Auf Schürmanns Spuren Sprachwissenschaftler aus Australien besucht Schledehausen

Jan Schürmann, Gerhard Rüdiger und Ghil’ad Zuckermann (von links) vor den Porträts von Clamor Wilhelm und Johann Adam Schürmann in der evangelischen St.-Laurentius- Kirche. Die Brüder Schürmann wurden hier getauft und konfirmiert und arbeiteten später in Australien bzw. in Indien als Missionare. Foto: Bärbel Recker-PreuinJan Schürmann, Gerhard Rüdiger und Ghil’ad Zuckermann (von links) vor den Porträts von Clamor Wilhelm und Johann Adam Schürmann in der evangelischen St.-Laurentius- Kirche. Die Brüder Schürmann wurden hier getauft und konfirmiert und arbeiteten später in Australien bzw. in Indien als Missionare. Foto: Bärbel Recker-Preuin

Bissendorf.  Ghil’ad Zuckermann ist renommierter Sprachwissenschaftler, er bereist die Welt, lehrt an den bekanntesten Universitäten und spricht mindestens 13 Sprachen. Sein Spezialgebiet ist die Erforschung von Barngarla, einer fast vergessenen Sprache australischer Ureinwohner. Seine Studien brachten ihn jetzt nach Ellerbeck und in die evangelische St. Laurentius Kirche nach Schledehausen.

„Wenn es Clamor Schürmann nicht gegeben hätte, wäre unsere Arbeit heute völlig unmöglich“, versicherte Ghil’ad  Zuckermann. Dabei fotografierte er fast ehrfürchtig das Portrait des Missionars, Pastors und Sprachforschers, dem heute sein gesamtes privates und berufliches Interesse gilt. Warum die Arbeit des 1815 in Ellerbeck geborenen Clamor Wilhelm Schürmann heute in Australien so wichtig und bedeutungsvoll ist, fasste der Professor mit einem Satz zusammen: „Die Arbeit Schürmanns gibt heute den Aborigines ihre Identität zurück“.

Lebens- und Wirkungsstätten

Ghil’ad Zuckermann besuchte gemeinsam mit Gerhard Rüdiger, ebenfalls Sprach- und Geschichts- und Familienforscher der Schürmanns, Europa. „Ich wollte unbedingt den Ort sehen, an dem Clamor Wilhelm Schürmann gelebt hat“, so Zuckermann. Gute Verbindungen waren bereits vor drei Jahren mit Jan Schürmann, Ellerbecker und Nachfahre des Missionars in dritter Generation, geknüpft worden.  Ghil’ad Zuckermann besuchte nun zum ersten Mal, die Lebens- und Wirkungsstätten der Schürmann und damit die Ursprünge seiner wissenschaftlichen Sprachforschung.

Missionar und Sprachforscher

Clamor Wilhelm Schürmann hatte 1840 als Missionar seine Arbeit im Südosten Australiens begonnen. Wer die Sprache der Einwohner nicht beherrscht, kann auch nicht den Glauben vermitteln, so wahrscheinlich seine Überlegungen, die heute Zuckermann und Rüdiger plausibel erscheint. Clamor Schürmann erlernte die Aborigine-Sprachen Kaurna und Barngarla und mehr noch: Er schrieb sie auf.  „Clamor Schürmann war der Erste, der Barngarla geschrieben hat“, so Ghil’ad Zuckermann. 2012 stieß der Linguist auf das Wörterbuch Clamor Schürmanns in der Barngarla-Sprache. Er forschte weiter, standardisierte die Ursprache für die Lehre und entwickelte eine Form, sie zu lernen. Heute bieten bereits australische Grundschulen Barngarla-Unterricht an, es gibt neue Texte und Lieder, berichtet Zuckermann, der an der Universität Adelaide lehrt. „Die Nachfahren der Aborigines sind uns sehr dankbar“, so Ghil’ad Zuckermann und ergänzt: „Die Sprache ist das wichtigste Kommunikationsmittel“.

Die Ursprache wird belebt

In der Kolonialzeit verkümmerten Sprache und Kultur der Aborigines zunehmend. Jetzt tragen die Forschungen der Linguisten dazu bei, die Ursprachen neu zu beleben. Geschichte und Kultur geraten wieder in das Bewusstsein. Die Aborigines erhalten ihre Geschichte zurück.

Gerhard Rüdiger berichtete, dass in Port Lincoln, einer Wirkungsstätte Clamor Schürmanns, ein Kulturzentrum der Aborigines entsteht. Der Bach, der das Grundstück quert, heißt „Schürmann-Creek“.

Nach Dresden zur Leipziger Mission

Nach seinem Besuch bei der Familie Schürmann in Ellerbeck und der Kirche in Schledehausen reiste Ghil’ad Zuckermann weiter nach Dresden zur Leipziger Mission. Diese Organisation hatte Clamor Wilhelm Schürmann nach Australien entsandt. Es folgen weitere Städte und akademische Treffen, bei denen die Arbeit des Ellerbeckers Clamor Schürmann sicherlich zur Sprache kommen wird.


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