Land unter in Wissingen 74 Zentimeter Hochwasser im Wohnzimmer vor fünf Jahren

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Bissendorf. Das August-Hochwasser 2010 überflutete das Haus der Familie Kameier in Wissingen.Heute freuen sie sich über ihr neu eingerichtetes Heim, einen blühenden Garten und bleiben auch bei Starkregen ganz entspannt.

Gisela und Günther Kameier gönnen sich ihre Kaffeepause in der grünen Idylle ihres Blumengartens. Vor der Terrasse steht ihr privater Wasserstandspegel Marke Eigenbau. Grün, gelb, rot, so die Markierung. „Gelb bedeutete früher: Allmählich die Teppiche aufrollen“, berichtet Gisela Kameier. „Das passiert bestimmt nie wieder“, beruhigt ihr Mann Günther.

Vor fünf Jahren war an dieser Stelle nichts mehr von Garten, Terrasse, Hecke oder Pegel zu sehen. Das Haus der Kameiers war beim Hochwasser komplett überflutet worden. Es gibt Tage, die man nie vergisst. Ein solcher Tag ist für Gisela und Günther Kameier der 27. August 2010. Nachts um drei Uhr klingelte sie die Feuerwehr aus dem Bett. Sie wurden vor dem Hochwasser gewarnt, das einige Stunden später ihr Haus an der Kleinen Mühlenstraße überfluten würde. Ähnliches hatte die Familie bereits 1998 erlebt. Auch zwischendurch stand nach starken Regenfällen das Wasser vor der Haustür. Jetzt kam es noch schlimmer. Am 27. August stieg der Wasserstand im Erdgeschoss auf 74 Zentimeter an. Am Mittag dieses Tages wurden die Kameiers per Schlauchboot evakuiert. Bis dahin hatten sie sich beharrlich geweigert, ihr Haus zu verlassen. „Dieser Moment war der Schlimmste. Das Haus zu verlassen, das war wirklich das Schlimmste an diesem Tag“, sagt Gisela Kameier, es ist offensichtlich, dass die Schrecken dieses Tages noch immer lebendig sind. „Vielleicht hätten wir doch im Obergeschoss bleiben können, aber es ging ja nichts mehr, keine Toilette, kein Strom, nichts“, so Günther Kameier.

Vier Monate Renovierung

Schon einen Tag später kehrte das Ehepaar in sein Haus zurück. Von der Einrichtung konnte es kein Stück retten, vieles vom Hausrat war nicht mehr nutzbar. Vier Monate dauerte es, bis die Kameiers ihre renovierte und neu eingerichtete Wohnung beziehen konnten. Kurz vor dem 80. Geburtstag des Hausherrn war es soweit. Bis dahin hatten sie in der Wohnung der Tochter im Obergeschoss gelebt.

„So etwas möchte ich nie mehr erleben“, sagt der Wissinger, und dann kommt von ihm ganz viel Lob und Dankbarkeit: Verwandte, Nachbarn und die Gemeinde haben geholfen, mit Versicherungen und Handwerkern habe alles bestens geklappt.

Mulmige Gefühle bei Regenfällen

„In den letzten fünf Jahren haben wir schön ruhig gelebt“, erzählt seine Frau Gisela. Allerdings schaute sie mit mulmigen Gefühlen auf den Privatpegel, als es vor zwei Wochen wieder stark regnete. „Überhaupt keine Gefahr mehr, das Wasser lief in den Gräben sehr ruhig ab“, meint Günther Kameier mit der Erfahrung von mindestens drei Hochwassern. Das sei wohl ein gutes Ergebnis der Hochwassersschutzmaßnahmen flussaufwärts der Wierau. „Die Flutmulde und die Spundwand bringen wohl eine ganze Menge“, so der 84-Jährige. .

Koi Karpfen entschwammen

Wenige hundert Meter entfernt wohnen Ingrid und Volker Pantke. Sie haben seit dem Jahrhunderthochwasser 2010 einen Untermieter. Es ist ein inzwischen sechzig Zentimeter langer Aal. Der üppige Gartenteich der Pantkes war 2010 Zuhause von fünf ebenso üppigen Koi Karpfen. Als am 27. August das Wasser stieg, Teich, Garten überschwemmte und knapp vor der Terrassentür stand, nutzen die wertvollen Fische die günstige Gelegenheit und entschwammen. Nie wieder habe er einen Karpfen gesehen oder davon gehört, berichtet Volker Pantke. Wahrscheinlich haben die Fische bei ihrem Ausflug ihr Leben gelassen.

Als das Ehepaar nach dem Hochwasser den Teich säuberte, entdeckten sie einen kleinen Aal, der sich zwischen Schlamm und Steinen versteckte. Zwei Jahre später schwamm er ihnen bei der nächsten Säuberung mit bereits 40 Zentimetern Körperlänge entgegen. Kürzlich war wieder Teichputztag bei Ingrid und Volker Pantke angesagt. Zwischen den neuen Koi Karpfen entdeckten sie den Hochwasserbewohner zum dritten Mal. Offensichtlich tut ihm das Kraftfutter der Koi Karpfen gut. Der Aal misst inzwischen gute 60 Zentimeter.


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