Erinnerung an Kriegsopfer Bissendorfer Straßenname „Lindenhöhe“ hat Ursprung in der Gedenkkultur

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Dieses Bild der stattlichen alten Linde auf dem Kamm des Achelrieder Berges entstand 1905. Foto: Archiv SchröderDieses Bild der stattlichen alten Linde auf dem Kamm des Achelrieder Berges entstand 1905. Foto: Archiv Schröder

Bissendorf. An der Wissinger Straße 30, auf dem Kamm des Achelrieder Berges, sorgt seit knapp einem Jahr das amerikanisch-mexikanische Restaurant „Route 68“ für neues Leben. Dass es hier einst ein weit über die Grenzen der Gemeinde bekanntes altes Anwesen namens „Lindenhöhe“ gab, davon zeugt heute nur noch der Straßenname.

„An der Lindenhöhe“ ist auf dem Straßenschild zu lesen, das neben dem heutigen „Route 68“ in unmittelbarer Nachbarschaft zum Friedhof und zur evangelischen Kirchengemeinde Achelriede steht. Der Weg zwischen Parkplatz und Lokal endet in einer Sackgasse und führt zu drei alten Achelrieder Anwesen und einem Neubau. Zusammen mit dem Gasthaus Lindenhöhe und dem später erwähnten Anwesen Löhr waren diese drei bis zum Bau der ersten Kirche die einzigen Häuser in Achelriede.

Das denkmalgeschützte Gebäude der Gaststätte trug einst die Hausnummer 35 und war ursprünglich ein Fachwerkhaus mit Dielentoren zur Straßenseite. Wie früher auf dem Lande oft üblich, befand sich im Haus auch schon eine Gastwirtschaft.

„Ende des 19ten Jahrhunderts heiratete der Bildhauer Franz Ehlert die Erbin des Anwesens. Nachdem im Jahre 1903 das alte Fachwerkhaus des Nachbarn Löhr abgebrannt war und dort ein massiver Neubau entstand, brannte am 1. März 1904 auch das Fachwerkhaus der Familie Ehlert ab. Danach entstand das jetzige Gebäude, welches zuerst jedoch nur auf der linken Seite zweistöckig war. In dem neuen Nebengebäude befanden sich Stallungen und die Bildhauerei. Um 1900 war der Wald oberhalb des Anwesens abgeholzt, und nur die einsam und allein auf dem Kamm des Berges stehende alte Linde war weithin zu sehen. Jetzt bekam der Neubau den Namen ,Zur Lindenhöhe‘“, schreibt Karl-Heinz Schröder in Ausgabe 27 des „De Bistruper“ – eine Broschüre des Heimat- und Wandervereins Bissendorf.

Weiter schreibt der Heimatforscher, der selbst unweit des besagten alten Anwesens wohnt: „Die Familie Ehlert hatte keinen männlichen Nachkommen, und die Erbin heiratete Gustav Berger. Aus dieser Ehe ging nur ein Mädchen hervor, welches schon vor ihren Eltern verstarb. Nach dem Tod der Eltern fiel das Anwesen an einen Neffen von Gustav Berger. Nachdem mehrere Pächter ihr Glück in dem Haus versucht hatten, wurde das Anwesen an Thomas Gerke verkauft, der es jetzt, im Jahre 2012, auch wieder verkauft hat.“

Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges haben die Bewohner von Bissendorf auf dem höchsten Punkt des Achelrieder Berges eine Linde gepflanzt. Dieser Baum diente zum Gedenken an die Schrecken und Opfer des langen Krieges und drückte die Dankbarkeit der Bevölkerung über sein Ende aus. Auch nach dem Ende des Ersten und Zweiten Weltkriegs blieb die Anhöhe am Achelrieder Berg ein Ort der Mahnung und Erinnerung.

„Als es in Bissendorf noch Gesangvereine gab, wurde am frühen Morgen des Ersten Pfingsttages im Schatten dieser Linde gesungen. Anschließend gab es Kaffee und Platenkuchen. Diese Tradition setzt der Achelrieder Posaunenchor fort, und zurzeit wird ja noch am Volkstrauertag an dieser alten Gedenkstätte der Opfer der vergangenen Kriege gedacht“, schreibt Karl-Heinz-Schröder im aktuellen „De Bistruper“, Ausgabe Nummer 30. In seinem Bericht weist der Heimatforscher auf eine Lithografie hin, die vor 1900 entstanden ist und die alte Linde, die noch heute auf einer Anhöhe hinter dem Gasthaus steht, gen Bissendorf blickend mit feiernden Menschen zeigt.


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