Schalke-Pulli „abgezogen“ Amtsgericht Osnabrück verurteilt VfL-Fan

Von Ulrich Eckseler

Ein Fan von Schalke 04 wurde in Osnabrück Opfer einer Straftat. Foto: dpaEin Fan von Schalke 04 wurde in Osnabrück Opfer einer Straftat. Foto: dpa

Bissendorf/Osnabrück . Weil er einem Anhänger von Schalke 04 einen Pullover abgenommen hat, verurteilte das Amtsgericht Osnabrück am Mittwoch einen heute 21-jährigen VfL-Fan aus Bissendorf zu einer Geldstrafe von 600 Euro. Außerdem darf der Mann drei Monate lang keinen Alkohol in der Öffentlichkeit trinken.

Vor Gericht legte der Angeklagte ein Geständnis ab. Demnach war er am 22. September 2015 in der Osnabrücker Innenstadt im „Grünen Jäger“ zu Gast und habe Alkohol konsumiert. In einem wenige Meter entfernten Imbiss hielt sich zu der Zeit ein heute 17-jähriger Wallenhorster auf, der einen Kapuzenpullover des Bundesligavereins Schalke 04 trug.

Opfer musste Pulli ausziehen

Gemeinsam mit einem Unbekannten ging der Angeklagte in diese Richtung und traf den 17-Jährigen an der Bushaltestelle Adolf-Reichwein-Platz. Der 21-jährige VfL-Fan sei in aggressiver Stimmung gewesen und er habe Angst vor einer Gewalttat gehabt, gab der Schalke-Anhänger im Zeugenstand an. Was ihm einfalle in Osnabrück solch einen Pullover zu tragen, habe der Angeklagte gepöbelt. Wie der 21-Jährige zugab, habe er dem 17-Jährigen unter Androhung von Gewalt dazu aufgefordert, das Kleidungsstück auszuziehen. Er habe es dann an sich gerissen und später auf dem Weg zum Neumarkt in einem Mülleimer entsorgt.

Der Angeklagte entschuldigte sich bei dem 17-Jährigen. Er sei „ziemlich betrunken“ gewesen und habe eine „dumme Sache“ gemacht. Er bot an, dem Geschädigten einen neuen Pullover zu kaufen. Da dieser aber bereits ein ähnliches Kleidungsstück bestellt hatte, erstattete der 21-Jährige dem Schalke-Anhänger im Gerichtssaal den Kaufpreis von rund 50 Euro mit einem Handschlag.

Es „klingt wie Kinderkacke“

Ursprünglich war der 21-Jährige wegen Raubes angeklagt. Davon sah die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer jedoch ab. Der Angeklagte habe den Pullover nicht behalten, sondern nach der Prämisse handeln wollen „das hat in Osnabrück nichts zu suchen“. Als „bekennender Schalke-Fan“, so der Staatsanwalt über sich, könne er das sowieso nicht verstehen. Auch wenn jemand noch so betrunken sei, „das geht nicht“. Es „klingt wie Kinderkacke“, so der Jurist wörtlich, „aber das ist es nicht“. Jeder müsse überall mit seinen Vereinsfarben herumlaufen können. Und wenn dem nicht so sei, müsse der Staat dem Einhalt gebieten.

Im Falle des 21-Jährigen sei zudem Erwachsenenstrafrecht anzuwenden. Denn zur Tatzeit sei er einem Jugendlichen nicht gleichzusetzen gewesen und eine solche Tat würden nicht nur 18-Jährige begehen. Letztlich plädierte der Staatsanwalt für eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je 30 Euro, also 1200 Euro.

„Selten dämlich“

Die Verteidigerin sprach sich dagegen für eine Jugendstrafe aus und folgte damit der Meinung der Jugendgerichtshilfe. Selbst sie bezeichnete die Tat ihres Mandanten als „selten dämlich“. Er sei alkoholisiert gewesen und habe, wie auch der Staatsanwalt äußerte, nach dem Vorsatz gehandelt „das hat in Osnabrück nichts zu suchen“. Der 21-Jährige habe definitiv nicht die Absicht gehabt, das Kleidungsstück zu behalten. Zugute halten müsse man dem Bissendorfer auch, dass er sich entschuldigt und einen Täter-Opfer-Ausgleich geleistet hat.

Geldstrafe und Alkoholverbot

Wegen Nötigung in Tateinheit mit Sachbeschädigung verurteilte das Gericht den Mann schließlich zu einer Geldstrafe von 600 Euro. Diese ist an die Arbeiterwohlfahrt Osnabrück zu zahlen. Außerdem darf der Mann drei Monate lang keinen Alkohol in der Öffentlichkeit trinken. Dabei legte der Richter das Jugendstrafrecht zugrunde. Bei der Tat habe es sich um jugendliches Imponiergehabe und Geltungsbewusstsein gehandelt. Angetrunken würde der 21-Jährige auf dumme Ideen kommen, so der Richter in seiner Urteilsbegründung zum Alkoholverbot. Als deutlichen Denkzettel habe er die Geldstrafe verhängt, mit der Ermahnung, dass – sollte Ähnliches noch einmal geschehen – das Erwachsenstrafrecht Anwendung finden würde.

Möglich wäre auch ein Stadionverbot beim VfL Osnabrück für den Mann gewesen. Wegen eines Böllerwurfes bestehe dies aber bereits.

Mehr regionale Gerichtsberichte auf www.noz.de/justiz .