Drache trifft auf Regenbogen Das alte Rathaus in Bissendorf wird zum Kunstobjekt


ahi/pm Bissendorf. Erst im September ist sie gestartet, die Kunstaktion „BuntBissBirne“. Aber der Blick durch das Gerüst am alten Rathaus lässt schon erkennen, wie farbenfroh Giebel und Wände des Gebäudes gestaltet werden.

Bis nach dem Umzug der Gemeindeverwaltung in den Neubau Mitte kommenden Jahres der Abrissbagger kommt, können Künstler, Schüler und alle, die sich berufen fühlen, hier den Pinsel schwingen. Einzige Bedingung: Sie sollten sich bei Fachdienstleiterin Martina Storck melden, damit sie ihr eigenes Rathausstück zum Bemalen bekommen und die Einzelkunstwerke zwecks besserer Wirkung koordiniert werden.

Die Idee zu dem ungewöhnlichen Projekt entstand laut Storck im Frühsommer in einem Gespräch mit der Kunstlehrerin und didaktischen Leiterin der Oberschule am Sonnensee, Holle Brandolini, und Bürgermeister Guido Halfter. Schüler der 6., 9. und 10. Klassen der Oberschule, Künstler aus dem Wohnheim Achelriede der Heilpädgogischen Hilfe Osnabrück und des Kulturvereins Bissendorf (Kubiss) starteten die Aktion. Auch die Gemeindejugendpflege ist mit im Boot. Und das Projekt zieht Kreise: „Eine Lehrerin der Grundschule Schledehausen hat sich gemeldet und gefragt, ob sie und ihre Schüler auch mitmachen können“, freut sich Martina Storck.

Zurzeit sind einige Mitglieder des Kubiss dabei, den Ostgiebel des Rathauses zu bemalen. Kerstin Willing, eine der Künstlerinnen, erklärt die bisherige Gestaltung: „Die Basis bildet der Rasen und die Blumen rund um das Rathaus. Das soll zeigen, dass das Haus aus dem Boden gewachsen ist. Die Blumen, die von Angelika Rothe gemalt wurden, standen vor Kurzem noch ganz real hier im Garten.“

Im Mittelteil sind zwei Menschengruppen zu sehen. Die linke stammt von Karin Bergmann. Rechts hat Karin Lenser eine Gruppe von Menschen aufgemalt. Ein Regenbogen, ebenfalls von Karin Lenser, zieht sich an der Außenkante nach oben gen Himmel. Er soll den Ablauf der Zeit symbolisieren, gleichzeitig steht er für das Neue – die Zukunft.

Ein guter Drache

Oben, in der Spitze, trifft der Regenbogen auf den Drachen, der von Kerstin Willing entworfen wurde. „Dieser Drache ist ein guter Drache“, betont Willing. Einerseits krallt das Fabeltier sich am alten Gemäuer fest, andererseits frisst es die Wand an und vernichtet sie.

Die Künstlerinnen werden die Motive in den nächsten Wochen weiter verändern, sodass nach und nach ein Gesamtkunstwerk entsteht. Kerstin Willing lobt dabei besonders das gute und sichere Gerüst: „Ich arbeite inzwischen auf der obersten Planke. Das Gerüst steht sicher und wackelt nicht. Ich komme bequem mit der Leiter bis ganz oben zum First.“

Die Seitenwände sind den Künstlern mit Behinderungen vorbehalten, die andere Giebelwand der Jugendpflege und den Schülern der Oberschule am Sonnensee. Sie können dort möglichst fantasievolle Graffitis sprühen. Auch einige Mädchen aus Bissendorf sowie der Bürgermeister selbst, so berichtet Kubiss-Vorsitzende Angelika Rothe, wollen ein Stückchen Wand gestalten – zwar unter künstlerischer Anleitung, aber unabhängig von Schule oder Jugendpfleger.

Von Dauer ist das Kunstobjekt altes Rathaus zwar nicht. Aber bis zu seinem Ende bietet es eine einzigartige Projektionsfläche für kreative Ideen. Deren Umsetzung wird wie das gesamte Projekt laut Rothe von der Fotogruppe des Kulturvereins begleitet und so für die Nachwelt festgehalten. „Wir können uns auch eine Fotoausstellung im Rathaus vorstellen“, so Storck. Und die könnte ja durchaus mit umziehen vom alten ins neue Rathaus. Ist alles fertig bemalt, soll nach Rothes Worten ein Abschlussfest steigen. „Ich bin gespannt, wie es dann aussieht“, so die Kubiss-Chefin.