„Volle Pulle“ Alkoholprävention mit Uli Borowka in der Bissendorfer Oberschule


Bissendorf. Exfußballprofi Uli Borowka besuchte während der bundesweiten Aktionswoche „Alkohol? Weniger ist besser!“ die Oberschule „Am Sonnensee“. Der jetzt vom Alkohol abstinent lebende Borowka las aus seiner Autobiografie und beantwortete Fragen der Schüler.

„Volle Pulle“ heißt das Buch, mit dem Borowka seit 2012 auf Vortragstour ist. In der Aula der Oberschule begann Borowka vor Schülern der achten und neunten Klassen eine Lebenssituation vorzustellen, die ihn 1996 am persönlichen Tiefpunkt zeigte. Von Frau und Kindern verlassen, allein in der bis auf Matratze sowie Kühlschrank komplett unmöblierten Bremer Villa und mal wieder voll bis oben hin, wollte er sich damals das Leben nehmen. Doch er hatte Glück: Sein Körper kann die Giftstoffe extrem schnell abbauen – und so überlebte der damals 34-Jährige den Cocktail aus Bier, Wein plus Schmerz- und Schlaftabletten. Gleichwohl dauerte es noch vier Jahre, bis Borowka in einer stationären Therapieeinrichtung im Sauerland unterkam. Sie verließ er nach vier Monaten. Seitdem habe er keinen Rückfall mehr in die Sucht gehabt, sagte Borowka und bat um Fragen der Schüler.

„Wie haben Sie es geschafft, vom Alkohol wegzukommen?“ Alleine hätte er das niemals gekonnt, antwortete Borowka. Mit Platzwunde am Kopf und ohne Zähne im Mund sei er eines Tages in der Geschäftsstelle seines ersten Bundesligavereins Borussia Mönchengladbach aufgelaufen. „Die haben mir hinter meinem Rücken sofort einen Therapieplatz besorgt.“

Zum ersten Mal sei er mit 15 Jahren während der Lehre mit Bier in Berührung gekommen, antwortet Borowka auf die nächste Frage. In der Therapie habe sich herausgestellt, dass er bereits mit 22 schon psychisch vom Alkohol abhängig war. „Damals habe ich schon am Tag überlegt, wann ich das nächste Mal unauffällig etwas trinken kann.“

Heute betreibe er Sportmarketing, trainiere Fußball in Kinder- und Jugendcamps, kümmere sich um Bundesligaspieler mit Suchtproblemen und um Kinder suchtkranker Eltern, erklärte Borowka auf Nachfrage. Er kritisierte: „Warum wird das Thema Alkohol nicht in der Trainerausbildung besprochen? Warum muss in der Kabine einer B-Jugend-Mannschaft schon eine Kiste Bier stehen? Brause tut‘s doch auch.“ Borowka bezog seine Kritik ausdrücklich nicht nur auf die seiner Ansicht nach gängige Praxis in Fußballklubs. „Das Problem, dass Jugendliche früh an Alkohol herankommen, besteht auch in Schützenvereinen und bei der Feuerwehr“, meinte Borowka.

Die Veranstaltung in der Oberschule wurde vom Schulpräventionsprojekt des Arbeitskreises Sucht im Präventionsrat der Gemeinde Bissendorf organisiert. Sprecher Jürgen Griese dankte Borowka für dessen „schonungslose Offenheit“. Griese appellierte an die Schüler, bei erkennbaren Problemen mit Alkohol, dies offen anzusprechen und sich Hilfe zu holen.


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