen den Mähtod: Blitzlicht im Grünland

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Strategie gegen den Mähtod von Wildtieren: Landwirt Rolf Detert (von links), Mitarbeiterin Pia Engelbrock und Jagdpächter Christian Huch mit LED-Warnlichtern im Grünland. Foto: Harald PreuinStrategie gegen den Mähtod von Wildtieren: Landwirt Rolf Detert (von links), Mitarbeiterin Pia Engelbrock und Jagdpächter Christian Huch mit LED-Warnlichtern im Grünland. Foto: Harald Preuin

Bissendorf. In Feld und Flur ist die Kinderstube eröffnet. Vögel, Hasen und Rehe bekommen jetzt ihren Nachwuchs. Eine gefährliche Zeit für alle Tiere.

Zwar ist Brut- und Setzzeit, in der Jungtiere samt Eltern einen besonderen Schutz genießen, doch eine lebensbedrohende Gefährdung ist damit nicht beseitigt – der Mähtod. Milchbauer Rolf Detert (61) aus Wissingen, der wie viele seiner Berufskollegen jetzt die erste Grasernte begonnen hat, entwickelte schon in den vergangenen Jahren eine sogenannte Verbrämungsstrategie. Ziel war, Jungtiere von Hase und Reh sowie Gelege von Wiesenbrütern vor dem frühen Mähtod zu bewahren. Bislang versuchte er am Vorabend der Mahd die Tiere so zu beunruhigen, dass sie von ihren Plätzen im Grünland flüchteten. Das gelang schon bei einem Gang durchs Grasland, mit Lärm und mit Hilfe eines Hundes. Doch dabei wurden nur die Eltern und die älteren Jungtiere aufgeschreckt, die ganz kleinen duckten sich tief an den Boden. Wurden sie aufgespürt, konnte der Landwirt den Nachwuchs nach außerhalb des Mähbereiches versetzen. Das war zeitaufwändig und manchmal nur von magerem Erfolg gekrönt.

Gut sichtbar und wasserdicht

Nun hat sich der Landwirt einer neuen Strategie der Verbrämung verschrieben. Er setzt auf viel Licht mit verschiedenen Effekten – Discolight im Grünland eben. In enger Abstimmung mit dem Jagdpächter setzt er am Vorabend der Mahd im Grünland LED-Warnlichter, die den Schlag rundum bestreuen. Von Dauerlicht über Rundlicht bis Blitzlicht gibt insgesamt neun Abstufungen. Die Leuchten sind bis 800 Meter Entfernung gut sichtbar und wasserdicht.

Diese Methode der Verbrämung sollte nach Rolf Detert in der Landwirtschaft auf deutliche Zustimmung stoßen. Ein Blinklicht kostet rund 20 Euro. Das Niedersächsische Landvolk hat dazu ein Infoblatt herausgegeben: „So vermeiden Sie den Mähtod!“. Darin wird auch die Kombination mit akustischen Signaltongebern empfohlen. Auch Detert setzt einen solchen Pieper ein, der während der Arbeit von seinem Trecker einen durchdringenden Pfeifton abgibt, wie man ihn von stationären Alarmanlagen kennt.

Gefahr für Wiederkäuer

Der Bissendorfer Landwirt hat zuvor mit den Jagdpächtern Angela und Christian Huch Kontakt aufgenommen. Gerade die Jäger haben ein starkes Interesse daran, dass der Mähtod eingedämmt wird. Besonders Kitze und Hasen können sich im hohen Gras oder Grünroggen vor natürlichen Fressfeinden schützen, indem sie sich tarnen und ducken. Doch Kreiselmäher arbeiten sehr bodennah. Detert hat sein Mähwerk schon auf sieben Zentimeter Höhe eingestellt, es wird aber auch schon auf fünf Zentimeter Höhe geschnitten. Damit sind nicht nur Häslein und Kitz bedroht, sondern auch Wiesenbrüter wie Kiebitz, Feldlerche und Wachtelkönig, die mittlerweile vom Aussterben bedroht sind, wie die Deutsche Wildtierstiftung schreibt.

Landwirte haben ein hohes Interesse daran, dass ihre Grasernte sauber ins Silo kommt, macht Rolf Detert deutlich, denn die durch Wildtierkadaver verunreinigen Silagen stellen eine akute Gefahr für die Bildung von Botulismus-Gift dar. Diese Keime sind eine tödliche Gefahr für Wiederkäuer. Detert: „Hat eine Kuh verseuchtes Futter gefressen, gibt es praktisch keine Rettung mehr. Darin sind schon ganze Herden zugrunde gegangen“.

Tiere reagieren besonders auf blaue Farben

60 Hektar Grünland bewirtschaftet Detert, die Flächen zeigen ein ganz unterschiedliches Wildtieraufkommen. Nach den ersten Versuchen mit der neuen Verbrämungsstrategie zeigte er sich zufrieden. Dabei hat er auch die Empfehlung des Landvolkverbandes umgesetzt, in dem er das Gras von innen nach außen gemäht hat, weil 70 bis 80 Prozent des Wildes den Randbereich nutzt. Treckergeräusch und Pieper sorgten bei Alt- und Jungtiere für weitere Fluchtreflexe.

Die Jagdpächter Angela und Christian Huch befürworten Deterts Bemühungen gegen den Mähtod. LED-Warnlichter und Pieper, selbst blau-weißes Flatterband, verscheuche das Wild von der Grünfläche. Dass die Tiere besonders auf blaue Farben reagieren, haben die Jäger mit Reflektoren an Straßenbegrenzungspfählen erfahren. Sie dienen im Wesentlichen, einen nächtlichen Wildwechsel an Straßen einzudämmen. Angela Huch: „Wir haben für unser Revier 80 Reflektoren angebracht und dafür 380 Euro bezahlt“.


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