Steinzeitfest in Jeggen Den Stein ins Rollen bringen

Von Nancy Knäuper

Mit reiner Muskelkraft und bewährten Zug- und Hebeltechniken wurde der rund zwei Tonnen schwere Findling von den Schülern der Oberschule am Sonnensee transportiert.  Foto: Egmont SeilerMit reiner Muskelkraft und bewährten Zug- und Hebeltechniken wurde der rund zwei Tonnen schwere Findling von den Schülern der Oberschule am Sonnensee transportiert.  Foto: Egmont Seiler

ng Bissendorf. Ein archäologisches Experiment mit einem zwei Tonnen schweren Findling, Darbietungen von Steinzeitakteuren und verschiedene Mitmachaktionen: Die Besucher des Steinzeitfestes in Jeggen haben sich auf eine Reise in die Jungsteinzeit begeben.

Jeden letzten Sonntag im April findet der Europäische Tag der Megalithkultur statt. In diesem Jahr wurde er unter dem Motto „Moving Stones“ veranstaltet. Die Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück, die Initiativgruppe „Jeggen lebt 07“ sowie die Gemeinde Bissendorf und der Landkreis Osnabrück haben diesen Tag zum Anlass genommen, ein faszinierendes archäologisches Experiment zu starten. Schüler der Oberschule am Sonnensee haben versucht, einen rund zwei Tonnen schweren Findling über eine Strecke von mehr als 100 Metern mit reiner Muskelkraft nach steinzeitlichen Methoden zu bewegen. Zusätzlich lockte das Steinzeitfest auf dem Bolzplatz in Jeggen mit einem bunten Rahmenprogramm, bei dem die Besucher einen Eindruck vom Leben in der Steinzeit bekamen.

Tausende Jahre alt

Vor mehr als 5000 Jahren erschufen die Menschen in der Jungsteinzeit einzigartige Denkmäler, die sogar noch älter als die Pyramiden von Gizeh sind. Zahlreiche Großsteingräber sind in dieser Zeit entstanden, die heute als monumentale Zeugnisse einer lange vergangenen Kultur zu finden sind. Das alte Hünengrab in Jeggen ist eines der jahrtausendealten Großsteingräber, die entlang der sogenannten Straße der Megalithkultur entdeckt werden können.

„Straße der Megalithkultur“

Die „Straße der Megalithkultur“ verläuft zwischen den Städten Osnabrück, Meppen und Oldenburg, ist 330 Kilometer lang und verbindet die historisch interessantesten, attraktivsten und am besten erhaltenen Megalithgräber miteinander. Im Jahr 2013 erhielt die Straße der Megalithkultur dank der intensiven Bemühungen des Vereins Megalithic Routes die Auszeichnung als Kulturweg des Europarates.

Am Europäischen Tag der Megalithkultur zeigen die Mitglieder von Megalithic Routes seit dem Jahr 2014 in verschiedenen Regionen Europas ihre Großsteingräber unter einem besonderen Thema, um die vielfältigen Aspekte der Megalithkultur zu verdeutlichen. In diesem Jahr lautete das Thema „Moving Stones“. Dabei stand die Frage im Mittelpunkt, wie die Steinzeit-Menschen die großen Felsbrocken bewegt haben.

Experiment vor Ort

Und genau dieses Rätsel wollten die Veranstalter beim Steinzeitfest in Jeggen lösen. Stadt- und Kreisarchäologe Bodo Zehm erklärte anhand eines Modells, wie der Findling mithilfe von Zug- und Hebelkräften bewegt werden konnte. Auf einem Holzschlitten wurde er mit Seilen über Baumstämme gezogen. Die Schüler der Oberschule am Sonnensee wurden bei dem Projekt miteinbezogen und konnten damit selbst erleben, mit welchen Methoden die Menschen früher gearbeitet haben. Gut eine Stunde haben sie gebraucht, um den rund zwei Tonnen schweren Findling die Strecke von über 100 Metern zu transportieren.

Zahlreiche Besucher waren gekommen, um sich das archäologische Experiment anzuschauen, das dank der umfangreichen Vorbereitungen des Fachdienstleiters der Stadt- und Kreisarchäologie und seiner Kollegin Judith Franzen und zahlreicher weiterer Helfer erfolgreich durchgeführt werden konnte. „Das war gar nicht so schwer“, erzählten die Schülerinnen Vivien und Henriette, die sich zusammen mit rund 20 Mitschülern freiwillig zur Teilnahme an der Aktion gemeldet hatten.

Doch auch abgesehen von dem besonderen Höhepunkt bot das Steinzeitfest in Jeggen verschiedene Gelegenheiten, etwas über die Steinzeit zu erfahren. Der Experimentalarchäologe Jean-Loup Ringot brachte verschiedene Gegenstände aus der Steinzeit mit, und die Mitarbeiter der Waldläufer Akademie aus Hamburg bastelten mit den Kindern Spielzeuge und andere Dinge. Wer wollte, durfte sich außerdem im Bogenschießen versuchen oder über einer Feuerstelle kochen und backen.


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