Landwirt Brockmann aus Bissendorf „Das Getreide steht gut, aber es fehlt noch Regen“

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Landwirt Ulrich Brockmann in der Nullparzelle seines Gerstenfeldes mit Pflanzenschutzberater Christoph Kalthegener (rechts). Foto: Harald PreuinLandwirt Ulrich Brockmann in der Nullparzelle seines Gerstenfeldes mit Pflanzenschutzberater Christoph Kalthegener (rechts). Foto: Harald Preuin

hpr Bissendorf. „Ich rechne mit einer guten Getreideernte“. Das sagt Landwirt Ulrich Brockmann (53) aus Bissendorf, doch ein Hauch von Skepsis bleibt. Zurzeit stehen die Halme gut, wogen die grünen Ähren im Wind. Aber nun müsste es mal wieder regnen. Bleibt der Guss von oben aus, könnten sich Trockenschäden einstellen. Doch das Ernteergebnis kann noch von anderen Bedingungen beeinflusst werden.

Die grünen Gerstenfelder wechseln in den nächsten drei Wochen ihre Farbe. Dann dauert es nicht mehr lange, bis die Mähdrescher ihre Bahnen ziehen. Im September hat Brockmann seine Gerste ausgesät. Zwischen 270 und 330 keimfähige Körner pro Quadratmeter haben 550 bis 650 ährentragende Halme ausgetrieben. Um das Ziel zu erreichen, müssen die Pflanzen gehegt und gepflegt werden. Krankheiten wie Mehltau, Halmbruch, Gelbrost und Netzflecken können auftreten. Blattläuse und Zikaden lauern auf die jungen Austriebe, um sich vollzusaugen.

Für den Befall von Pilzerkrankungen waren die klimatischen Bedingungen der letzten Wochen nicht ideal. Aber dennoch muss das kein Vorteil für den Landwirt sein. Um die Schadpilze zu verhindern, muss das Getreide vorsorglich behandelt werden.

Die Zeit von Infektion bis zum Ausbruch einer Erkrankung wie Septoria tritici (bei Weizen) beträgt 21 Tage, bei Netzflecken (Gerste) sieben bis acht Tage. Die Pilze lieben eine feuchte Witterung, der Infektionsdruck steigt bei ein- bis zweitägiger Blattnässe explosionsartig. „Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte der Landwirt eine vorsorgliche Krankheitsbehandlung vornehmen“, sagt Pflanzenschutzexperte Christoph Kalthegener (51) von der Firma Syngenta. Doch die ist auf die Anbaufläche berechnet, nicht ganz billig.

Für Ulrich Brockmann ist das A und O des Getreideanbaus eine intensive Beobachtung des Wachstums, um früh genug eingreifen zu können. Deshalb hat er in seinen Feldern sogenannte Nullparzellen (etwa 100 Quadratmeter) abgesteckt, die ohne jegliche Behandlungen wachsen. Hier kann er vergleichen, wie sich beispielsweise die Pilzkrankheiten ausbreiten oder wie stark der Befall mit Blattläusen ist.

Der scharfe Blick auf die Blätteransätze (Wachstumsphase 30/31) zeigt, ob eine Antipilz-Behandlung starten sollte. Bei einem sichtbaren Auftreten von Netzflecken an 20 Prozent der Gerstenpflanzen wird eine Behandlung empfohlen, will man nicht hohe Ernteausfälle in Kauf nehmen. Jetzt kann auch ein Wachstumsregler eingesetzt werden, der verhindern soll, dass das Getreide im Endstadium des Wachstums bei Starkregen „ins Lager“ gedrückt wird. Auf den flachgedrückten Halmen reifen die Ähren nicht aus , sind also für den Ertrag verloren.

Eine Zweitbehandlung mit Fungizid richtet sich ebenfalls nach dem Ausbreiten des Pilzbefalls. Dann ist die Pflanzen bereits im Wachstumsstadium 39 bis 49, je nach Getreideart zwischen Mitte und Ende Mai, hat das drittletzte Blatt ausgetrieben. Das ist die Zeit des Ährenschiebens. Danach kann Brockmann nicht mehr eingreifen. Ist die Pflanze gesund, sind die Witterungsbedingungen optimal, ist eine gute Ernte zu erwarten. Doch nach der Abschlussbehandlung sind es noch acht Wochen bis zur Ernte. Da muss das Wetter noch mitspielen.

Sorgen bereitet den Landwirten auch der zunehmende Insektenbefall. Blattläuse übertragen beispielsweise bei ihren Saugaktivitäten den „Blattverzwergungsvirus“, den sie sich schon im Herbst in den Maisfeldern eingefangen haben. So ist dieser Virus vom Mais auf Getreide übergesprungen, sorgt für Kümmerwachstum bei Gerste und rote Spitzen bei Weizen. Auch das Getreidehähnchen hat sich unbeliebt gemacht. Die Larven dieses Käfers fräsen die Chlorophyllschicht der Halmblätter, die damit für die notwendige Versorgung der Kornähren ausfallen. Brockmann: „Wenn die Schadschwelle dafür überschritten ist, muss eine Behandlung erfolgen“.

Christoph Kalthegener rät generell zur Aussaat von robusten, gesunden und standfesten Sorten, bei denen letztlich weniger Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden muss.


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