Konzept für Blockheizkraftwerk Wird Siedlung in Bissendorf zu einem Nahwärme-Pilotprojekt?

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Geplant ist, dass die Anlage mit Biogas betrieben wird. Symbolfoto: dpaGeplant ist, dass die Anlage mit Biogas betrieben wird. Symbolfoto: dpa

Bissendorf. Falls 120 von 150 Hauseigentümern mitziehen, könnte die Siedlung südlich des Sonnensees in Bissendorf zu einem Vorzeigeprojekt in Sachen regenerativer und dezentraler Energieversorgung werden. Das Konzept eines Nahwärmenetzes wird das Osnabrücker Unternehmen Energethik den Anwohnern im Februar vorstellen.

80 Prozent müssen mitmachen, sonst wird nichts daraus, erläutert Robert Wasser, Geschäftsführer des im Innovationscentrum Osnabrück (ICO) ansässigen Unternehmens, das in seinem Namen die Begriffe „Energie“ und „Ethik“ kombiniert. Bei einer Informationsveranstaltung am 13. Februar wollen die Projektentwickler dafür werben, dass die Hausbesitzer von ihren alten Heizkesseln auf das umweltfreundliche Nahwärmenetz umsteigen. Angesprochen werden die Bewohner im Bereich zwischen Meller Straße, Im Freeden und Sonnensee. Die für das Modellprojekt auserkorene Siedlung entstand Anfang der 1970er-Jahre, entsprechend hoch dürfte der Anteil der Häuser sein, die noch einen alten Heizkessel im Keller stehen haben, vermutet die Gemeindeverwaltung. Zum Mitmachen gezwungen werde niemand, betont Bürgermeister Guido Halfter (parteilos), ein Anschluss ans Nahwärmenetz sei komplett freiwillig.

Wärme erzeugen – Strom verkaufen

Ein Blockheizkraftwerk (BHKW) soll Wärme erzeugen. Als BHKW-Standort im Auge haben Energethik und die Gemeinde eine Fläche an der Autobahn 30. Die Wärme wird in Form von 60 bis 80 Grad Celsius warmem Wasser durch ein Leitungsnetz in die Häuser transportiert; der bei der Wärmegewinnung erzeugte Strom wird direkt eingespeist. Er soll als Ökostrom ins allgemeine Stromnetz verkauft werden, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Die Erlöse aus dem Stromverkauf wiederum würden der Finanzierung des Projektes dienen, erläutert Robert Wasser. „Das Projekt ist darauf ausgelegt, dass es sich selbst tragen kann“, so Wasser.

500 bis 1000 Euro Anschlusskosten

Die Anschlusskosten würden für den einzelnen Hausbesitzer etwa 500 bis 1000 Euro betragen, plus Kosten für die Entsorgung des alten Heizkessels. Er wird ersetzt durch einen Wärmetauscher, der sich in einer Box verbirgt, die ähnlich einer Gastherme an der Wand fixiert wird. Zehn Jahre müssten sich die Hausbesitzer an das Wärmenetz binden. Vorteile seien Preisstabilität und eine hohe Versorgungssicherheit. Stefan Heckmann, Vorsitzender des Bissendorfer Umweltausschusses, denkt noch einen Schritt weiter: Würden solche Nahwärmenetze flächendeckend installiert, würden die großen Stromtrassen überflüssig werden, von deren Bau auch die Gemeinde Bissendorf betroffen ist.

100 Prozent Ökostrom

Der Hauptunterschied für den Verbraucher: „Er kauft Wärme und keinen Brennstoff mehr“, erläutert Andreas Witte, Leiter der Abteilung Klima und Energie beim Landkreis Osnabrück. Betrieben wird das BHKW laut dem Konzept zwar de facto mit Erdgas aus der Leitung (irgendwo muss es ja herkommen), aber bilanziell mit Biomethan, da der künftige Wärmenetz- und BHKW-Betreiber die Energie von einer Biogasanlage kaufen würde. Wer sich anschließt, könnte also künftig zu 100 Prozent mit regenerativen Energien heizen und bei der Gelegenheit gleich seinen alten Heizkessel loswerden, werben die Konzeptentwickler, die Energiekosten würden in etwa gleich bleiben.

Klimaschutzkonzept

Das Projekt ist Teil des Klimaschutzkonzeptes der Gemeinde Bissendorf. 2000 Euro hat die Gemeinde in die Konzeptentwicklung durch Energethik gesteckt, der Rest der etwa 25 000 Euro Projektkosten wird von Fördermittelgebern übernommen. Ein Betreiber werde gesucht, wenn das Projekt zustande komme, sagen die Planer. Denkbar sei vieles, so Halfter: Gemeindewerke, Bieneg (Bissendorfer Energiegenossenschaft), Stadtwerke Osnabrück oder andere. Energethik-Chef Robert Wasser schätzt das Investitionsvolumen auf zwei Millionen Euro, es winken allerdings Fördermittel von der KfW.


Energethik

2014 hat sich die Energethik Ingenieurgesellschaft gegründet und beschäftigt in Osnabrück mittlerweile acht Mitarbeiter. Das Unternehmen plant und entwickelt Systeme, „welche den Bedarf an fossilen Energien qualitativ und quantitativ, langfristig und wirtschaftlich, ersetzen“, so die Selbstbeschreibung auf der Firmenwebsite. Biogasanlagen sind einer der Punkte, an denen die Ingenieure ansetzen. „Es gibt viele Netze, die von Landwirten entwickelt wurden – und wir wollen das Ganze systematisieren“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Robert Wasser. In Ost-Bevern etwa haben sie das Konzept für ein Nahwärmenetz entwickelt, das von einer Biogasanlage aus gespeist wird. Energethik präsentiert sich als Unternehmen, das sich die Energiewende aus Überzeugung auf die Fahnen geschrieben hat: „Wir leben und arbeiten für eine bessere Welt“, so die Selbstbeschreibung, „eine Welt, die ohne fossil-atomare Energienutzung auskommt.“

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