Almut Detert aus Bissendorf Die Netzwerkerin für Frauen im ländlichen Raum

Von Harald Preuin

Almut Detert ist Vorsitzende des Landfrauenvereins Schledehausen und des Kreisverbandes der Landfrauen im Altkreis Osnabrück. 

            
Foto: Harald PreuinAlmut Detert ist Vorsitzende des Landfrauenvereins Schledehausen und des Kreisverbandes der Landfrauen im Altkreis Osnabrück. Foto: Harald Preuin

Bissendorf. „Was sind uns Lebensmittel wert?“. Diese Frage treibt Almut Detert um, wenn sie Sonderangebote in Supermärkten und Preise beim Discounter betrachtet. Als sie Weizenmehl zum Superschnäppchenpreis von zehn Cent pro Kilo in einem Supermarkt sah, reagierte die Vorsitzende des Landfrauenvereins Schledehausen schnell und kaufte den gesamten Warenbestand auf.

Die Werbung für das Mehl zum Dumpingpreis fiel ihr morgens in die Hand. Am Nachmittag standen 14 Mitglieder des Ortsverbandes vor dem Geschäft, um den Warenbestand aufzukaufen. 160 Kilo Mehl gingen an die Osnabrücker Tafel. Später habe der Kaufmann eingeräumt, dass er den Superschnäppchenpreis subventioniert hatte . Woher das Billigmehl kam, konnten die Landfrauen nicht herausbekommen. Almut Detert: „Normal kostet ein Kilo Mehl etwa 0,50 Euro, in der Mühle etwa einen Euro“.

Reines Lockmittel um die Käufergunst

Was die Landfrauen geärgert hat, war die fehlende Wertschätzung für Lebensmittel, die hier zum reinen Lockmittel um die Käufergunst verkommen waren. Nicht anders ergeht es vielfach mit Milchprodukten und Fleischerzeugnissen: „Alle wollen gesunde Ernährung, aber an der Theke entscheidet häufig der günstige Preis“. Wie der zustande kommt, ist auch Thema bei Betriebsbesichtigungen der Landfrauen. Almut Detert: „Der Blick hinter die Kulissen öffnet meist eine neue Sicht auf die Dinge“.

Ein ganzer Berufsstand leidet

Aber an der aktuellen Marktlage, die den Bauern keine Kostendeckung beschert, leidet ein ganzer Berufsstand. Hinzu kommt pauschale, unreflektierte Kritik, die den Landwirtsfamilien zunehmend Probleme bereitet. Die landwirtschaftlichen Sorgentelefone registrieren immer mehr Hilferufe. Die oftmals bösartige Kritik an ihrer Arbeit geht den Landwirten unter die Haut. Auf der Grünen Woche war dies auch ein Thema im „BäuerinnenForum“. Es sei wichtig über die Probleme, den wirtschaftlichen Druck, negative Schlagzeilen und Anfeindungen zu sprechen, sagt Almut Detert.

Netzwerk der Frauen im ländlichen Raum

Der Landfrauenverein Schledehausen , dessen 170 Mitglieder aus dem Gebiet des alten Kirchspiels Schledehausen mit Grambergen, Hiddinghausen, Deitinghausen, Krevinghausen, Astrup, Westrup, Wulften, Schelenburg, Jeggen, Wissingen, Linne und Ellerbeck kommen, versteht sich nicht als Kaffeeklatschrunde und Spasskreis, sondern als Bindeglied zwischen der landwirtschaftlichen und nicht-landwirtschaftlichen Bevölkerung. Nur noch ein Viertel der Frauen stammen von einem Hof. Almut Detert spricht bei dieser Konstellation von einem Netzwerk der Frauen im ländlichen Raum.

Tag der Milch am 1. Juni

So haben verschiedene Aktionen im Jahresprogramm das Ziel, über die Arbeit auf dem Hof zu informieren. Der Internationale Tag der Milch am 1. Juni ist traditionell mit einem Besuch in den zweiten Grundschulklassen in Wissingen und Schledehausen verbunden, damit die Kinder zuhause erzählen können, woher die Milch kommt und was man damit alles zubereiten kann. Vollmilch, Buttermilch, Kakao und Mixmilch mit Früchten dürfen ausgiebig probiert werden. 500 bis 3000 Schüler im Landkreis werden auf diese Weise erreicht, nicht immer beteiligen sich alle Verbände. Almut Detert, die auch Vorsitzende des Kreisverbandes der Landfrauen im Altkreis Osnabrück ist: „Wir freuen uns natürlich, wenn sich an diese Aktion ein Klassenbesuch beim Milchbauern anschließt“.

Von Ferienspaß bis Gartenlehrfahrten

Ferienspaßaktionen in der Schulküche, Kochkurse mit Mitgliedern (Gäste sind willkommen, Tel. 05402/4467), gemeinsames Pickertessen, EDV-Kurse, Vorträge, Infofahrten, Spaziergänge und Gartenlehrfahrten und schließlich das Binden einer Erntekrone bestimmen das Programm. Ermutigend findet Almut Detert Initiativen wie in Glandorf, wo inzwischen alle zwei Jahre ein Erntedankfest auf einem Bauernhof gefeiert wird. „Ideal für Menschen, die nicht mehr wissen, dass eine volle Kühltheke das Ergebnis des Zusammenspiels von Natur und menschlicher Arbeit ist“.


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