„Eine gute Gemeinschaft“ Almut Detert engagiert sich für die Landfrauen Schledehausen

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Almut Detert
              
              Foto: Recker-PreuinAlmut Detert Foto: Recker-Preuin

Bissendorf. Almut Detert ist seit elf Jahren Vorsitzende des Landfrauenvereins Schledehausen. Von 1993 bis 2010 war sie im Vorstand des niedersächsischen Landfrauenverbandes tätig, und seit 2011 ist sie Vorsitzende der Kreisarbeitsgemeinschaft Osnabrück. Mit ihrem Ortsverein Schledehausen feierte die 59-Jährige aus Wissingen das 65-jährige Bestehen.

Frau Detert, wie viele Landfrauen gehören dem Ortsverein Schledehausen an?

Der Landfrauenverein Schledehausen hat 178 Mitglieder im Alter zwischen 27 und 87 Jahren. Wir freuen uns über sechs bis zehn neue Mitglieder in jedem Jahr. Der Landfrauenverein ist eine Gemeinschaft für Frauen aller Alters- und Berufsgruppen. Nur etwa 30 Prozent unserer Mitglieder haben noch einen landwirtschaftlichen Hintergrund.

Sie sprechen die Altersstruktur an. Gibt es den Landfrauenverein noch in 50 Jahren?

Das hoffe ich sehr, vielleicht gibt es diese Interessenvertretung für Frauen und den ländlichen Raum dann in einer anderen Form. Wir haben ein attraktives Angebot zwischen Bildung und Geselligkeit, das weiterhin den jeweiligen Gegebenheiten und Bedürfnissen angepasst wird. Für jede Frau ist etwa dabei.

Wie sieht das Programm der Landfrauen aus?

Wir bieten etwa 25 bis 30 Veranstaltungen pro Jahr an. Das Spektrum reicht vom Seminar über Neue Medien und Gremienarbeit, über Gesundheitsvorsorge und Ernährung bis zum gemütlichen Kaffeenachmittag mit Vorträgen.

Landfrauenvereine bieten also weit mehr als Kaffeeklatsch?

Der erste Landfrauenverein wurde 1898 mit dem Ziel gegründet, den damaligen Haustöchtern auf dem Lande zu mehr Bildung zu verhelfen. Die Gründerinnen hatten erkannt, dass eine gute Ausbildung für alle Frauen absolut notwendig ist. Außerdem wollten die Landfrauen von damals Verbindungen zwischen der Land- und der Stadtbevölkerung herstellen. An beiden Aufgaben hat sich bis heute nichts geändert. Allerdings muss ich sagen, dass Frauen, die bei uns Mitglied werden, in erster Linie der guten Gemeinschaft und der Geselligkeit wegen zu uns kommen. Das ist auch gut so. Mit der Landfrauenarbeit auf Kreis-, Landes- und Bundesebene sind Netzwerke entstanden, die ein vielseitiges Programm ermöglichen.

Sie sind auch überregional für die Landfrauen tätig. Bringt sich der Verein in öffentliche Diskussionen ein?

Ja, auf vielen Ebenen, und wir haben bereits vieles angestoßen und erreicht. Zum Beispiel die Mütterrente. Wir haben mit groß angelegten Aktionen und Unterschriftenlisten dafür geworben. Wir setzen uns auch vielfältig für die Vermittlung von Alltagskompetenzen ein, z.B. für die Hauswirtschaft. Das Fach wird seit vielen Jahren nicht mehr unterrichtet. Die Defizite sind jetzt spürbar. Deshalb sind wir vor Ort in Kindergärten und Schulen unterwegs, damit Kinder beispielsweise lernen, woher die Milch kommt und wie man sich gesund ernährt. Wir starten Gesundheitskampagnen und machen Frauen fit für die Politik.

Das Logo der Landfrauen ist eine Biene. Was bedeutet das?

Unser Erkennungszeichen, die Biene, ist ein Symbol des Bildungsanspruchs. Kurz nach der Gründung des ersten Landfrauenvereins verkauften die Mitglieder Eier, um mit einem eigenen, kleinen Einkommen unabhängig zu werden. Um diese Eier von anderen unterscheiden zu können, wurden sie mit einem Stempel in Form einer Biene markiert. Übrigens tragen viele Schledehauser und Osnabrücker Landfrauen eine ganz besondere Biene, eine Biene mit Bernstein. Während einer Masurenfahrt zu den befreundeten ermländischen Landfrauen entstand eine solche Variante. Seitdem lassen wir unsere Landfrauen-Bienen in Allenstein aus dunklem Bernstein fertigen.

Frau Detert, Sie leben und arbeiten auf einem landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetrieb, Sie sind engagierte Landfrau in mehreren Ehrenämtern, nebenbei kommen Familie, Mitarbeiter und Haushalt. Wie schafft man das?

Das ist eine Frage der Organisation. Neben dem Arbeitsalltag ergeben sich durch die ehrenamtliche Tätigkeit viele tolle Begebenheiten, die ich nicht missen möchte. Und wenn dann für uns Frauen und den ländlichen Raum etwas dabei erreicht wird, lohnt es sich allemal.

Beim Geburtstag ihres Ortsvereins wurde satirisch dazu aufgefordert, die klischeehafte Landfrauenrolle zu verlassen. Wie ist das bei Ihnen: Tragen Sie lieber Gummistiefel bei der Stallarbeit oder Pumps bei der Arbeit in Leitungsgremien?

Ich brauche beides. Es kommt immer auf die Situation an, was ich gerade zu tun habe.


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