Mit Brotmesser ins Getreidefeld Landesamt für Statistik setzt Bissendorfer Ernteschätzer ein

Meine Nachrichten

Um das Thema Bissendorf Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Hartmut Kumming und Ingo Kortenjan sind als Probennehmer für Ernte- und Qualitätsermittlung des Statistischen Landesamtes Hannover im Osnabrücker Land tätig. Foto: Stefanie PreuinHartmut Kumming und Ingo Kortenjan sind als Probennehmer für Ernte- und Qualitätsermittlung des Statistischen Landesamtes Hannover im Osnabrücker Land tätig. Foto: Stefanie Preuin

Osnabrück/Bissendorf. Wie fällt die Ernte aus? Mit dem Gerstenertrag dürften die Landwirte zufrieden sein. Der Mähdrusch von Roggen, Raps und Triticale bestimmt jetzt den Arbeitstakt auf den Feldern, dann folgt bis Mitte August der Weizen. Hartmut Kumming (53) hat dafür eine gute Prognose: „Etwa wie im letzten Erntejahr.“

Kummings Einschätzung hat den Charakter einer gesicherten Hochrechnung bei Wahlen. Er besucht drei bis vier Tage vor der Ernte die Felder auf und sackt Ährenproben ein. Jetzt hat er Hochsaison. Der Landwirtschaftsmeister bewirtschaftet einen 40 Hektar großen Hof mit Ferkelaufzucht und Schweinemast und ist außerdem Probennehmer für die Besondere Ernte- und Qualitätsermittlung (BEE) für das Statistische Landesamt in Hannover.

Stichproben von 30 Höfen

Gemeinsam mit Ingo Kortenjan (42) sorgt der Bissendorfer dafür, dass die offizielle niedersächsische Erntestatistik auf einem seriösen Fundament steht. Beide Erhebungsbeauftragte, wie es offiziell heißt, bilden die Kommission 36, eine von insgesamt 46 in ganz Niedersachsen, die 1380 landwirtschaftliche Betriebe stichprobenartig besuchen. Die Auswahl treffen die Statistiker in Hannover. Für Kumming und Kortenjan stehen in diesem Jahr 30 Höfe im Osnabrücker Land auf der Besuchsliste. Die Ernteschätzung umfasst Winterweizen, Wintergerste, Roggen, Sommergerste, Triticale, Winterraps und Kartoffeln. Landwirte sind verpflichtet, die Probennahme zu gestatten.

Sechs Wochen vor der Ernte nimmt Kumming Kontakt mit den Landwirten auf, die zuvor vom Landesamt auch darüber informiert worden sind, welche Fläche beprobt wird. Kumming und Kortenjan schreiten kurz vor Erntestart zur Tat. Eine Luftaufnahme dient beiden, das ausgewählte Feld zu finden. Ein quadratischer Rahmen, der an einer präzise vorgegebenen Stelle ins Getreidefeld gelegt wird, ist exakt ein Quadratmeter gekennzeichnet.

Fünf Wiederholungen

Mit einem Brotmesser köpft Kumming die Ähren in dieser Probefläche und wirft sie in einen Sack. Egal wie groß das Feld ist, müssen die Probennehmer diesen Vorgang fünfmal wiederholen. Dazu wird vom ersten Quadratmeter eine diagonale Linie in gleiche Abstände aufgeteilt. Es spielt keine Rolle, wenn der Rahmen zufällig auf eine Fehlstelle oder Fahrgasse fällt. „Das gehört zur Ernteschätzung dazu“, so Kumming.

Ist die Probe-Ernte im Sack, erhält sie einen Erkennungsclip mit Betriebsnummer, Kommissionsnummer und Sorte am Verschluss. Der Probe fügen Kumming und Kortenjan noch einen kleinen Bericht über den Zustand des Bestandes, der Feldfrucht und des Durchwuchses von Unkraut. Die Untersuchung der Probe übernimmt ein Fachlabor der LUFA (Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt der Landwirtschaftskammer Niedersachsen).

Im Dienste der Ernährungsvorsorge

Die Ernteschätzungen sind keine Erfindung der Neuzeit. Schon im 18. Jahrhundert waren Probennehmer auf den Feldern unterwegs im Dienste der Ernährungsvorsorge. Heute nutzen die statistischen Ergebnisse vornehmlich Handel, Industrie und Landwirtschaft.

In den Jahren als Probennehmer hat Kumming ein Gespür dafür entwickelt, wie die Ernte zwischen Quakenbrück und Glandorf ausfällt. „Gerste liegt wie im letzten Jahr bei 90 Doppelzentner pro Hektar, Weizen etwas weniger als 2014, aber doch etwa 90 Doppelzentner“, ist er sich sicher: „Das wird eine allgemein ganz gute Ernte“.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN