Herr Wiechmanns letzte Tour Wissingener Schulkinder verabschieden ihren Busfahrer

Die letzte Stunde vor den Weihnachtsferien bot zwei Überraschungen für die Grundschulkinder in Wissingen: die Verabschiedung von Günter Wiechmann und die Übergabe eines Kettcars, hier zu sehen Guido Halfter, Günter Wiechmann, Martin Süllow, Siegfried Schütze und Wolfgang Simon (von links). Foto: Bärbel Recker-PreuinDie letzte Stunde vor den Weihnachtsferien bot zwei Überraschungen für die Grundschulkinder in Wissingen: die Verabschiedung von Günter Wiechmann und die Übergabe eines Kettcars, hier zu sehen Guido Halfter, Günter Wiechmann, Martin Süllow, Siegfried Schütze und Wolfgang Simon (von links). Foto: Bärbel Recker-Preuin

Bissendorf. Günter Wiechmann dachte an nichts Besonderes, als er wie üblich in den vergangenen Jahrzehnten die Grundschulkinder von der Vorstellung des Weihnachtsmärchens im Osnabrücker Stadttheater sicher nach Wissingen zurückgebracht hatte.

Erst als die Kinder ihn mit Jubel und rhythmischem „Herr Wiechmann“ begrüßten, war die Alltäglichkeit dieses Ausfluges vorbei. Es war die letzte Busfahrt mit Günter Wiechmann am Steuer. Mehr als 40 Jahre hatte er die Kinder zur Schule und zu Ausflügen gefahren.

Alle Kinder und Lehrer wussten Bescheid, dass nach dieser Busfahrt noch eine Ehrung folgen sollte, aber alle schwiegen eisern. Somit war Wiechmann auch mehr als überrascht, als er seinen Bus verließ und in der Aula von vielen Kindern, dem Kollegium, Bürgermeister Guido Halfter und den Vertretern der Verkehrswacht empfangen wurde. Seit mehr als 40 Jahren ist Wiechmann im Schulbusverkehr in der Gemeinde Bissendorf und bei vielen Sonderfahrten unterwegs. Auch die jährliche Fahrt zum Weihnachtsmärchen vor den Ferien gehört zu seinem Programm. Jetzt beendete der 82-Jährige mit dieser Fahrt seine aktive – und unfallfreie – Berufstätigkeit als Busfahrer und -unternehmer.

„Dieser Mann ist der Grund, weshalb ich Bürgermeister werden konnte“, erläuterte Halfter den Kindern. Auch er habe täglich im Schulbus von Wiechmann gesessen und dabei von dem Busfahrer gelernt, dass man sich beim Einstieg ohne Drängeln anstellen, möglichst still im Bus sitzen und mit dem Eigentum anderer sorgfältig umgehen muss. „Günter Wiechmann hat mich erzogen“, so Halfter. Ein herzliches Dankeschön für die sichere Fahrt mit den Benimmeinheiten sagten Schulleiter Martin Süllow und Wolfgang Simon, Vorsitzender der Verkehrswacht Bissendorf.

Weil Wiechmam nicht gern im Mittelpunkt steht und diese Ehrung eigentlich gar nicht wollte, verband die Verkehrswacht die Stunde mit einem weiteren Anlass, der Übergabe eines Kettcars an die Grundschule. Schule muss genauso mobil wie Günter Wiechmann bleiben, meinte Wolfgang Simon, als er und Siegfried Schütze das stabile Vierrad für Martin Süllow für die Nachmittagsbetreuung übergab.

Wiechmann übernahm 1972 das Busunternehmen, das sein Vater 1931 in Wissingen gegründet hatte. Der gelernte Kfz-Elektriker machte 1954 seinen Busführerschein und ist seitdem im Einsatz. Jetzt ist Schluss, und der Bus wird verkauft, verriet Wiechmann nach der Aulastunde. Als ehrenamtlicher Helfer wird er der Grundschule Wissingen weiterhin zur Verfügung stehen. Selbstverständlich werde er jetzt häufiger – zu Fuß – vorbeikommen und die Aulastunden und Schulveranstaltungen besuchen.


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