Wie geht es weiter? Bissendorfer Pappelstreit geht in die nächste Runde

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Die Pappeln an der Straße „Gut Stockum“ sind momentan Streitthema in Bissendorf. Foto: Jörn MartensDie Pappeln an der Straße „Gut Stockum“ sind momentan Streitthema in Bissendorf. Foto: Jörn Martens

Bissendorf. Im Streit um die Pappeln zum Gut Stockum in Bissendorf hat sich nun Claus Kanke, Sprecher des Ortsverbandes der Grünen, noch einmal ausführlich zu Wort gemeldet. Auch Bürgermeister Guido Halfter und die untere Naturschutzbehörde nehmen Stellung.

Nach der gescheiterten Fällaktion von 64 Pappeln an der Straße zum Gut Stockum und einer hitzigen Diskussion im Finanzausschuss bleibt das Thema weiterhin umstritten. Für Claus Kanke steht fest: „Wir wollen die Fällung nicht.“

Bereits im Dezember 2014 hatte der Bürgermeister die Kommunalpolitiker darüber informiert, dass Pappeln gefällt werden müssen. Weitere Informationen dazu folgten, auch darüber, dass es 64 Pappeln betrifft. Zuletzt war die Fällaktion Thema in der Sitzung des Verkehrsausschusses am 28. Februar. Keiner der Ausschussteilnehmer widersprach.

Vertrauen in die Verantwortlichen

Auch Kanke nicht, obwohl es laut Guido Halfter möglich gewesen wäre, einen Antrag zu stellen – und Kanke das als erfahrener Kommunalpolitiker auch wissen müsste. Er habe den Verantwortlichen zunächst vertraut, dass sie die entsprechenden Gutachten in Auftrag gegeben und korrekt recherchiert hätten, sagt Kanke. Als jedoch die Fällaktion erst nach dem 28. Februar und somit in der Schonzeit habe stattfinden sollen, sei er, auch weil er selbst Landschaftsgärtner ist, misstrauisch geworden.

Da es bislang kein Gutachten zur Vitalität der Bäume gibt, ist er gegen das Fällen. Er ist auch überzeugt, dass die Pappeln gesund sind und es keinen Grund gibt, sie zu entfernen. Ein bisschen Totholz bedeute noch nicht, dass der Baum nicht sicher sei. Mit einem Pflegeschnitt könne man die Bäume oft retten. Sollte ein Gutachten jedoch zu dem Schluss kommen, dass die Bäume tatsächlich nicht zu retten sind, „dann muss ich das akzeptieren“, sagt er.

Was ist die besondere Härte?

Völlig unverständlich ist für Kanke, wieso die untere Naturschutzbehörde eine Befreiung von der Festsetzung der Verordnung zum Schutz von Baumreihen, Hecken und Feldgehölzen erteilt hat. Eine solche Befreiung ist möglich, wenn es „im Einzelfall zu einer nicht beabsichtigten Härte“ führen würde, wenn die Bäume nicht gefällt würden. Was unter „besonderer Härte“ in diesem Fall zu verstehen ist, da kein Gutachten vorliegt, interessiert Kanke.

Ein schriftliches Gutachten gebe es nicht, das bestätigt auch Bürgermeister Guido Halfter. Allerdings habe es einen Termin vor Ort mit Experten gegeben. Darauf weist auch die unter Naturschutzbehörde hin: „Gemäß gemeinsamer Einschätzung vom damaligen Bezirksförster, dem Mitarbeiter der unteren Naturschutzbehörde und dem Mitarbeiter der Gemeinde Bissendorf war und ist die dauerhafte Verkehrssicherheit der Baumreihe infrage gestellt worden.“ Deutliche Hinweise auf diese Einschätzung hätten zwei bereits abgebrochene Bäume aus der Baumreihe geboten. Ein Gutachten zur Verkehrssicherheit eines externen Sachverständigen wurde nach gemeinsamer Abstimmung für nicht erforderlich gehalten, so die Naturschutzbehörde in ihrer Stellungnahme.

Pflegeschnitt ist keine Alternative

Unverhältnismäßig sei es aus Sicht der unteren Naturschutzbehörde, „einen umfangreichen Pflegeschnitt an den Einzelbäumen als eine ernsthafte Alternative in Betracht zu ziehen“. Gleichwohl wurde laut der Behörde darüber zwischen den Beteiligten beraten. „Nach allgemein gefestigter naturschutzfachlicher Auffassung besitzen Pappeln zudem eine nur sehr eingeschränkte Habitatqualität für heimische Tierarten, weshalb an vielen Stellen eine Umwandlung in Richtung standortheimischer Laubgehölze empfohlen wird.“ Daher hatte die Naturschutzbehörde als Bedingung für die Befreiung gefordert, dass eine neue Allee aus Stieleichen gepflanzt wird, die eine deutlich längere Lebensdauer haben wird und einer Vielzahl an heimischen Tierarten einen Lebensraum bietet.

Gefällt werden können die Bäume im Moment nicht mehr, da die Befreiung nur bis zum 17. März galt. Mit den Experten werde die Allee nun noch einmal in Augenschein genommen, um zu klären, ob Maßnahmen getroffen werden müssen, damit die Verkehrssicherheit gegeben ist, erklärte der Bürgermeister. Halfter geht aber davon aus, dass die Bäume im Herbst gefällt werden müssen.

Bislang kein Antrag

Über die nächsten Schritte werde er den Gemeinderat informieren, sagte Halfter. Bislang liege ihm noch kein Antrag vor, die Pappeln zum Thema in der nächsten Ratssitzung zu machen. Wenn es einen Antrag gebe, dann würde er ihn prüfen.

Kanke hingegen wünscht sich ein Gutachten, eine Abwägung und ein Beschluss des Rates. Auch wenn einige vielleicht gerne die Abholzung hätten, gebe es dennoch aus gutem Grund Naturschutzgesetze. „Die Festsetzung unserer Naturschutzgesetze hat die gleiche Bedeutung wie eine rote Ampel“, betont er.


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