Bissendorfer Energiegenossenschaft Auf dem Weg zum Bürgerstrom Osnabrücker Land?

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Die nwerk Osnabrück und die BiEn eG gehen künftig gemeinsame Wege. Otto Wetzig und Stefan Heckmann unterzeichneten einen Kooperationsvertrag. Foto: Bärbel Recker-PreuinDie nwerk Osnabrück und die BiEn eG gehen künftig gemeinsame Wege. Otto Wetzig und Stefan Heckmann unterzeichneten einen Kooperationsvertrag. Foto: Bärbel Recker-Preuin

Bissendorf. Gemeinsam geht viel besser – auch Strom produzieren. Noch besser: grünen Strom produzieren und direkt an die Verbraucher bringen. Davon sind die Mitglieder der Bissendorfer Energiegenossenschaft, kur BiEn eg, und der Osnabrücker nwerk überzeugt. Deshalb wollen sie zwar selbstständig bleiben, aber gemeinsame Wege gehen. Ein entsprechender Kooperationsvertrag wurde jetzt unterzeichnet. Vielversprechender Arbeitstitel des Vorhabens lautet: „Bürgerstrom Osnabrücker Land.“

Anfang 2013 wurde die Bissendorfer Energiegenossenschaft gegründet. Damals schlossen sich 51 Gründungsmitglieder an, heute sind es 168. Die nwerk eG Region Osnabrück wurde 2008 gegründet und zählt 230 Mitglieder. Beide Genossenschaften setzen auf erneuerbare Energie. Sie investieren in Windräder, Photovoltaikanlagen, Wasserkraft und Naturwärme. Bislang einziges Projekt der BiEn eg ist die Windenergieanlage in Ellerbeck . Weil die Anlage aus dieser Quelle die einzige in Bissendorf bleiben wird, strebt die BiEn eG die Beteiligung an anderen Anlagen oder Windparks an. Etwas konkreter könnte der Bau einer Photovoltaikanlage werden.

Zeitliche Herkulesaufaufgabe

Eine Genossenschaft mit Leben zu erfüllen, sei für einen ehrenamtlichen Vorstand und Aufsichtsrat eine Herkulesaufgabe, betonte Vorstandsvorsitzender Stefan Heckmann. Manches hätte in den zwei Jahren BiEn eG die Dimension ehrenamtlicher Arbeit überschritten. Heckmann gab den Mitgliedern recht, die lückenhafte Informationen, spärliche Unterlagen und mangelnde Außenwirkung beklagten. „Wir müssen uns professioneller aufstellen, damit die Arbeit effektiver wird“, so seine Mahnung.

Kooperation mit nwerk

Ein Weg in diese Richtung läuft über die Kooperation mit der Osnabrücker Energiegenossenschaft nwerk. Durch gemeinsames Agieren seien Synergien zu nutzen, so Heckmann, zumal die Ziele beider Genossenschaften identisch seien, nämlich die Bürger möglichst hundertprozentig mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen versorgen und Unabhängigkeit von großen Stromanbietern erzielen. Zwar sind die Genossenschaften Wirtschaftsunternehmen, doch bleibt das Kapital in der Hand der Anteilseigner. Auch Erträge fließen entsprechend zurück.

Bei diesen gemeinsamen Vorzeichen in direkter Nachbarschaft lag die Zusammenarbeit quasi auf der Hand. Eine Kooperation von den Vorständen und Aufsichtsräten war schnell befürwortet, erläuterten Stefan Heckmann und Otto Wetzig, Vorstandsvorsitzender der nwerk Region Osnabrück.

Mitgliedschaft Bürgerwerke

Damit kamen die beiden Vorstandsvorsitzenden gleich auf das nächste Anliegen, eines neuen gemeinsamen Vorhabens, das größere Chancen zur direkten Vermarktung von Ökostrom bietet.

Die Nwerk, Region Osnabrück, ist bereits Mitglied in der Dachgenossenschaft „Bürgerwerke“. Die Bürgerwerke sind ein Zusammenschluss von regionalen Energiegenossenschaften aus ganz Deutschland. BiEn eG möchte sich dem anschließen. In der großen Gemeinschaft ist die hundert Prozent Ökostrom-Versorgung leichter zu schaffen, als allein vor Ort, so das Argument. Mit Beteiligung der Bürger wird Energie in Projekten vor Ort produziert und direkt an die Verbraucher weitergegeben. Erneuerbare, regional produzierte und vermarktete Energie, das Ganze durch Bürgerbeteiligung macht unabhängig von den großen Stromkonzernen, so die Erläuterung von Heckmann und Wetzig. „Der Bürger kann den Markt verändern“, so Stefan Heckmann. Also sollten möglichst viele Bürger die Genossenschaften stärken, auf grünen Strom umstellen und zu den Bürgerwerken wechseln. Eine mitgliederstarke Kooperation von BiEn eG und nwerk könne unter dem Dach der Bürgerwerke auch neue Projekte initiieren.

Professionelle Geschäftsführung

Nun kosten gerade diese gewünschten Veränderungen wieder mehr persönliche Energie und Zeit der Ehrenamtlichen. „Wir brauchen personelle Ressourcen“, sagte Heckmann und nannte gleich eine Lösung. Er selbst stellte sich zur Verfügung, um die Entwicklung der BiEn eG, die Kooperation mit nwerk und die Arbeit in den Bürgerwerken zu bearbeiten. Ein Teil seiner ehrenamtlichen Arbeit werde dann professionalisiert, sprich: finanziell ausgeglichen. Auf kritische Nachfragen der Mitglieder versicherte Heckmann, dass es sich um eine minimale Beschäftigung handeln werde. „Es ist eine Arbeit, die mehr einbringt, als ich koste“, so der Vorstandsvorsitzende. Die Entwicklung der BiEn eG müsse mit dem bezahlten Zeitaufwand im Einklang stehen.

Aufsichtsrat und Vorstand warben für dieses Gesamtpaket mit Kooperation mit nwerk, Mitgliedschaft bei den Bürgerwerken und professionalisierter Geschäftsführung. Mit Erfolg. Die weitaus meisten Mitglieder stimmten den Vorschlägen zu.


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