Die richtige Masche Bissendorferin bringt Schülern das Handarbeiten bei

Von Stefanie Preuin

Ehrenamtlich hilft Ingeborg Giesker auf dem Hof Leben und Lernen. Schülerin Henriette bewundert die Fingerfertigkeit der Rentnerin. Foto: Stefanie PreuinEhrenamtlich hilft Ingeborg Giesker auf dem Hof Leben und Lernen. Schülerin Henriette bewundert die Fingerfertigkeit der Rentnerin. Foto: Stefanie Preuin

Bissendorf. Einmal wöchentlich hilft Ingeborg Giesker ehrenamtlich auf dem Aktiv-Hof Leben und Lernen in Bissendorf-Nemden. Den Schülern der Montessori-Schule Münster bringt sie dort das Nähen, Stricken und Häkeln bei.

Schlüsselanhänger, Nadelkissen, Handytaschen und gestrickte Schals stellen die 26 Schüler der Montessori-Schule her — eine Herausforderung, die sie mit Ingeborg Gieskers Hilfe meistern. Die 84-jährige hilft ehrenamtlich bei den Projekttagen.

Schüler aus Münster

Während der Herbst- und Wintermonate ist die 7. Klasse aus Münster den halben Tag auf dem Nemdener Aktiv-Hof von Christiane Wiebens-Kessener. Neben der Handarbeitsgruppe, arbeiten die Schüler zum Beispiel im Bereich Garten und Vorratshaltung. Ingeborg Giesker hilft im vierten Jahr bei den Handarbeiten. „Die Gruppen sind sehr unterschiedlich, jede hat ihre eigenen Interessen und Stärken“, erzählte Ingeborg Giesker.

Für die Zusammenhänge bei der Kleidungsherstellung und für den Aufwand dahinter sollen die Schüler während der Arbeitsstunden sensibilisiert werden. Der Handarbeitstisch dient aber auch dem Austausch über Probleme und Neuigkeiten unter den Generationen.

In Näherei gearbeitet

„Die Schüler begreifen schnell, aber es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“, resümierte Ingeborg Giesker. Die 84-Jährige hat das Handarbeiten von ihrer Mutter gelernt. Im Haushalt erledigte sie die Näharbeiten selbst, anstatt sie abzugeben. In den 50er Jahren arbeitete Giesker in einer Näherei in Lüstringen — die Akkordarbeit lehrte sie, schnell zu sein. „An einem Abend stricke ich einen Topflappen“, berichtete Ingeborg Giesker, „die Kinder haben dann Sterne darauf genäht.“ Jeden Freitag nehmen sich die Schüler kleinere Arbeiten vor, ein Nadelkissen ist nach drei Tagen fertig, ein Schal wird gemeinschaftlich gestrickt. Jeder ein Stück.

Die Anerkennung der Schüler ist Ingeborg Giesker sicher, die akkurate Arbeitsweise von Weste, Leinendecke mit Spitze oder Topflappen bewundern die Schüler. „Der Topflappen ist voll schön, Ingeborg“, sagte die 13-jährige Henriette und schmunzelt, „mein Schal wird leider etwas schief.“ Die Mühe hinter den schönen Stücken wird den Schülern so schnell deutlich, solche Erfahrungen werden nicht in der Schule gemacht.

Ingeborg Giesker beobachtete in den letzten Jahren, wie die Schüler mutiger bei der Handarbeit geworden sind, auch wenn sie bei der ein oder anderen Luftmasche oder der Abkettung Hilfe brauchen. „Mich interessiert, wie die Schüler in Zukunft leben möchten“, erzählte Ingeborg Giesker. „Wenn ich so zufrieden bleibe, dann mache ich gern noch ein paar Jahre Handarbeit mit den Schülern.“