Behörde: Fläche ist schutzwürdig Aus für Ferienhäuser in Bissendorf-Holte?

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Bestandssituation im für die Bebauungs-Nachverdichtung in Frage kommenden Bereich in Holte aus der Luft. Foto: Ingenieurplanung WallenhorstBestandssituation im für die Bebauungs-Nachverdichtung in Frage kommenden Bereich in Holte aus der Luft. Foto: Ingenieurplanung Wallenhorst

Bissendorf. Wohnbebauung? Ferienhäuser? Oder Äcker und grüne Wiesen? Bei der überfälligen Abgrenzung zwischen dem Landschaftsschutzgebiet „Naturpark Nördlicher Teutoburger Wald – Wiehengebirge“ und dem Bebauungsgebiet „Südöstlich der neuen Schule“ für den Bissendorfer Ortsteil Holte - beide aus den 60er Jahren – knirscht es im Getriebe. In der vergangenen Woche hat der Landkreis-Ausschuss für Umwelt und Energie die Neuabgrenzung kurzfristig von der Tagesordnung genommen hat. Warum?

Im Jahr 2015 hat die Gemeinde Bissendorf 2015 beim Landkreis Osnabrück die Änderung der Grenzen des Landschaftsschutzgebietes im Ortsteil Holte beantragt. Das Ziel: Die rund 10,9 Hektar große, vorwiegend bereits bebaute Dorflage Holte soll aus dem Geltungsbereich des Landschaftsschutzgebietes herausgenommen werden. Eigentlich logisch, wäre da nicht die Formulierung „vorwiegend bereits bebaute Dorflage“. Es geht eben nicht nur um die schon bebaute Fläche: Zum einen liegen der Gemeinde Bissendorf bereits Bauanfragen für weitere Wohnhäuser vor. Und es soll auch die Bebaubarkeit weiterer unbebauter Grundstücke innerhalb und am Rande der Dorflage geprüft werden. Nicht alle halten das für eine gute Idee, entsprechend hoch her ging es bei einer Ortsversammlung in Holte.

Von der Tagesordnung genommen

Die Untere Naturschutzbehörde teilt einige der Bedenken von Holter Bürgern hinsichtlich der beiden von Wald eingerahmten landwirtschaftlichen Flächen im Nordosten der bebauten Ortslage, die laut städtebaulicher Voruntersuchung für die Neuaufstellung eines Bebauungsplans, etwa für die Errichtung von Ferienhäusern, in Frage kämen, und empfiehlt die Belassung im Landschaftsschutzgebiet. „Die Verwaltung hat darum gebeten, den Tagesordnungspunkt 9 erst mal von der Tagesordnung zu nehmen, weil seitens der beteiligten Gemeinden noch Klärungsbedarf besteht“, begründete Umweltausschuss-Vorsitzende Kathrin Wahlmann das Streichen des Tagesordnungspunktes. Zeit zum Klären hat die Gemeinde nun: Die nächste planmäßige Sitzung des Ausschusses wäre im April.

Was gibt es noch zu klären?

„Nach Ansicht der Bissendorfer Grünen stellt sich die Frage, was noch zur Erhellung der beteiligten Entscheider beigetragen werden könnte, das bisher unbeachtet blieb“, schreibt Claus Kanke, Sprecher der Grünen im Bissendorfer Gemeinderat in einer Mail. Vielmehr dränge sich hier der Eindruck auf, „dass trotz der klaren Aussagen der Untere Naturschutzbehörde ein Versuch unternommen wird, doch noch auf eine Löschung des strittigen Bereichs hin zu wirken“, heißt es in der Pressemitteilung der Grünen weiter.

Umstrittene Ferienhauspläne

Insbesondere der Wunsch eines ortsansässigen Investors, auf dem Südhang am nordöstlichen Ortsrand eine Ferienhausanlage zu errichten, hat bereits im vergangenen Jahr die Wogen in Holte hochschlagen lassen. So gab es Protest und Einwände in den Bürgerfragestunden mehrerer öffentlichen Sitzungen des Rates und seiner Fachausschüsse und in einer Ortschaftsversammlung sowie eine Unterschriftensammlung dagegen. Der Gemeinderat hatte sich im Zuge einer unstrittigen, da erforderlichen Teilaufhebung und Neuaufstellung des alten, aus dem Jahr 1963 stammenden Bebauungsplans „Südöstlich der neuen Schule“ mehrheitlich für eine Änderung der Landschaftsschutzgebietsgrenzen ausgesprochen, die auch die Löschung der potenziellen Ferienhausfläche umfasst. Nur die Grünen hatten seinerzeit die Herausnahme dieser Fläche aus dem Antrag und damit deren Verbleib im Landschaftsschutzgebiet gefordert.

Naturschutzbehörde teilt Bedenken

Die Beschlussempfehlung der UNB an den Landkreis-Ausschuss bestätigt die Schutzwürdigkeit des „lang gestreckten, ackerbaulich genutzten und beidseitig von Wald gesäumten“ Talzuges, da dieser „die besonderen naturräumlichen Gegebenheiten des Holter Hügel- und Berglandes“ widerspiegele. Zur Wahrung der Klima- und Artenschutzfunktion der Waldränder lege das Landesraumordnungsprogramm hier einen Abstand von 100 Metern zwischen Wald und Bebauung fest. Es sei dabei zu bezweifeln, „dass noch ausreichend Fläche für die Ferienhausbebauung verfügbar ist“. Damit wird im Großen und Ganzen auch den eingegangenen Bedenken sowohl des Landesverbandes Deutscher Gebirgs- und Wandervereine, als auch diverser Holter Bürger Rechnung getragen.

Grünen-Ratsherr Kanke mutmaßt, dass genau dies der Grund für die Vertagung des Beratungspunktes sei und hinter den Kulissen die Entscheidung des Landkreises beeinflusst werden solle, kann dies aber nicht belegen, wie er selbst im Gespräch zugibt.

Gespräch mit Investor

Und wo sieht die Gemeinde noch Klärungsbedarf? „Der Antrag wurde leicht modifiziert“, so Bissendorfs Bürgermeister Guido Halfter, „der Landkreis ist erstaunlicherweise zu dem Ergebnis gekommen, dass der Ferienhausbereich doch im Landschaftsschutzgebiet bleiben sollte. Aber noch ist nichts entschieden. Wir haben nur vergessen, dem Eigentümer Gelegenheit zu geben, sich zu äußern.“

Antrag erneut im Planungsausschuss

Dieses Gespräch soll laut Halfter jetzt nachgeholt werden. Im Planungsausschuss am 11. Februar solle dann darüber öffentlich berichtet und beraten werden: „Kann sein, dass wir den Antrag zurückziehen und dass gar nichts mehr gemacht wird“, so der Bürgermeister. Aber darüber zu entscheiden sei Sache der Politik. „Wir haben keinen Druck ausgeübt, das können wir gar nicht“, betont er mit Blick auf die Spekulationen des Grünen-Sprechers.


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