Film über die Rettung Happy End für Bissendorfer Fohlen

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Dank vieler Helfer und einer Ammenstute hat Deria 2 überlebt. Besitzer Wolfgang Knemeyer ist glücklich darüber. Foto: Nina StrakeljahnDank vieler Helfer und einer Ammenstute hat Deria 2 überlebt. Besitzer Wolfgang Knemeyer ist glücklich darüber. Foto: Nina Strakeljahn

Bissendorf. Es sind dramatische Stunden, die Wolfgang Knemeyer am 6. April 2016 mit seiner Frau Andrea im Stall in Nemden durchlebt. Noch einen Tag zuvor freuen sie sich über die Geburt des Fohlens. Einen Tag später muss die Mutter eingeschläfert werden und das Fohlen braucht dringend Milch.

Wolfgang Knemeyer (52) züchtet Hannoveraner. Das haben auch schon sein Vater und sein Großvater gemacht. Er hat viel erlebt: von bei Pferden seltenen Zwillingen bis hin zu Totgeburten. Doch was im vergangenen Jahr bei der Geburt von Deria 2 passiert ist, berührt ihn bis heute.

Mit einer Kamera im Stall beobachtete er am 5. April morgens gegen 8 Uhr die Geburt und half später der Stute mit dem Namen „Wertmarke“. Tierärztin Tanja Honerkamp aus Melle kam vorbei, begutachtete die Mutter. Alles schien in Ordnung. Glücklich über die Geburt des Fohlens fuhr Knemeyer zur Arbeit. Als er nach der Spätschicht zurückkehrte und im Stall nach dem Rechten sah, wusste er jedoch, dass etwas nicht stimmte. Die Stute war unruhig. Er dachte an Koliken und rief den diensthabenden Tierarzt. Der tippte zunächst auf einen Bluterguss und spritze ein Schmerzmittel. Das half zunächst. Knemeyer ging ins Bett.

„Man weiß, wenn ein Tier krank ist“

Am nächsten Morgen führte sein Weg gegen 5 Uhr wieder in den Stall. Der Zustand der Stute hatte sich verschlechtert. Knemeyer ahnte, dass es nicht gut um sie stand. „Man weiß, wenn ein Tier krank ist.“ Der Tierarzt bestätigte diese Ahnung: Das Pferd hatte innere Verletzungen. Wohl durch einen Tritt bei der Geburt seien die verursacht worden. Das könne bei Pferden vorkommen, erklärt der Hobby-Züchter. Der Tierarzt hätte die Stute am liebsten sofort eingeschläfert. Doch was sollte mit dem Fohlen geschehen?

Knemeyer wartete. Die Stute bekam Schmerzmittel. Da Pferde ohne Abwehrkräfte zur Welt kommen, ist die erste Milch für das Fohlen besonders wichtig, erklärt Knemeyer. Deshalb war es wichtig, dass es weiter trinken konnte.

Die Stute musste eingeschläfert werden

Schließlich musste die Stute von Tierärztin Tanja Honerkamp eingeschläfert werden. Damit stellte sich jedoch die Frage, wie man dem Fohlen helfen könne. Zwar ist es möglich, es mit der Flasche aufzuziehen. Doch das ist sehr zeitintensiv, weil das Fohlen alle zwei Stunden Milch braucht. Da Wolfgang und Andrea Knemeyer berufstätig sind, kam das nicht in Frage. Der Tierärztin kam die Idee: eine Ammenstute.

Doch wie findet man ein solches Tier? Knemeyer kontaktierte Ingrid Wiegmann aus Barnstedt, die Ammenstute vermittelt. Das Glück war auf seiner Seite. Ein Züchter aus dem Meller Raum hatte eine Ammenstute gemeldet. Ingrid Wiegmann hatte gerade ein Fernsehteam vom NDR zu Gast, das auch bei Familie Knemeyer drehen wollte.

„Wir hatten alle Tränen in den Augen“

Einige Stunden später war das Team auf dem Hof. Nachdem endlich der Besitzer der Stute erreicht worden war, wurde sie nach Nemden geholt. Für die Stute war alles fremd. Die Anspannung war groß – bei ihr und allen Beteiligten. Damit beide Tiere gleich riechen, wurden sie von Wiegmann mit einem duftenden Öl eingerieben. Die Ärztin spritzte der Stute ein Beruhigungs- sowie ein Wehenmittel, damit die Milch einschießt. Da das Fohlen bereits wusste, wo es Milch gibt, saugte es sofort. „Je mehr das Fohlen getrunken hat, desto mehr entspannte sich die Stute“, erinnert sich Wolfgang Knemeyer. Als das Fohlen erschöpft eingeschlafen war, stellte sich die Stute schützend über ihr Pflegekind. „Das war ein schönes Bild“, sagt Knemeyer. „Wir hatten alle Tränen in den Augen.“

Bald wird das Fohlen ein Jahr alt. Es ist gesund. Mit einem Wallach und einem anderen Fohlen tollt es über die Wiese. Wolfgang Knemeyer ist glücklich, wenn er die Tiere gemeinsam sieht. Dennoch blickt er mit gemischten Gefühlen auf diesen Tag im April zurück. Auch wenn es für das Fohlen gut ausgegangen ist, so war es ein anstrengender und auch trauriger Tag. An der Stute, die eingeschläfert werden musste, hingen viele Erinnerungen. Es war die letzte, die er gemeinsam mit seinem Vater gezüchtete hatte.

Ein unvergessener Tag

Aber nicht nur für Wolfgang Knemeyer ist dieser Tag unvergessen geblieben. Ingrid Wiegmann erkundigt sich regelmäßig nach dem Fohlen und es ist mittlerweile eine Freundschaft entstanden. Die Erlebnisse ließen auch das Filmteam nicht los. Nachdem der erste Film „Die Fohlenretterin“ bereits im Juni im NDR gelaufen war, wollten die Journalisten wissen, wie es mit dem Fohlen weitergegangen ist. Deshalb kamen sie im Oktober erneut auf den Hof.

Waren Andrea und Wolfgang Knemeyer vom ersten Dreh noch überrascht, hatten sie sich nun gut vorbereitet und freuten sich, die Geschichte weiter erzählen zu können. Die Ammenstute blieb ein halbes Jahr bei Knemeyers und zog das Fohlen groß. Als das Filmteam im Oktober anrückte, wurde sie zurücktransportiert. Von Trennungsschmerz keine Spur: Deria 2 hat mit dem Wallach einen neuen Freund auf der Koppel gefunden, erzählt Knemeyer. Damit hatte auch das Filmteam ein Happy End.

Am 1. März wird der Film im NDR um 21 Uhr unter dem Stichwort „Tierische Typen“ ausgestrahlt. Die erste Reportage mit dem Titel „Die Fohlenretterin“ kann man sich noch in der NDR-Mediathek anschauen.


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