Gefühle erkennen und benennen An Schledehauser Schule läuft das Projekt „Babywatching“

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Bissendorf. Bissendorf. Johannes und Lotta sind in der Schule am Berg fast schon kleine Stars. Jeden Freitag besuchen die beiden Babys aus Bissendorf gemeinsam mit ihren Mamas zwei erste Klassen zwecks „Babywatching“ unter der Leitung von Marlies Kattmann.

Mit acht Wochen war Johannes (heute acht Monate) das erste Mal mit seiner Mutter Corinna Koppelmann in der Klasse 1a zu Besuch. Lotta (vier Monate) und Mama Christina Kunde starteten nach den Herbstferien durch und bereichern seitdem jeden Freitag den Unterricht der Klasse 1c.

Beim so genannten Base-Babywatching geht es Initiatorin Marlies Kattmann um Empathie – darum, dass Erstklässler lernen, Gefühlslagen zu erkennen und zu benennen. Dazu bedient sich die Koordinatorin für den Ganztag der verlässlichen Grundschule, die auch für den Babybesuchsdienst der Gemeinde Bissendorf zuständig ist, einer Reihe von Fragen. Den im Stuhlkreis sitzenden Schülern zugewandt möchte sie etwa wissen: Was meint ihr, wie geht es dem Baby gerade? Wie geht es der Mama? Woran seht ihr das? Was machen die beiden gerade und warum tun sie das?

Ursprung in der Bindungsforschung 

„Babywatching kommt aus der Bindungsforschung. Ein Ziel des Sozialtrainings, für das der Osnabrücker Ausbilder Christoph Moormann brennt und auch mich begeistert hat, ist es, dass Kinder lernen, sich in die Rolle ihres Gegenübers zu versetzen. Geht es dem Baby und der Mutter gut, spüren sie, dass es auch ihnen selbst gut geht. So lernen sie, sich neidlos für andere zu freuen“, so die Projektleiterin.

Läuft es mal nicht so rund, weil eines der „Klassenbabys“ müde ist, Hunger hat oder zahnt, beginnen die Schüler zu überlegen wie sie helfen können. „Einmal habe ich die Kinder gefragt, was sie machen können, wenn ihre Mutter krank ist. Als sich darauf ein Junge meldete und sagte ‚Mama einfach mal in den Arm nehmen‘, war ich gerührt und hab gedacht: Ja, genau das will ich doch von euch“, sagt Kattmann.

Feste Rituale für jede Besuchsstunde

 Begonnen wird jedes Babywatching mit einem kleinen Ritual: Nach einem Begrüßungslied nehmen Mutter und Kind auf einer Matratze mit Decke Platz, für die es extra einen Holdienst gibt.

Oft lächeln die Babys, während die Kinder „Hallo, schön dass ihr da seid“ singen.  Dann schauen alle, was sich seit dem letzten Besuch verändert hat. Klassenlehrerin Marion Schmitz dokumentiert die Entwicklung von Johannes mit der Kamera. Außerdem gibt es eine farbige Messlatte.

Plötzlich sagt Max: „Johannes hat mehr Haare als meine Schwester, obwohl die schon größer ist“. Wie der Siebenjährige hat gut ein Drittel der Schüler jüngere Geschwister. Doch im Familienalltag geht eine bewusste Wahrnehmung häufig unter.

Seinen ersten „Schulbesuch“ hat der kleine Johannes komplett verschlafen. Inzwischen ist er sehr agil. Er lauscht Geräuschen, fixiert Gesichter, dreht und rollt sich, steckt die Finger in den Mund, brabbelt und quietscht vergnügt.

Weitere Teilnehmer willkommen

„Johannes ist hier eigentlich immer gut drauf. Er fühlt sich wohl, kennt die Umgebung und genießt die Aufmerksamkeit“, sagt Corinna Koppelmann. Als sie ihm eine Trinkflasche und Brotstückchen mit Frischkäse anbietet, bekommt die gesamte Klasse Hunger und verabschiedet das Baby mit einem Lied.

Beim Besuch von Christina Kunde und Lotta in Klasse 1c wird ebenfalls schnell klar, wie eng der Kontakt zwischen Mutter und Baby ist. Das erste Lächeln schenkt die aufgeweckte kleine Besucherin Erstklässler Lenny. Nach ein paar Fragen und Beobachtungen möchte Mitschülerin Linda gerne wissen, wie lange Lotta eigentlich noch kommt.

„Die Babys bleiben solange, bis sie anfangen, auf euch zu krabbeln. Wann und wie das genau sein wird, müssen wir sehen“, erklärt Marlies Kattmann. Dann greift Klassenlehrerin Claudia Janßen zum Abschied zur Gitarre.

Nach der Pilotphase könnte das Babywatching als dauerhaftes Projekt in der Schule am Berg eingeführt werden. An einer Teilnahme interessierte Eltern können die Projektleiterin unter 0151/57836074 oder m.kattmann@gmx.de kontaktieren.


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