Authentisch bis zur Unterhose Mittelalter auf der Schelenburg in Bissendorf

Von Stefanie Preuin



Bissendorf. Mehr als 1000 Besucher begaben sich am Samstag zur Wasserburg im Bissendorfer Ortsteil Schledehausen. Die museale Veranstaltung „Mittelalter auf der Schelenburg“ vermittelte spannende Geschichte mit authentischen Darstellern.

Trebuchet? Was war das nochmal? Am Burggraben der Schelenburg wurde die Wissenslücke sofort geschlossen. Jürgen König war mit einem kleinen Modell der präzisen Wurfwaffe angereist — das Trebuchet ist eine Unterform des Katapults, auch Blide genannt. Beruflich schraubt der Stader an Flugzeugen, als Hobby an den mittelalterlichen Belagerungsgeräten aus dem 12. und 13. Jahrhundert. Sein Modell ragte drei Meter weit in den Himmel und ist in Richtung Schelenburg ausgerichtet gewesen. „Wir schleudern natürlich nicht direkt auf die Burg, sondern in den Graben. Dafür habe ich statt einem 100 Kilo Stein, wie bei den großen Geräten, einen ein Kilo schweren Wasserballon mitgebracht“, erklärte Jürgen König. Das Wurfgerät war im Mittelalter 20 Meter hoch und konnte mehrere hundert Meter weit schleudern.

Kraft und Zielgenauigkeit

Bevor die Blide mit einem Zug am Seil ausgelöst wurde, halfen die Publikumskinder beim Spannen. Die Kraft und Zielgenauigkeit des Modells sorgte für große Augen. In einem historischen Einbaum, ein Fischerboot, wurde der Ballon zwischen den Fischernetzen von Darsteller Jörg Nadler wieder aus dem Graben geholt.

Die Luxemburger Jacques und Daniel Rosenfeld vom Verein „Lucilinburhuc“ lieferten sich im Burghof einen hitzigen Kampf. Kurze Unterbrechungen in den Bewegungsabläufen nutzten sie für interessante Erklärungen. Sie stellten die richtige Haltung der Waffen dar und zeigten die empfindlichen Stellen am Körper des Ritters. Dem historischen Schwertkampf hat sich auch der Verein „Drey Wunder“ aus Bielefeld verschrieben. Neben der Kampfarena schlugen sie ein mittelalterliches Lager auf. Nicht nur die Kampfkunst des Mittelalters studiert die Gruppe, sondern auch die Kleidung.

Kleidung ist Standessymbol

„Mode war damals genauso wichtig wie heute“, erklärte Meik Teßmer. Über die einfache Unterbekleidung zogen die Männer das Wams, welches an der Hose befestigt wurde und darüber eine Schecke mit einem strahlenförmigen Faltenwurf. Waren viele Knöpfe an der Jacke, so zeigte das Reichtum. „Eine kaputte Hose, wie heute, wäre undenkbar. Die Kleidung war Standessymbol. Wir investieren viel Geld, um bis zur Unterhose authentisch zu sein“, so Akteur Andreas Kuhnert. Auf dem Burggelände hatte er ein Reiselager aufgeschlagen. Wenn am Ziel, besonders bei großen Ereignissen, die normalen Unterkünfte besetzt waren, bauten die Menschen des Mittelalters Zelte auf und bauten ihr Mobiliar zusammen.

Professionell und informativ

„Wir sind mit einer anderen Vorstellung hier hingefahren und sind ein wenig enttäuscht. Wir haben uns auf Met gefreut und hätten uns mehr Stände gewünscht. Aber die Veranstaltung ist wahnsinnig informativ und die Vorführungen sind echt professionell“, resümierten Claas Wenker und Eike Wasmund, die häufig Mittelalter-Veranstaltungen besuchen.

Für den größten Knall der Veranstaltung sorgte Andrej Pfeiffer-Perkuhn. Zum einen schoss er mit einer Stangenbüchse, zum anderen präsentierte er die Schlagfestigkeit der Ritterrüstungen, die heute den Wert von einem Kleinwagen haben, oder früher für 60 Kühe zu erwerben waren. Veranstalter Klaus Haller setzte auf „Klasse statt Masse“ mit musealem Anspruch und freute sich über die Resonanz der Besucher.


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