Theaterpädagogische Werkstatt Eltern-Kind-Konflikte in Schledehausen lösen

Von Johanna Kollorz

Konfliktsituationen des Erziehungsalltags stellen Georg Johann und Susanne Gorgs in Schledehausen spielerisch dar – inklusive meist einfacher Lösungen. Foto: Johanna KollorzKonfliktsituationen des Erziehungsalltags stellen Georg Johann und Susanne Gorgs in Schledehausen spielerisch dar – inklusive meist einfacher Lösungen. Foto: Johanna Kollorz

Bissendorf. Jeder, der kleine Kinder hat, kennt solche Situationen: Luisa bekommt beim Abholen aus dem Kindergarten einen Wutanfall, Leo quengelt im Supermarkt, bis es etwas Süßes gibt, Max möchte am liebsten im Kleid zur Kita, und Lasse sträubt sich, sein Zimmer aufzuräumen. Um aufzuzeigen, wie man klassische Eltern-Kind-Konflikte ohne großes Theater lösen kann, hat der Arbeitskreis Familienbündnis im Präventionsrat der Gemeinde Bissendorf zur Aufführung „Eltern sein – ein Kinderspiel?“ eingeladen.

Präsentiert werden die Szenen von der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück. Auf Initiative des Arbeitskreises „Familienbündnis“ unter der Leitung der Gleichstellungsbeauftragten Angelika Rothe sind die Schauspieler Susanne Gorgs und Georg Johann ins evangelische Gemeindehaus Schledehausen gekommen.

„Ziel der Aufführung ist es, Eltern mal andere Hilfen zu geben als die üblichen Erziehungsratgeber. Es geht um die Alltagsfallen, die auch wir Pädagogen kennen – darum, Kinder ernst zu nehmen, ohne ein Programm durchzuspielen, das hinterher sowieso nicht funktioniert“, schildert Silvia Reiner, Leiterin der Kita Schelenburg.

Kurz darauf ermutigten die Darsteller die anwesenden Eltern, auf Zetteln den Satz „Erziehung ist…“ zu vervollständigen. Die Ergebnisse der anonymen Umfragereichen von „harte Arbeit“ bis „überflüssig“.

Um anschließend in Theaterszenen mögliche Wege aufzuzeigen, wie Eltern und Kinder (mit meist überraschend einfachen Mitteln) erfolgreich miteinander kommunizieren können, werden die Szenen mehrfach gespielt – mit völlig unterschiedlichen Ergebnissen: Während etwa Luisas lautstarker und tränenreicher Einsatz im ersten Beispiel zum Einknicken des Vaters und einer Absage des ihm so wichtigen Yoga-Kurses führt, gehen im zweiten Fall Vater und Tochter als Gewinner aus dem Konflikt hervor. „Das kenn ich schon. Wenn Papa so mit mir spricht, gibt’s nichts zu verhandeln“, kommentiert die einsichtige Tochterdie Szene mit Happy End.

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Dass neben verbindlichen Regeln auch verrückte Reaktionen der Erziehenden manchem Konflikt die Schärfe nehmen kann, das körperliche Gewalt heute nicht mehr aus Überzeugung, oft aber noch aus Überforderung erfolgt, das kurze, ungeteilte Aufmerksamkeit viel wertvoller ist, als stundenlanges Nebeneinanderhocken ohne wirklich zuzuhören und das das Begrüßungsküsschen der Oma nur dann schön ist, wenn er aus freien Stücken erfolgt, beweisen die folgenden Szenen.Nach anderthalb Stunden schließt der unterhaltsame Abend mit einem Plädoyer: „Eure Kinder brauchen keine perfekten Eltern, sondern liebevolle Mütter und Väter, die an ihren Aufgaben wachsen, ihrer Intuition vertrauen und mit Sicherheit an der Seite ihrer Söhne und Töchter bleiben.“

Nach der Wiedergabe eines Textes des Neurobiologen Gerald Hüther, der die Eltern zu einer kleinen mentalen Reise zu Erinnerungen an erste Augenblicke mit ihren Kindern einlädt, bringt es eine Mutter auf den Punkt: „Einfach mal reseten und die eigenen Bedürfnisse nicht ganz vergessen.“

Am Mittwoch, 14. Januar, 20 Uhr, gibt eine weitere Aufführung der Theaterpädagogischen Werkstatt hilfreiche Impulse für den Erziehungsalltag. Dann dreht sich im Familienzentrum Wissingen ab 20 Uhr alles um mögliche Wege für weniger „Theater“ bei der Kindererziehung.