1000 Berliner pro Stunde Bäckerei Brinkhege produziert am neuen Standort in Bissendorf


Bissendorf. Wenn die Engel Plätzchen backen, leuchtet der Himmel rot. Bei Brinkheges ist das anders. Wenn sich die rund 70 Mitarbeiter der Festtagsbäckerei hingeben, ist es stockfinster. Sie erledigen ihre Arbeit zumeist nachts – Hand in Hand, in einem eingespielten Team und an einem neuen Standort. Zu den Festtagen hat die Bäckerei erstmals in Bissendorf-Natbergen gebacken. Heike Brinkhege ist sicher, dass hier jetzt und in Zukunft himmlisch gute Backwaren entstehen.

Fast wie im Himmel fühlen sich Geschäftsführerin Heike Brinkhege und ihr Betriebsleiter Valentin Kapust. „Alles geht im neuen Betrieb viel unkomplizierter und viel effektiver“, schwärmt Kapust, und auch seine Chefin strahlt zufrieden inmitten der regen Betriebsamkeit, die ein Abend in einer Backstube so mit sich bringt. „Ich ziehe den Hut vor jedem Mitarbeiter. Alles hat hervorragend geklappt, jeder hat mitgezogen“, freut sich Heike Brinkhege. Sie spricht vom Umzug, der bereits vor einigen Monaten fast unbemerkt über die Bühne ging. Die gesamte Produktion wurde in den neuen Hauptsitz der Firma nach Natbergen verlegt. „Ohne auch nur einen Tag beim Backen auszusetzen“, ergänzt die Geschäftsführerin. In 16 Stunden war alles erledigt. Jetzt zog auch die Verwaltung in das neue Firmendomizil. Es fehlt noch die Eröffnung des Brinkhege-Cafés. „Priorität hatte erst einmal der Umzug in die neue Backstube und der Verwaltung. Das Fachgeschäft wird irgendwann im Frühjahr 2015 eröffnet“, berichtet Heike Brinkhege.

Feuertaufe am Umzugstag

Dass der Umzug des Betriebes so gut gelaufen ist, liegt für Valentin Kapust an der Vorbereitung des gesamten Teams und an der neuen Backtechnik, die direkt eingebaut wurde. Bevor in Natbergen die Brötchen gebacken wurden, gab es Probeläufe. Jeder Mitarbeiter habe vorher mindestens einmal in der neuen Halle gearbeitet.

Die Feuertaufe hat die Backstube Brinkhege mit dem Umzug also hinter sich. Selbstverständlich ist es zu den Festtagen wieder hektisch zugegangen. Besonders in der Nacht vor Silvester hieß es in der ca. 5000 Quadratmeter großen Produktionshalle „Land unter“. Silvester ist für die Bäckerei der umsatzstärkste Tag des Jahres, noch vor Heiligabend. Brot, Baguette, Brötchen, Giovannis und Miguels – so heißen die Spezialitäten für Grill und Raclette – und natürlich die Berliner laufen an diesem Tag wie geschmiert. Rund 1000 Berliner kommen dann in jeder Stunde aus der Berlinerpfanne, berichtet Valentin Kapust.

Natürlich sind dann alle Bäcker, Konditoren und Helfer in drei Schichten an Bord. Nicht anders als an jedem Freitag. Die überdurchschnittliche Produktion an diesen Festtagen wird ausgeglichen, indem zeitlich unabhängige Backwaren heruntergefahren werden. Außerdem wird immer so lange gearbeitet, bis alles fertig ist. Mit dem pünktlichen Feierabend an diesen Tagen nimmt es niemand bei Brinkhege so genau. Gearbeitet wird rund um die Uhr im neuen Firmensitz, nur Samstag- und Sonntagnachmittag ist Ruhe.

Es ist 16.30 Uhr, die Mitarbeiter der Teigmacherei kommen. Das Getreide für die Vollkornbrote wird eingeweicht, die verschiedenen Teige für Brot und Brötchen werden zubereitet. 130 Kilogramm Mehl fasst eine Maschine. Das ergibt ca. 220 Kilogramm fertigen Teig pro Teigkessel. 30 unterschiedliche Brote und 30 Brötchensorten produziert die Bäckerei täglich. Kreativität ist in der Backstube gefragt, viele bringen ihre Ideen ein.

Es versteht sich, dass sich Heike Brinkhege und Valentin Kapust bei Rezepturen nicht gern in die Karten gucken lassen. Genauer nachfragen lohnt nicht, denn richtige Bäcker behalten ihre Rezeptgeheimnisse für sich. Nur so viel lässt sich Heike Brinkhege entlocken: „Etwa fünf Tonnen Mehl verbacken wir täglich, und das kommt aus einer Mühle, die nach unseren Qualitätsansprüchen konstant liefern kann. Ein hochwertiges Mehl ist die Grundlage für unsere Backwaren.“

Es ist 21.30 Uhr. „Klaus“ ist auf Betriebstemperatur. Detlef Lange und Andreas Scheerer legen sich mächtig ins Zeug, sie arbeiten konzentriert und zügig. „Jetzt ist Klaus voll“, sagt Bäcker Detlef Lange. „Klaus“ ist der neue Hauptofen, „Klaus“ backt auf zwölf Etagen und hat eine reine Backfläche von 60 Quadratmetern. Jede Etage wird befüllt und dann nach oben zum Backvorgang befördert. Klaus wurde nach Heike Brinkheges Vater benannt. Er starb 1993, ein Jahr nachdem er die erste Brinkhege-Filiale in Schledehausen eröffnet hatte.

Überhaupt hat alles einen Namen in der neuen Produktionsstätte. Neben „Klaus“ glühen „Theo“ und „Berthold“. Theodor Brinkhege gründete 1929 die Bäckerei in Borgloh und Berthold Vogelpohl, der langjährige Mitarbeiter, steht selbst fünf Meter weiter an der Brotaufmachanlage, wo das Weißbrot seine Form erhält. Wenn die Mitarbeiter Pause machen, treffen sie sich natürlich in der VIP-Lounge. Diese wurde für das Team eingerichtet, und dieser Bereich sei besonders wichtig, unterstreicht Heike Brinkhege.

22.30 Uhr: Die ersten Brinkis kommen vom Teigband und direkt ins Kühlhaus. Diese Brötchen sind keine normalen, darauf legt Heike Brinkhege Wert. Brinkis waren das Einzige, was während des Umzuges nicht lief. Brinkis werden nämlich in den Brinkhege-Fachgeschäften noch bis zum späten Abend frisch gebacken. Das heißt, sie brauchen eine bestimmte Teigstabilität, die beim Umzug nicht gegeben war. Stattdessen gab es Umzugsbrötchen. Mehr als 95 Prozent aller Brötchen verlassen als Teigling die Backstube, sie werden in den Fachgeschäften fertig gebacken und sind deshalb auch noch abends ofenfrisch.

23.30 Uhr: Die ersten Bauernstuten stehen bereits an der Verladung, sie gehen nach Bad Iburg. Versandleiter Hans-Jürgen Toeffling hat seinen Dienst begonnen. Seit 40 Jahren gehört er zu Brinkhege. Ab 3 Uhr werden die Backwaren verladen, acht Lkw sind dann im Dauereinsatz. Nach und nach beliefern sie die 40 Fachgeschäfte. Ab 4.30 Uhr wird dort frisch gebacken. „Um 9 Uhr sind die meisten Lkw zurück“, sagt Toeffling, und wenn nicht, wird noch bis zum letzten Krümel ausgeliefert. Kurz vor Mitternacht hält der Hochbetrieb die Konditorei auf Trab. Frankfurter Cremeschnitte, Bratapfel-, Schwarzwälder Kirschtorten und andere Sünden füllen das Kühlhaus. Während sich Konditormeister Carl Frerker eine 30- Liter-Schüssel mit Buttercreme vor die Brust nimmt, zaubert Katrin Lange die fünfte üppige Walnusstorte des Abends. Um 5 Uhr kommen die Feinbäcker. Butterstollen, Spekulatius, Zimtsterne, Mandelgebäck und anderes sind dran.

Dynamik

13 Uhr: Die riesigen Teigkessel sind leer. Die Bäcker der Spätschicht gehen in den Endspurt, sie säubern die riesigen Behälter. Die Reinigungsgruppe rückt an, damit alles blitzsauber ist, wenn die Teigmacher um 16.30 Uhr ihre Frühschicht beginnen.

Derweil sitzt Heike Brinkhege in ihrem Büro des neuen Verwaltungsgebäudes. „Es gehört schon ziemlich viel Mut dazu, so etwas durchzuziehen, aber alles ist gut so“, fasst die Konditormeisterin, Handelsbetriebswirtin und Geschäftsführerin den Arbeitsmarathon der letzten drei Jahre zusammen. So quirlig und dynamisch wie die Chefin nach einem langen Arbeitstag präsentiert sich alles innerhalb und außerhalb der 6000 Quadratmeter großen Schaltzentrale für 450 Mitarbeiter. Heike Brinkhege liebt die Kontraste, die weibliche Hand bei der Gestaltung der Einrichtung und im Brinkhege-Klima sind nicht zu übersehen und spürbar. Viel Grün wurde gepflanzt, viel Helligkeit, dunkelgrau und noch mehr Brinkhege-rot drinnen und draußen, der Firmensitz wurde zum Natberger Farbtupfer. „Wenn Blondinen bauen, wird es meistens bunt“, sagt Heike Brinkhege scherzhaft.


Weitere Firmenporträts der Region
Was soll angezeigt werden?
current-position

0 Kommentare