Serie „Mit Stallgeruch“ Bissendorfer Landwirt setzt auf Regenwürmer statt Pflug


Bissendorf. Wenn es um die Bearbeitung seines Ackerbodens geht, kann sich Hermann Dörmann (52) auf viele emsige Helfer verlassen. 1998 hat er seinen Pflug in die Ecke gestellt und den Regenwürmern die Arbeit überlassen. Der Landwirt aus Grambergen hat sich der „konservierenden Bodenbearbeitung“ verschrieben, die auch als Mulchsaat bekannt ist.

Noch in den 1990er-Jahren wurde der Boden seiner Felder auf traditionelle Weise umgebrochen – 25 bis 28 Zentimeter tief. Das war immer schon so, doch der junge Landwirt, der Mitte der 1980er-Jahre den elterlichen Hof übernommen hatte, stellte fest, dass bei Starkregen die offene Krume auf den hügeligen Flächen schnell verschlämmte oder weggespült wurde.

Viele Böden seiner Felder enthalten Schluff oder Ton, die feiner sind als etwa der Sandboden. Nach starken Regenfällen setzt sich dieser Boden besonders an steileren Hängen schnell in Bewegung. Um die Erosion zu stoppen, probierte Dörmann zunächst auf einigen Flächen die sogenannte konservierende Bodenbearbeitung aus, bei der Reste von Stroh und Zwischenfrüchten an der Oberfläche beziehungsweise in der oberflächennahen Schicht bleiben. Damit sollte ein stabiles, wenig verschlämmungsanfälliges Bodengefüge entstehen.

Futter für Schweine

Auf 150 Hektar wächst das Futter für die Schweinehaltung auf dem Gramberger Hof, den Hermann Dörmann mit seinem Bruder Erhard betreibt. Heute wird der Hof mit drei Arbeitskräften bewirtschaftet und unzähligen freiwilligen Mitarbeitern – Regenwürmer nämlich. Die stellten sich vermehrt ein, nachdem Dörmann seinen Acker nicht mehr unter die Pflugschare nimmt. Die Bodenlebewesen ernähren sich von den Pflanzenresten, die sich im Oberboden befinden.

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Kalkstein erschwert die Arbeit

Die Ackerflächen rund um Dörmanns Hof liegen an sanften Hügeln, aber auf Kalkstein, der den Landwirten die Arbeit erschwert. „Der Verschleiß an den Pflugscharen war sehr groß, das Pflügen kostete Zeit und Sprit“, erinnert sich der 52-Jährige.

Seit 1996 beschäftigte er sich intensiv mit dem Thema Mulchsaat , zunächst auf einigen Versuchsflächen. Nach der Getreideernte blieb der Stoppelacker zunächst liegen, danach kam nur noch der Grubber zum Einsatz. Die Zinken lockerten den Boden in den oberen 15 bis 20 Zentimetern. Heute wird vor der Aussaat von Winterraps 15 Zentimeter tief gegrubbert, für alle anderen Früchte nur acht Zentimeter tief.

Skepsis wich Überzeugung

Als Dörmann im Herbst 1998 keinen Hektar mehr pflügte, überwog zunächst die Skepsis. Seine Flächen, belegt mit organischer Masse (Stroh und Ausfallgetreide), sahen „nicht so schön aus“, erinnert er sich, aber sie verhinderten die Bodenerosion. Das Bodenleben, das hatte der Landwirt auf seinen Versuchsflächen erkannt, erneuerte sich rasch. Die Regenwürmer genossen die Mulche, die sie in wertvollen Humus umwandeln, was wiederum den anderen Bodenlebewesen zu Gute kommt.

Der Feldtest bestätigt, dass die Bodenlockerer die Biomasse 30 bis 40 Zentimeter in den Boden ziehen. Dörmann sagt, dass die etwa sechs Millimeter großen Gänge der dicken Würmer bis zu zwei Meter in die Erde gehen. „Eine gute Population Regenwürmer kann in einem halben Jahr sechs bis acht Tonnen Biomasse im Boden in hochwertigen Dünger umwandeln – so ein Ergebnis erreicht niemand mit dem Pflug“.

Nach vier Jahren Erfolg

Etwa vier Jahre hat es gedauert, bis der Boden sich darauf eingestellt hat. Im dritten Jahr gab es leichte Umstellungsprobleme, danach stabilisierte sich das Bodenleben. Dörmann ist sicher, dass seine Erträge sich um keinen Deut von denen seiner Berufskollegen unterscheiden. Der entscheidende Vorteil für ihn liegt aber darin, dass der Boden durch Würmer und Mikroorganismen so aufgelockert ist, dass auch starke Regengüsse ihm nichts anhaben können. Das Wasser versickert schneller und die Befahrbarkeit mit Landmaschinen ist deutlich besser.

Für die Feldarbeiten setzt Dörmann nur gezogene Geräte ein, um das Gewicht zu reduzieren. Seine Schlepper sind mit einer Reifendruckregelanlage ausgerüstet, die den Luftdruck bei den Feldarbeiten auf 0,8 bar senken. Gefahren wird nur auf den Fahrgassen im Feld. Das gilt auch für die Düngung. Gülle bringt er mit Schleppschläuchen vor der Aussaat auf das Feld, damit alle Nährstoffe in den Boden und nicht in die Luft gehen. Tja, und seinen Pflug hat er 2003 endgültig verkauft.


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