Bürgerversammlung am 26. April Junge Flüchtlinge suchen neue Perspektiven in Ellerbeck

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Hinter der Dielentür des ehemaligen Gasthofes in Ellerbeck finden junge Flüchtlinge demnächst neue Lebensperspektiven. Sie stellen das Projekt vor: Dirk Tebbe, Nils Bollhorn, Guido Halfter, Jürgen Wiesehahn und Anika Brinkmann. Foto: Bärbel Recker-PreuinHinter der Dielentür des ehemaligen Gasthofes in Ellerbeck finden junge Flüchtlinge demnächst neue Lebensperspektiven. Sie stellen das Projekt vor: Dirk Tebbe, Nils Bollhorn, Guido Halfter, Jürgen Wiesehahn und Anika Brinkmann. Foto: Bärbel Recker-Preuin

Bissendorf. b.r. Mehr als 150 Jahre lang war das markante Haus in Ellerbeck eine Stätte der Gastfreundschaft. So soll es bald wieder sein. Allerdings mit einem anderen Ansatz. Die ehemalige Gaststätte „Zum Grünen Jäger“ wird jetzt erstes Zuhause für 20 unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge. Am Dienstag, 26. April, 19 Uhr wird bei einer Bürgerversammlung darüber informiert.

Wo früher die Kugeln auf den Kegelbahnen rollten, entstehen zurzeit helle Einzel- und Doppelzimmer, wo sich über Jahrzehnte gut gelaunte Menschen zuprosteten, wird demnächst Deutsch gelernt und hinter der großen Dielentür wird der zentrale Treffpunkt des Hauses eingerichtet. „Hier entwickelt sich neue Lebensperspektive“, fassen Nils Bollhorn und Anika Brinkmann zusammen. Die Pädagogen sind Mitarbeiter im Verbund sozialer Dienste (VSD), dem Betreiber der zukünftigen Einrichtung für Jugendhilfe.

Aus der Gaststätte wird ein Flüchtlingshaus

Auf dem 8 000 Quadratmeter großen Areal der ehemaligen Traditionsgaststätte „Zum grünen Jäger“ wird kräftig gebaut. 65 Räume entstehen auf rund 1 000 Quadratmetern Wohnfläche, erläutert Eigentümer Dirk Tebbe. Es gibt also genügend Platz, damit junge Menschen lernen, wieder Fuß zu fassen und auch genügend Platz, damit Pädagogen und Therapeuten erkennen (bzw. klären) können, welcher Weg für sie der richtige ist. Die Jugendhilfeeinrichtung des VSD versteht sich deshalb als so genannte Clearingstelle.

Obhut des Jugendamtes

Jugendliche, die unter 18 Jahre alt sind und von keinen Sorgeberechtigten betreut werden, gehören in die Obhut des Jugendamtes, natürlich auch junge Flüchtlinge. Die fürsorgliche Begleitung ist für sie nach oft traumatischen Erlebnissen und der Flucht umso wichtiger. Ein privater Anbieter dieser Jugendhilfe ist der VSD gGmbH. Zum Verbund gehört das Kinderhaus Wittlager Land, das in Schledehausen eine Wohnstätte zur Integration von Kindern mit speziellem pädagogischem Konzept betreibt. Aus dieser Arbeit ergab sich die weitere Zusammenarbeit zwischen dem VSD und Hauseigentümer Dirk Tebbe. In  seiner großräumigen Immobilie in Ellerbeck ergaben sich für den VSD neue Möglichkeiten, minderjährige Flüchtlinge, die allein Deutschland erreicht haben, zu betreuen.

Junge Flüchtlinge bis zu 18 Jahren

Im Landkreis Osnabrück leben gut 200 Flüchtlinge unter 18 Jahren und ohne Aufsicht eines Erziehungsberechtigten, in Deutschland mehr als 60.000. Der VSD betreibt bereits eine Einrichtung für unbegleitete, minderjährige Ausländer (umA) in Bad Essen.

Aufgenommen werden Jungen zwischen 14 und 18 Jahren. Sie kommen aus verschiedenen Ländern und verfügen über unterschiedlichste Bildungsvoraussetzungen. Pädagogen, Therapeuten und Betreuer beginnen quasi bei Null mit der individuell ausgerichteten Arbeit. Sie klären Fluchtgründe, psychische Belastung, Bildungsstand, Alltagsfähigkeit und Lebensperspektiven. Etwa drei bis sechs Monate werden die Jugendlichen in Ellerbeck leben. Danach ist geklärt, wohin der weitere Lebensweg führt, im Idealfall zur Familie oder zu Verwandten, in anderen Fällen in eine Wohnung oder WG, oder – wenn der Unterstützungsbedarf hoch ist – in eine stationäre Jugendhilfeeinrichtung. „Die jungen Flüchtlinge sind sehr wissbegierig und ehrgeizig, sie sind dankbar für jede Hilfe“, weiß Anika Brinkmann, die mit Cleo Sosnowski die Hausleitung übernimmt.

Zwei Gruppen und 1000 Quadratmeter Wohnfläche

Die Jugendlichen leben in zwei Wohngruppen und werden rund um die Uhr betreut. „Wir erhoffen uns eine gute Integration, denn wir werden ein offenes Haus sein“, so Nils Bollhorn, pädagogischer Leiter des VDS mit Büro in Bohmte. Diesem Wunsch schlossen sich Bürgermeister Guido Halfter und Ortsvorsteher Jürgen Wiesehahn an.

Bei einer Bürgerversammlung soll über das Projekt und über die pädagogische Ausrichtung als Jugendhilfeeinrichtung für „umA“ informiert werden. Termin: Dienstag, 26. April, 19 Uhr, Bürgersaal im Rathaus Bissendorf (Weiterlesen: Weiterere Berichte aus Bissendorf in Ihrem Ortsportal ). 


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