Bissendorfer Vogelparadies An der Hiddinghauser Mühle werden Gänse gemästet

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Sebastian Lange umhegt seine Gänse: An der Hiddinghauser Mühle finden sie ideale Lebensbedingungen. Foto: Stefanie PreuinSebastian Lange umhegt seine Gänse: An der Hiddinghauser Mühle finden sie ideale Lebensbedingungen. Foto: Stefanie Preuin

Bissendorf. Ein gemächlich fließender Bach eingerahmt von grünen Wiesen, auf denen watschelnd Gänse und Enten Futter suchen – und finden. Nicht nur frische Sprossen, sondern auch alles, was den Boden als Lebensraum schätzt. Das Federvieh von Sebastian Lange hat den Himmel auf Erden, allerdings nur rund sechs Monate.

Der 31-Jährige betreibt auf dem elterlichen Anwesen im Nebenerwerb einen kleinen Tierhof, der weitgehend Stammkunden beliefert. Gerade jetzt sind Gänse und Enten gefragt. Doch vom großen Boom nach Martins- oder Weihnachtsgänsen spürt Lange wenig. Vielleicht, sinniert er, liegt es an den vielen Importen, die zu Preisen in den Handel kommen, für die Gänse in Deutschland nicht bis zur Schlachtreife gefüttert werden können.

Acht seiner 18 Hektar liegen direkt um den Hof, der Hiddinghauser Mühle, in der schon seit 1417 Getreide gemahlen und so zum wertvollen Nahrungsmittel für Mensch und Tier veredelt wurde. Doch mittlerweile ist der alten Mühle das Wasser abgegraben worden. Einem Tiefbrunnen am Oberlauf ordnet Lange die Tatsache zu, dass der Hiddinghauser Bach an trockenen Tagen nur noch ein Rinnsal ist. Seine Gänse und Enten stört das nicht. Mit ihren Schnäbeln seihen sie durch den morastigen Grund, immer auf der Suche nach ein paar Leckerbissen, zu denen sie am Ende selber werden.

Martins- und Weihnachtsgänse haben ihren Ursprung im christlichen Jahresverlauf. Am 11. November labten sich die Menschen am Tag vor Beginn der 40-tägigen Fastenzeit vor Weihnachten, erst Weihnachten erlaubte ihnen ihr Glaube wieder eine Völlerei. Da bot sich das Federvieh schnell an.

Sebastian Lange mästet sein Federvieh, wie es eh und je gemacht wurde. Im Mai kommen beispielsweise die 21 Tage alten Küken der Flugenten ins Gehege, das sie erst verlassen, wenn der weiche Flaum dem robusten Federkleid weicht. Dann steht ihnen auch das 3000 Quadratmeter Außengehege offen, das sich Flugenten mit den Gänsen und Stockenten teilen. Die Gänseküken sind 7 bis 14 Tage alt, wenn sie aus der Brüterei zur Hiddinghauser Mühle umziehen. Für diese Wollknäuel hat Lange einen besonderen Hirten gefunden – sein 14-jähriger Ganter passt auf den Nachwuchs auf.

Die Eier der eigenen Geflügelherde auszubrüten hat Lange versucht, aber schnell wieder gelassen: „Zu viel Arbeit und Zeitaufwand für mich“, sagt der Nebenerwerbslandwirt. Dafür sorgt er auf zwei Hektar Anbaufläche für Hafer und Weizen, die er als Futtergetreide für seine Gänse und Enten anbaut. Das Veterinäramt des Landkreises hat bestätigt, dass Langes Geflügel artgerecht gehalten wird. Dazu trägt auch das Wiesengehege mit Bachlauf, Sandstreifen, Schilfbewuchs, Sonnendach, Hütten und Büschen bei. Geschlachtet und küchenfertig portioniert werden die Tiere in einem Fachbetrieb in Bad Laer.

Schon bei der Bestellung der Jungtiere orientiert sich Lange an den Wünschen der Stammkunden. Dennoch gibt es Jahre, in denen er nicht alle Kunden zufriedenstellen kann. „In einem Jahr haben Füchse 32 Enten geholt“, erklärt der Geflügelmäster, der auch Jäger ist. Mit einigen Kollegen hat er sich dann auf die Lauer gelegt. Sie glaubten ihren Augen nicht zu trauen, als sie mit dem Nachtsichtglas sahen, wie sich gleichzeitig zehn Füchse ans Gehege schlichen.

Zur Hiddinghauser Mühle gehören auch 300 freilaufende Hühner, eine Hähnchenmast, elf Mutterkühe mit ihren Kälbchen und acht Limousin-Rinder, ein Pferd, zwei Hunde und zwei Kaninchen (zum Streicheln).

Für Sebastian Lange ist nicht alles Nebenerwerb, sondern auch Hobby, das seiner Familie auch Freude bringen soll.


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