Strecke Bad Essen-Lüstringen Formelle Suche nach 380-kV-Trasse beginnt mit Antragskonferenz

Von Sandra Dorn

Wo die neue 380-kV-Leitung verlaufen wird, steht noch lange nicht fest. Bislang stehen zwei Trassenkorridore zur Debatte. Bei der Antragskonferenz könnten neue dazu kommen. Symbolfoto: imago/Rüdiger WölkWo die neue 380-kV-Leitung verlaufen wird, steht noch lange nicht fest. Bislang stehen zwei Trassenkorridore zur Debatte. Bei der Antragskonferenz könnten neue dazu kommen. Symbolfoto: imago/Rüdiger Wölk

Belm/Bissendorf. Wo soll die neue 380-Kilovolt-(kV)-Leitung zwischen Bad Essen-Wehrendorf und Osnabrück-Lüstringen die Gemeinde Bissendorf durchqueren? Dazu konnten die Bürger bereits ihre Meinung und ihre Bedenken äußern. Der von Bissendorf initiierte Trassenfindungsprozess hatte zwei sehr breite Korridore zur Folge, die in Frage kämen. Konkreter wird es erst im formellen Raumordnungsverfahren, das am Mittwoch mit einer sogenannten Antragskonferenz vorbereitet wird.

Rund 60 Behörden und Verbände hat das Amt für regionale Landesentwicklung Weser Ems dazu eingeladen, darunter die betroffenen Kommunen, Energieversorger, aber auch Naturschutzverbände und die Landwirtschaftskammer. Die Antragskonferenz findet nicht öffentlich statt. „Am Mittwoch wird noch nichts entschieden“, erläutert Bernhard Heidrich vom Amt für regionale Landesentwicklung. Aber es sei die Gelegenheit für alle Behörden und Verbände, weitere Trassenverläufe in den Raum zu werfen. Das Amt entscheidet dann, welche Korridore die Firma Amprion näher untersuchen soll, etwa hinsichtlich von Landschafts- und Naturschutz. Amprion ist der Übertragungsnetzbetreiber, der vom Bund mit dem Trassenausbau im Osnabrücker Land beauftragt ist.

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Erst wenn die Firma die Ergebnisse der Untersuchung beim Landesamt abliefert, beginnt das Raumordnungsverfahren. Die Unterlagen werden öffentlich ausgelegt und nicht nur Behörden, sondern auch die Bürger dürfen dann Stellungnahmen dazu abgeben. Und selbst wenn dieses Verfahren beendet ist, wird noch nicht feststehen, wo genau einzelne Strommasten stehen werden – das entscheidet sich erst im abschließenden Planfeststellungsverfahren. Von Prinzip her läuft alles also genauso ab wie beim Bau einer Bundesstraße oder Autobahn.

Die Antragskonferenz am Mittwoch „dient nicht der vorgezogenen Behandlung und Erörterung von Einwendungen und Stellungnahmen Betroffener“, erläutert das Landesamt in seiner Einladung. Sämtliche Infos zum Vorhaben sind im Internet herunterzuladen unter www.380kv-osna.niedersachsen.de .

Bei der geplanten Höchstspannungsleitung handelt es sich um einen Abschnitt der Trasse Nummer 16 – einer von derzeit 23 geplanten Leitungen bundesweit . All diese Leitungen sollen ausgebaut werden, damit irgendwann einmal Windenergie aus Norddeutschland in den Süden der Republik transportiert werden kann. Umstritten ist der Leitungsausbau fast überall, Bürgerinitiativen setzen sich für die Verlegung von Erdkabeln statt Freileitungen ein – so auch im Osnabrücker Land. Auf dem Abschnitt der Trasse 16 zwischen Lüstringen und der Landesgrenze zu NRW Richtung Gütersloh läuft das Raumordnungsverfahren bereits.

Dass die Bürger in Bissendorf schon im Vorfeld beteiligt wurden, war eine Premiere für alle Beteiligten. Auch die Nachbargemeinde Belm war involviert. Ergebnis waren die beiden Trassenkorridore, die Amprion nun für das Raumordnungsverfahren vorgeschlagen hat. Sie orientieren sich an den bestehenden 110- und 220-kV-Leitungen, der nördliche Korridor berührt damit auch den Belmer Ortsteil Wellingen. Geplant ist, dass die 220-kV-Leitung in jedem Fall wegfallen wird, die kleinere 110-kV-Leitung soll mit der neuen 380-kV-Leitung zusammengelegt werden.


Der Landkreis Osnabrück ist von der Energiewende besonders betroffen. Gleich mehrere Hochspannungsleitungen sollen von 110 oder 220 auf 380 kV hochgerüstet werden. Hintergrund ist, dass saubere Windenergie aus Norddeutschland in den Süden transportiert werden soll – und dazu reichen die Kapazitäten der Leitungen derzeit nicht aus. Bei der Leitung in Bissendorf handelt es sich um Nummer 16 von 23 Trassenprojekten, die das Energieleitungsausbaugesetz des Bundes im Zuge der Energiewende vorsieht. Die künftige 380-kV-Leitung soll von Bad Essen-Wehrendorf quer durch Bissendorf zum Umspannwerk in Lüstringen führen – und von dort aus weiter über Osnabrück-Voxtrup, Holsten-Mündrup, Hilter-Borgloh, Melle-Wellingholzhausen und Borgholzhausen nach Gütersloh.