Traditionelles aus Brot und Brühe Schledehauser Landfrauen empfehlen Stutensoppen

Gemüse, Brot und Fleisch ergibt die Stutensoppen, das Traditionsgericht vieler Familien rund um Wissingen zu Heiligabend. Die Probe machten Margret Lahmann-Lammert, Almut Detert und Ilse Schwarz. Foto: Bärbel Recker-PreuinGemüse, Brot und Fleisch ergibt die Stutensoppen, das Traditionsgericht vieler Familien rund um Wissingen zu Heiligabend. Die Probe machten Margret Lahmann-Lammert, Almut Detert und Ilse Schwarz. Foto: Bärbel Recker-Preuin

Bissendorf. Für Ilse Schwarz stellt sich nie die Frage, was es am Heiligen Abend zu essen gibt: Stutensoppen, so wie immer, seit 84 Jahren kennt sie nichts anderes, kein Heilig Abend ohne Stutensoppen. Dieses Gericht aus Weißbrot, einer kräftigen Rinderbrühe und viel Gemüse ist das Traditionsgericht für viele Familien in der Region Osnabrück.

Almut Detert, Vorsitzende der Kreisarbeitsgemeinschaft der Landfrauen Osnabrück, hat zum Probekochen eingeladen. Zwei Damen kommen an ihre Töpfe, die sich mit der Zubereitung des alten Traditionsgerichtes wahrlich auskennen: die Wissingerin Ilse Schwarz und die Astruperin Margret Lahmann-Lammert. In beiden Familien nimmt man für eine gute, hausgemachte Stutensoppen einiges auf sich. 40 Jahre ihres Lebens wohnte Ilse Schwarz in Bünde. Der Besuch in ihrem Wissinger Elternhaus an Heiligabend war zu dieser Zeit ebenso selbstverständlich wie die Stutensoppen. Die Fleischbrühe habe sie stets in Bünde vorgekocht und dann vorsichtig nach Wissingen transportiert. „Einmal gab es keine Stutensoppen, es war ein sehr trauriges Weihnachtsfest“, erzählt die 84-Jährige. In dem Jahr war sie krank und habe in Bünde bleiben müssen. Heiligabend und Stutensoppen fielen aus.

Auch im Hause Lahmann-Lammert kommt seit Generationen am Heiligen Abend und manchmal auch zu Silvester nichts anderes als Stutensoppen auf den Tisch. „Allerdings ist Stutensoppen nicht jedermanns Sache. Schwiegertöchter und Schwiegersöhne sind nicht immer davon angetan“, weiß Margret Lahmann-Lammert aus eigener Erfahrung. Aber wenn ihre Kinder an den Festtagen zu Besuch kommen, erhalten sie den gewünschten Nachschlag vom Heiligen Abend, dann aufgewärmt in der Pfanne.

Schon vor zwei Wochen kaufte Margret Lahmann-Lammert die erste Zutat für die Weihnachtssuppe: ein großes rundes Weißbrot. Bis zum Morgen des Heiligabend trocknet es nun. Dann schneidet sie das Brot in Würfel und füllt es in eine große Suppenschüssel. Ein ordentliches durchwachsenes Stück Suppenfleich (Quer- oder Hochrippe oder eine Beinscheibe) wird – wegen der kräftigeren Brühe – in kaltes Wasser gelegt und mit reichlich Suppengemüse langsam gekocht. Für die Köchin ist das die Zeit für die letzten Weihnachtsvorbereitungen. Kurz vor dem Essen am Abend wird die kräftige Brühe durch ein Sieb gelassen und dann langsam über die Brotwürfel gegossen. „Richtig trockenes Brot saugt die Brühe besser auf“, erläutern die beiden Stutensoppen-Köchinnen. Das macht eine gute Stutensoppen aus, sie ist eher Püree als Suppe. Obendrauf kommt dann nach Geschmack etwas Pfeffer, dann das in mundgerechte Stücke geschnittene Suppenfleisch und Scheiben von geräucherter und frischer Mettwurst, die vorher separat gekocht wurde. Wenn sich das Essen wegen einer üppigen Bescherung verzögern sollte, kann die Suppe im Backofen warm gehalten werden. Wer möchte, garniert das Ganze noch mit gerösteten Zwiebeln.

Auch der krönende Abschluss nach dieser sättigenden Suppe ist bei den Schwarz’ und den Lahmann-Lammerts ein Ritual. Ilse Schwarz serviert danach Kaffee und Stollen, bei Walter und Margret Lahmann-Lammert gibt es zur Suppe ein Glas Wein und dann meistens Quarkspeise mit Himbeeren. Weihnachten ist erst, wenn der Duft von Stutensoppen durchs Haus zieht, versichern die beiden Köchinnen.

Und warum ist ausgerechnet dieses Gericht seit Generationen beliebt? Almut Detert antwortet: Auf den Bauernhöfen wurde zur Winterzeit geschlachtet, gutes Suppenfleisch war also vorhanden. Weißbrot, also hellen Stuten, gab es nur sonntags und an hohen Festtagen. Außerdem lässt sich die Suppe gut vorbereiten, sie köchelt von allein und verlangt am Abend vor der Bescherung kaum Küchenarbeit. Alles zusammen mit Geschmack, Liebe und weihnachtlicher Vorfreude gekocht, ergibt dann die Stutensoppen.

Das Rezept (Mengenangaben für sechs Personen):

1,3 kg Suppenfleisch mit 3 Litern Wasser und Salz zum Kochen bringen.

Den sich bildenden Schaum immer wieder abschöpfen.

500 g Suppengemüse (Sellerie, Lauch, Möhren, Zwiebel) waschen und in die Brühe geben. Alles bei geschlossenem Deckel 2,5 Stunden köcheln lassen. Das Fleisch sollte immer mit Wasser bedeckt sein. Nach dem Ende der Garzeit die Brühe durch ein feines Sieb gießen und abschmecken. Das Fleisch in Würfel schneiden.

6 bis 8 Mettenden (frisch, geräuchert oder beides) separat 20 Minuten in einem Topf kochen.

750 g Zwiebeln häuten und in feine Ringe schneiden.

3 Esslöffel Butterschmalz in einer Pfanne erhitzen und die Zwiebeln darin mit etwas Salz bräunen.

1 kg trockenes Weißbrot in Würfel schneiden und in eine Suppenschüssel geben. Die heiße Brühe gleichmäßig darüber verteilen und durchziehen lassen. Dann die Fleischstücke, Wurstscheiben und die gerösteten Zwiebeln darauf geben. Fleisch, Wurst und Zwiebeln können auch – je nach Geschmack – separat zur Suppe gereicht werden.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN