380-kV-Höchstspannungstrasse Bürgerinitiativen übergeben in Bissendorf mehr als 500 Einwände

Mitglieder der Bürgerinitiativen gegen eine neue 380-kV-Höchstspannungsleitung aus Belm, Bissendorf und Osnabrück übergaben Bürgermeister Guido Halfter Eingaben und Unterschriftenlisten. Foto: Bärbel Recker-PreuinMitglieder der Bürgerinitiativen gegen eine neue 380-kV-Höchstspannungsleitung aus Belm, Bissendorf und Osnabrück übergaben Bürgermeister Guido Halfter Eingaben und Unterschriftenlisten. Foto: Bärbel Recker-Preuin

Belm/Bissendorf. „Ich lasse Sie jetzt im Regen stehen“, sagte Bissendorfs Bürgermeister Guido Halfter und verabschiedete sich. Zuvor hatte er den Protest der Bürgerinitiativen gegen eine 380-kV-Höchstspannungsleitung, außerdem eine Mappe mit einem Auszug aus 500 schriftlichen Einwendungen und eine Liste mit 300 Unterschriften von Gegnern aus Darum entgegengenommen. Angesichts der Wetterlage meinte der Bürgermeister diesen Satz wörtlich, die Mitglieder der Bürgerinitiativen hörten darin wesentlich mehr.

Es blieb bei einem kurzen Besuch vor der Rathaustür und der Übergabe der Einwendungen und Unterschriftenlisten durch Konstantin Obolenski, Sprecher der Darumer Initiative. Eine Annäherung der Positionen gab es nicht. Guido Halfter ist Initiator der Bürgerbeteiligung zur Trassenfindung, und gerade diesen Prozess lehnen die Bürgerinitiativen ab, sie halten ihn sogar für kontraproduktiv. Bürgerbeteiligung sei zwar gut, aber nicht in diesem Fall, wenn ein Team von Kommunalpolitikern und Verwaltungsmitarbeitern, also kein Expertenteam, dazu aufrufe und die Vorschläge sichte. Dieses Team hatte 13 Alternativtrassen aufgezeichnet, einige davon gehen durch Belmer Gebiet in Haltern und Wellingen. Diese Vorschläge hatten Belmer Bürger zur Gründung einer Initiative veranlasst, der sich weitere aus Osnabrück-Darum und Bissendorf anschlossen.

Im Verfahren zur Trassenfindung gebe es viele rechtliche Mängel, es sei nicht die Aufgabe der Verwaltung, Trassenalternativen aufzuzeigen, sagte Joachim Kellermann von Schele, Sprecher der Schledehauser Initiative.

Dieser Trassenfindungsprozess habe bereits immense Folgen. Immobilien, die im Bereich möglicher Trassenführungen lägen, hätten drastisch an Wert verloren, erläuterte Kellermann von Schele.

Auch für Cornelia Giacinto, Sprecherin der Belmer Initiative, ist der Hauptgrund ihres Protestes weniger der mögliche Trassenverlauf als das Findungsverfahren. Direkter Ansprechpartner sei Amprion und nicht die Gemeinde Bissendorf, so Giacinto. In dem Engagement der Gemeinde, speziell Bürgermeister Halfters, sieht die Sprecherin vornehmlich wirtschaftliche Interessen, mit anderen Worten: Ausgewiesene und in Planung begriffene Baugebiete lassen sich kaum vermarkten, wenn in der Nähe eine Freilandhöchstspannungsleitung verläuft.

„Wenn Sie sich mit uns auf die Seite der Bürger stellen würden, wäre vieles möglich, auch die Erdverkabelung“, kritisierte Cornelia Giacinto. Für die Belmerin muss das „Schutzgut Mensch und Natur“ eindeutig vor dem „Schutzgut Wirtschaft“ stehen. Bissendorf müsse eindeutig die Erdverkabelung fordern. Auch für Guido Halfter wäre eine Erdverkabelung die elegante und konfliktarme Lösung, auch möchte er mit möglichst vielen Bürgern an einem Strang ziehen. Eine Resolution werde die Gemeinde aber nicht einbringen. Er wünschte sich ein größeres lokales Interesse der Bundespolitiker, statt mit der Umsetzung des EnLag (Energieleitungsausbaugesetzes) die Kommunen alleinzulassen. In den nächsten Tagen werden an fünf Bereichen in Bissendorf und Belm Anhängerplanen und rote Holzkreuze aufgestellt, die den Verlauf möglicher Trassenverläufe symbolisieren.

Noch bis Ende Januar haben die Bürger Gelegenheit , sich an der Trassenfindung für die geplante 380-Kilovolt-Stromleitung zwischen den Umspannanlagen Osnabrück-Lüstringen und Wehrendorf zu beteiligen. Darauf weist die Gemeinde Bissendorf hin. Weitere Informationen unter www.bissendorf.de.


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