Freiheit auf dem Pferderücken Pferdetrainer Alfonso Aguilar gab Kurs in Nemden


Bissendorf. Alfonso Aguilar ist in der internationalen Reitszene als einer der Pioniere im natürlichen Pferdetraining bekannt. Auf der „Open Ranch“ in Bissendorf-Nemden gab der gebürtige Mexikaner sein Wissen vor Kurzem im dreitägigen Kurs „Bodenarbeit, Liberty und Reiten“ weiter.

Die „Open Ranch“ in Nemden ist unter Pferdefreunden von nah und fern als Kleinod für Westernreiten und Kurse mit Trainern bekannt, die nach altkalifornischer Reitweise ausbilden. Mit Alfonso Aguilar war vor Kurzem erneut einer der Pioniere im natürlichen Pferdetraining zu Gast.

„Mit dem Hofkauf im August 2009 habe ich mir einen Kindheitstraum erfüllt. Die ersten Kurse haben wir für uns selbst und Freunde organisiert. Aber schon bald wurde uns klar, dass viele Leute auf der Suche nach einem den Pferden zugewandten Training sind“, schildert „Open Ranch“-Besitzerin Marina Schmidt.

Ein Pionier des natürlichen Pferdetrainings

Alfonso Aguilar stammt aus einer Familie, in der Zucht und Training von Pferden eine lange Tradition haben. Er selbst begann mit drei Jahren zu reiten. Mit 14 nahm er erstmals an „Charreira“-Veranstaltungen teil. Bald schon erreichte er nationales Niveau in dieser Sportart, die sich am besten als mexikanischer Lasso-Wettbewerb vom Pferd aus beschreiben lässt.

Darüber hinaus nahm er an Rodeos und Wettkämpfen im Wildpferde- und Bullenreiten teil, schloss ein Studium der Tiermedizin ab, siedelte in die USA um und gibt sein Fachwissen seit mehr als 25 Jahren dort, in Mexiko, Europa und Australien weiter.

Viele Teilnehmerinnen schwärmen  

„Das ist inzwischen mein achter Kurs bei Alfonso. Die Ideen gehen ihm nie aus, und es macht immer wieder Spaß. Die Anmeldung für nächstes Jahr ist schon so gut wie unterschrieben“, schwärmt Britta Meynerts. Gemeinsam mit ihrer Schwester ist sie aus Hannover angereist, um die Arbeit mit ihrer Norweger-Stute „Ronja“ und ihrem Shetty Wallach „Elvis“ zu verfeinern.

„Das tolle ist, dass er keine Starallüren hat. Er ruht in sich selbst, nimmt Pferde und ihre Menschen bedingungslos an und merkt sich ihre Geschichte“, schildern die zehn Teilnehmer. Jeden von ihnen holt der Pferdetrainer scheinbar ganz individuell genau da ab, wo er gerade ist.

Drei Tage individuelles Training

Am ersten Tag stehen dazu das Kennenlernen und die Kommunikation im Vordergrund. Je nach Ausbildungsstand werden in kleinen Gruppen Grundsätze der Bodenarbeit erlernt. Susi Witte aus Ennigerloh ist mit „Paul“ dabei. Der 19-jährige Lette hatte einen Sehnenschaden und soll durch sanftes Gymnastizieren an Leichtigkeit zurückgewinnen.

„Mein eigenes Pferd musste wegen einer akuten Verletzung zuhause bleiben. Jetzt bin ich mit dem Isländer-Pony meiner Trainerin hier. Obwohl uns keine besondere Beziehung verbindet, haben wir gestern gut auf dem Parcours gearbeitet und unterschiedliche Herausforderungen gemeistert“, berichtet eine Teilnehmerin aus Vlotho.

Übung zur Gelassenheit

Am Abschlusstag geht es für viele Pferde und ihre Menschen erneut an die Doppellonge. Das Steuern über die Kopfseite dient als Gelassenheitsübung zur Gewöhnung an die Zügel. „Je besser die Basis, desto harmonischer geht später das Reiten vonstatten – insbesondere bei Kaltblütern“, erklärt Aguilar auf Englisch.

Zwecks Desensibilisierung trainieren auch Corinna Wolf und ihr englisches Kalbsblut „Fiete“ sowie Züchterin Heike Uebelgünn und ihr 1,85 Meter großes Shire Horse „William“ mit. Über Mikrofon-Ansagen des Horseman lernen aktive Teilnehmer wie Zuschauer auf der Tribüne (unter ihnen eine Dame aus München) automatisch mit.

Überhaupt wirkt die Atmosphäre auf der „Open Ranch“ recht entspannt. Nach drei Tagen sanftem Training ist eine richtige kleine Gemeinschaft zusammengewachsen – selbst das Dutzend mitgebrachter Hunde harmoniert.


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