Stollen, Sternen und Lahmacun Junge Flüchtlinge feiern Weihnachten in Bissendorf

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In der Clearingstelle Ellerbeck ist der Baum geschmückt. Amir (links), Ousman (rechts) und ihr Betreuer Markus Schwidde machten es gemeinsam. Foto: Bärbel Recker-PreuinIn der Clearingstelle Ellerbeck ist der Baum geschmückt. Amir (links), Ousman (rechts) und ihr Betreuer Markus Schwidde machten es gemeinsam. Foto: Bärbel Recker-Preuin

Bissendorf.  Biniyan, Ousman, Amir, Waisedin und weitere 17 Jungen zwischen 15 und 18 Jahren haben Vieles gemeinsam. Besonders die Erfahrung, weit weg von ihren Familien zu sein. Allein sind sie trotzdem nicht. Im Ellerbecker Haus, der Clearingstelle für unbegleitete minderjährige Ausländer, wird Weihnachten gefeiert – christlich, muslimisch oder ganz anders.

„Bei uns wird grundsätzlich jedes Fest gefeiert, Neujahr, Ostern, Zuckerfest, Opferfest, Weihnachten, alles“, sagt Sozialarbeiter Markus Schwidde. Die meisten jungen Bewohner im Flüchtlingsheim des Verbundes Sozialer Dienste sind muslimischen Glaubens, aber die besondere Stimmung der Vorweihnachtszeit ging nicht an ihnen vorbei. Überall ist offensichtlich, dass ein besonderes Fest bevorsteht, Weihnachtsbäume, Lichterglanz an vielen Orten, auch im kleinen Ellerbeck. Der Bummel über den Weihnachtsmarkt sei für alle ein unglaubliches Erlebnis, berichtet Markus Schwidde.

Auch in der Clearingstelle ist es festlich. Ein Weihnachtsbaum wurde üppig und farbenfroh mit Kugel und Schleifen dekoriert, ein zweiter Baum erstrahlt etwas dezenter im Lichterkettenglanz. An den Fenstern hängen Fröbelsterne, alle sind von den zwanzig jungen Bewohnern selbst gefaltet.  

Weihnachten erklärt

Wenn nach der christlichen Bedeutung des Weihnachtsfestes gefragt wird, antwortete Ousman Jawla, 18-jähriger Flüchtling, schnell und präzise: „Jesus Christus ist geboren“. Auch seine muslimischen Mitbewohner Amir und Waisedin aus Afghanistan wissen Bescheid. Ihnen wurde von den Fachkräften und Betreuern viel darüber erzählt und alle freuen sich auf das Fest und natürlich die schulfreien Tage. „Die Weihnachtsparty wird schön“, versichert schon jetzt der 15-jährige Waisedin.

Auch der gleichaltrige Biniyan aus Eritrea freut sich. Allerdings ist er stiller als die anderen. Biniyan ist Christ und zum ersten Mal an Weihnachten von seiner Familie getrennt. In Ellerbeck sei es gut, aber er vermisst Mutter und Vater sehr, sagt er leise.

Viel gemeinsam unternehmen

Einige Tage vor dem Heiligen Abend gab es eine gemeinsame Weihnachtsfeier für alle im Flüchtlingshaus. Die Jugendlichen lasen die – gut eingeübte – Weihnachtsgeschichte vor und sangen mit ihren Betreuern Weihnachtslieder in vielen Sprachen, dazu gab es selbst gebackene Stollen, Plätzchen und türkisches Lahmacun.

Ähnlich soll es am Heiligen Abend und an den Weihnachtstagen sein. „Wir machen alles gemeinsam, kochen essen, spielen“ weiß Markus Schwidde. Außerdem stehen noch Besonderheiten an, vielleicht der Besuch des Planetariums oder der Eisbahn. „Hauptsache, es ist niemand allein“, so der Gruppenleiter.

Eine Ziege für die Familie

Allmählich taut Biniyan auf und berichtet vom Weihnachtsfest in seiner Heimat Eritrea. Einen Weihnachtsbaum habe es nur in seinem Dorf gegeben, nicht zu Hause, auch für Geschenke habe das Geld gefehlt. Aber es sei immer viel gegessen worden, so wie in Deutschland. „Eine Ziege für die ganze Familie. Ich habe sie zerlegt“, erzählt Biniyan stolz.

Apropos essen: Natürlich wird auch in der Clearingstelle festlich geschmaust. „Kein Rinderbraten mit Sauerkraut und Knödeln, das kommt nicht gut an“, weiß Sozialarbeiterin Silvia Klinkowski. Stattdessen kommt am Heiligen Abend wunschgemäß Hähnchenfleisch mit Reis und Gemüse auf die Teller, alles schön scharf gewürzt natürlich. Auch die anderen Lieblingsgerichte der Jungs stehen am ersten und zweiten Weihnachtstag auf der Liste: Nudeln mit Hackfleischsoße und als Krönung Hamburger mit Pommes, danach ganz viel Chips und Cola. 


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