Tagung in Schledehausen Schlechte Stimmung bei den Waldbesitzern trotz guter Preise

Von Bärbel Recker-Preuin

Forstwirte der Waldschutzgenossenschaft Schledehausen fühlen sich durch Naturschutzrichtlinien ausgebremst. Archivfoto:  Ludger JungeblutForstwirte der Waldschutzgenossenschaft Schledehausen fühlen sich durch Naturschutzrichtlinien ausgebremst. Archivfoto: Ludger Jungeblut

Bissendorf. Forstwirte der Waldschutzgenossenschaft Schledehausen fühlen sich durch Naturschutzrichtlinien ausgebremst, bei Förderungen benachteiligt, und sie finden keine Anerkennung ihrer Leistung. Auf der anderen Seite erzielen sie mit ihrem Produkt „Holz“ Rekordeinnahmen. Noch ein Aspekt: Trotz des guten Preises wird viel zu wenig geschlagen. Wie das zusammenpasst, wurde bei der Mitgliederversammlung diskutiert.

Zunächst die gute Seite der heimischen Forstwirtschaft, wie sie in Schledehausen dargestellt wurde: „Die Preise sind sehr auskömmlich,“ fasste Klaus Burke, Geschäftsführer der Nord-West-Holz e.G., zusammen, und er nannte Zahlen: Mit einem Durchschnittspreis aller Holzarten von 67,98 Euro erreichen die Forstwirte zurzeit einen Rekorderlös. Gleichzeitig stehen auch die Holzvorräte auf Höchststand. „Diese Zahlen sprechen für Sie als Forstwirte und den Wald in der Region“, so Burke. Er zeigte sich zuversichtlich, dass das auf Sicht so optimal bleibt oder die Preise sogar noch leicht steigen. Dass zurzeit die Preise leicht sinken, wird bei den Schledehauser Forstwirten sogar aufgefangen. Der Grund dafür ist die neue Geschäftsbeziehung zum Meller Sägewerk Bulthaup, die den Forstwirten wegen der drei- bis vierfachen Abnahmemenge stabile Preise garantiert. Das Schelenburger Sägewerk Brinker hatte vor einigen Wochen den Betrieb eingestellt.

Wenn das Holz gut verkauft werden kann, müsste die Chance zum Gewinn eigentlich genutzt sein. Das Gegenteil ist der Fall. „Der Holzeinschlag verzeichnet gravierende Einbußen“, so Hendrik Pannenborg. Der Bezirksförster ließ seinem Frust darüber freien Lauf. „Ich kann nicht nachvollziehen, dass es zu keinerlei Aktivitäten der Waldbesitzer kommt. Dabei gibt es viel Holz in Beständen, die durchforstet werden müssten. Sie müssen es nur anpacken“, sagte Pannenborg. In Zahlen ausgedrückt: Im Durchschnitt wurden 11000 Festmeter pro Jahr geschlagen, in diesem Jahr sind es in der Bezirksförsterei Bissendorf nur 4700 Festmeter.

Freizeitwege markieren

Kaum ein gutes Haar an der Forstpolitik in Bund und Land ließ Joachim Kellermann von Schele, Vorsitzender der WSG Schledehausen. „Wenn der Bund immer weniger Leistungen erbringt, könne wir nicht im bisherigen Umfang Steuern, Gebühren und Abgaben zahlen – und schon gar nicht mehr als bisher“, so Kellermann von Schele. Kritisch äußerte er sich zur Umsetzung der Energiewende, Stromtrassenbau und der Ausweisung von FFH-Gebieten (Flora- und Fauna-Habitat). Betroffenen Forstwirten empfahl er den Beitritt zum Verein „Kulturlandschaft Osnabrücker Land“. Im Bereich der Bissendorfer Waldgebiete möchte der Vorsitzende, dass Fortwirte vor der Ausweisung von Wanderwegen einbezogen und stark frequentierte Wege wegen der Verkehrssicherungspflicht als Freizeitwege markiert werden.

Uwe Wessel, Forstamtsrat des Forstamtes Weser-Ems, führte die Waldbesitzer durch den Dschungel der Möglichkeiten forstlicher Förderung, der für Waldbesitzer immer schwieriger und enger wird. Mit gemischten Gefühlen sieht auch er die Ausweisungen der FFH-Gebiete. Durch die Verordnungen werde es zu Einschränkungen der Besitzrechte kommen, räumte Wessel ein. Sprich: Liegt der Wald in einem FFH-Gebiet, ist der Forstwirt bei der Bewirtschaftung an die gesetzlichen Vorgaben gebunden.

Inventur im Wald

Beim Thema „Waldinventur“ wurde kritisch hinterfragt, wo und zu welchem Zweck die Daten gespeichert werden, „damit unsere bereitgestellten Daten nicht als politischer Bumerang zurückkommen“.

Johannes Meyer zum Alten Borgloh, Vorstandsmitglied des Waldbesitzerverbandes Niedersachsen, sah die Situation noch angespannter. Er bedauerte politische „Angriffe auf die Forstwirte“, und das Besitzrecht der Forstwirte werde durch die FFH-Maßnahmen stark eingeschränkt. Nicht nur die Drangsalierungen durch die Naturschutzbestimmungen sind für ihn die Krone des schlechten Umgangs, sondern auch die Rücksichtslosigkeit mancher der Mountainbike- und Downhill-Fahrer, die im Waldeigentum Rennschikanen aufbauen und nutzen.

Ehrengast der Versammlung war Rainer Spiering, MdB. Eines seiner Themen war die Höchststrom-Trassenführung. Viele Land- und Forstwirte könnten durch die Trassenführung betroffen sein. Spiering empfahl, „den Netzbetreiber Amprion deutlich stärker in die Pflicht zu nehmen“.