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Sperrmüll dazugestellt Bissendorferin bleibt (fast) auf fremdem Sperrmüll sitzen

Wenn Sonderabfälle von Unbekannten zum Sperrmüll dazugestellt werden, ist der Besteller für die Entsorgung zuständig. Symbolfoto: Elvira PartonWenn Sonderabfälle von Unbekannten zum Sperrmüll dazugestellt werden, ist der Besteller für die Entsorgung zuständig. Symbolfoto: Elvira Parton

Bissendorf. Glück im Unglück für Kerstin Weber* aus Bissendorf: Unbekannte hatten über Nacht ihren Sperrmüll um weitere Gegenstände bereichert. Bei ihr hatte die Müllvermehrung ein gutes Ende, aber wer muss sich eigentlich um den fremden Müll kümmern?

Weber hatte sich vor einiger Zeit eine neue Küche gegönnt und die alten Geräte und Möbel abbauen lassen. Die Bissendorferin kontaktierte die Landkreis-Tochter Awigo, die den Sperrmüll im Landkreis kostenlos abholt und entsorgt. „Die Kontaktaufnahme hat reibungslos geklappt und so habe ich am Vorabend des vereinbarten Termins das Sperrgut nach draußen gestellt“, sagt Weber im Gespräch mit unserer Redaktion.

Sperrmüll vermehrte sich über Nacht

Über Nacht hatte sich Webers Sperrmüll jedoch vermehrt: Unbekannte hatten im Schutze der Dunkelheit unter anderem eine größere Jalousie dazugelegt. Gegenstände wie diese nimmt die Awigo, so steht es auch in den Regularien, allerdings generell nicht mit. So geschah es auch in Bissendorf bei Kerstin Weber, der nun drohte, sich selber um die Entsorgung des fremden Abfalls kümmern zu müssen. Dabei versuche der kommunale Mülldienstleister durchaus, kundenfreundlich zu agieren, wie Landkreis-Sprecher Burkhard Riepenhoff erklärt. „Wenn Sperrabfälle dazugestellt werden, nehmen die Müllwerker diese in der Regel mit, es sei denn, das Volumen übersteigt die Kapazitäten des Fahrzeugs.“ Dann werde ein weiterer Abholtermin vereinbart. (Weiterlesen: Fünf Mythen zum Sperrmüll in Osnabrück)

Besitzer mit schlechtem Gewissen

Anders verhalte es sich aber bei Gegenständen wie der Jalousie. „Der Kunde kann diese dann über seine Abfallbehälter oder die Recyclinghöfe entsorgen“, sagt Riepenhoff. Aber im Zweifelsfall sei der Besteller nicht im Zwang. Der Osnabrücker Anwalt Thorsten Koch sieht das ähnlich. „Für Müll, den jemand zu bereitgestelltem Spermüll dazustellt, ist grundsätzlich nur die dazustellende Person, nicht aber der Besteller der Abfuhr verantwortlich“, sagt Koch im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Besteller sei schließlich weder der sogenannte Handlungs- und Zustandsstörer, noch ein sogenannter Zweckveranlasser.

Problem von alleine gelöst

Für Weber hat sich das Problem glücklicherweise von alleine gelöst. Sie ließ die Jalousie stehen und versah das gute Stück mit einem Anschreiben und einer roten Schleife. „Drei Tage später war die Jalousie weg, offenbar hatte der Besitzer ein schlechtes Gewissen.“ (Weiterlesen: Was kostet der Sperrmüll in der Region)

Begehen Spermüllsammler Diebstahl?

Doch wie verhält es sich beim umgekehrten Fall? Weber hat es bei vorherigen Sperrmüllterminen erlebt, dass sich findige Sammler am Sperrgut zu schaffen machten. „Die haben vorher geklingelt und um Erlaubnis gebeten, was für mich dann vollkommen okay war.“ Und der Landkreis?. „Mit einer Sperrmüllanmeldung erklärt der Kunde seinen Willen, dass er seine Gegenstände an die Awigo überlassen möchte. Sobald der Sperrmüll am Straßenrand steht, befindet er sich im Übergang zum Eigentum der Awigo“, sagt Sprecher Riepenhoff. Wer sich also ungefragt bediene, begehe in jedem Fall einen Diebstahl - entweder beim Besteller oder der Awigo.

Anwalt zur Diebstahlsthese

Auch dazu hat Anwalt Koch eine Meinung: „Der Entsorgungsbetrieb wird erst mit Abholung Eigentümer und Besitzer der bereit gestellten Gegenstände. Ein Diebstahl zulasten des Entsorgungsbetriebs liegt daher nicht vor.“ Soweit der bisherige Eigentümer noch Eigentümer ist, könne dieser auch sein Einverständnis mit der Entnahme durch einen Dritten erklären. (Weiterlesen: Stadt und Landkreis wollen beim Sperrmüll kooperieren)

*Name geändert, der richtige Name ist unserer Redaktion bekannt


Sperrmüll

Private Haushalte im Landkreis können kostenlos eine Sperrmüllabholung nach Hause bestellen. Der Umfang des Sperrmülls muss mindestens einen Kubikmeter betragen und darf sechs Kubikmeter nicht überschreiten. Die Kosten der Sperrmüllabholung sind bereits in den Abfallgebühren berücksichtigt, weshalb keine zusätzlichen Gebühren im Landkreis anfallen. Dieses Vorgehen soll wilden Müllablagerungen von Sperrabfällen in den Wäldern und Wiesen des Landkreises entgegenwirken.

Zum Sperrmüll zählen sperrige Abfälle, die wegen der Größe, des Gewichtes oder des Materials nicht über die zugelassene Restmülltonne entsorgt werden dürfen, da sie nicht in den Behälter passen, diesen beschädigen oder das Entleeren erschweren. Dazu gehören beispielsweise Schränke, Regale, Matratzen, Bettgestelle, Sofa, Tische, Stühle, Kinderwagen, Fahrräder. Die Einzelstücke dürfen höchstens ein Gewicht von 75 Kilogramm und eine Größe von 2,20 x 1,50 x 0,75 Meter haben.

Nicht zum Sperrmüll gehören hingegen beispielsweise Bau- und Renovierungsabfälle, Abfall aus Umbau- und Ausbauarbeiten, Fenster, Teppichboden, Deckenvertäfelung, Türen, Laminat, Paneele, Regentonne, Zaun, Markise und Autoteile.

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