Schmutzprozente mindern Erlös Bissendorfer Landwirt baut auch Zuckerrüben an

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Mit dem Ernteertrag zufrieden: August-Friedrich Laumann ist einer der wenigen Landwirte rund um Osnabrück, die Zuckerrüben anbauen. Foto: Harald PreuinMit dem Ernteertrag zufrieden: August-Friedrich Laumann ist einer der wenigen Landwirte rund um Osnabrück, die Zuckerrüben anbauen. Foto: Harald Preuin

hpr Bissendorf. Ein Haufen Zucker liegt auf dem Acker. August-Friedrich Laumann (49) kann die weiße Raffinade zwar nicht durch seine Finger rieseln lassen, aber immerhin: 425 Tonnen Zuckerrüben hat er in den letzten Tagen von seinem Acker geerntet. Ist das Fruchtfleisch der eher unansehnlichen Rübe erst mal in der Zuckerfabrik Lage gelandet, wird es dort verwandelt. „Kölner Zucker“ im Supermarkt-Regal stammt auch von Anbauflächen im Osnabrücker Land.

Laumann ist allerdings einer der wenigen Landwirte, die regelmäßig Zuckerrüben anbauen. Schon sein Vater hat die Frucht gezogen, als Anbau, Pflege und Ernte noch Knochenarbeit waren. Heutzutage, so der Landwirt, sei die Frucht „voll durchmechanisiert“ – was bedeutet, dass Maschinen das Säen, die Pflege und die Ernte übernehmen. Mit seinem Ein-Mann-Betrieb ist der Zuckerrübenanbau auf fünf Hektar auch nicht zu bewältigen, zumal er auf insgesamt 56 Hektar noch Getreide und Mais anbaut und daneben noch seine 900 Mastplätze versorgen muss.

Die Zuckerrüben baut Laumann nur alle fünf bis sieben Jahre auf demselben Acker an. Als Fruchtfolger haben sich Wintergerste und Winterweizen bewährt. Bei der Ernte der Rüben mit einem großen Zuckerrübenvollernter, der im Hundegang über den Acker fährt, um eine zu hohe Bodenverdichtung zu vermeiden, bleiben die Blätter der Rüben liegen. Sie sind der Dünger für die Fruchtfolger. Sein Vater hat bei der Rübenernte die Blätter noch manuell von der Rübe getrennt. Das Grün war wertvolles Futter für das Milchvieh des Laumannschen Hofes.

Die Ernte rollte in den 50er-Jahren schon in die Zuckerfabrik nach Lage (Lippe), nur neun Kilometer von Detmold entfernt. Den Transport der heimischen Ernte übernahm die Eisenbahn ab Bahnhof Wissingen. Heute wird die Ernte „just-in-time“ angeliefert. Dafür vergibt die Fabrik Termine. An diesem Tag rollen mehr als 20 Lastwagen mit den Zuckerrüben von Laumanns Hof nach Lage. Die Ernte von fünf Hektar wird mithilfe eines Rübenreinigungsladers, auch Lademaus genannt, für den Transport vorbereitet. Wie ein gefräßiges Ungeheuer verleibt sich die Maschine die Früchte ein, dreht und schüttelt sie, um sie von Schmutz und Erde zu befreien, und befördert sie letztlich in die großen Muldenkipper.

August-Friedrich Laumann schaut nach der Ernte intensiv in die Wettervorhersage. Bleibt es trocken, bröselt die Erde beim Rütteln und Schütteln in der Lademaus fein herunter, ist es dagegen feucht, haftet zu viel Boden an den Früchten. Das aber bedeutet Punktabzug für den Landwirt. „Schmutzprozente“ mindern den Ertrag, der sich also nicht allein aus Gewicht und Zuckergehalt ergibt. Die diesjährige Ernte verspricht einen guten Zuckeranteil (fast 17 Prozent) und einen höheren Ernteertrag. 85 Tonnen holt der Zuckerrübenroder von einem Hektar.

Dass der Rübenanbau sich im Osnabrücker Land nicht ausgebreitet hat, liegt nicht etwa an der Bodenbeschaffenheit, die beispielsweise für den Kartoffelanbau ein wichtiges Argument ist. Laumann erklärt es sich einmal mit der früheren schweren Arbeit. Da musste die Saat eingebracht und das Wildkraut Furche für Furche mit einem Häcker niedrig gehalten werden. Ackerpferde zogen den Roder über das Feld, die Rüben, zuvor vom Blattwerk befreit, wurden auf den Ackerwagen geworfen. Heute hilft die Satelliten-Navigation (GPS) beim punktgenauen Auslegen der Saat, und die Ernte erledigt der Zuckerrübenroder. Laumann setzt bei der Pflege neben Pflanzenschutzmitteln auch noch einen mechanischen Häcker ein.

Die Zuckerfabrik in Lage, ein Betrieb des Traditionsunternehmens Pfeifer & Langen aus Köln, wurde 1883 gegründet, erzeugt Raffinade und Weißzucker. Die Rüben-Verarbeitungskapazität beträgt 7500 Tonnen pro Tag. Die 91 Mitarbeiter werden zur Saison, die vom 22. September bis Anfang Januar läuft, aufgestockt, um die anrollende Ernte bewältigen zu können. Der Hersteller nimmt dabei Einfluss auf seine Vertragsanbauer, sonst gäbe es in dem 35000-Einwohner-Ort wohl häufiger ein Verkehrschaos. Er holt die Ware direkt vom Hof.

Landwirt Laumann hält vorerst am Anbau der Zuckerrübe fest. Die Quotierung nach der Europäischen Zuckerverordnung läuft im September 2017 aus. Dann könnten Zuckerimporte die Preise purzeln lassen. Laumann ficht das nicht an: „Ich habe Spaß an der Zuckerrübe.“ Auch weil der Winterweizen, der in diesen Tagen gesät wird, als Fruchtfolger gute Erträge bringt. Zur Vorbereitung der nächsten Zuckerrübenaussaat im nächsten März/April hat Laumann nach der Getreideernte als Zwischenfrucht Phacelia gesät. Die Gründüngungspflanze sorgt für einen höheren Humusgehalt und für eine dichte Durchwurzelung des Bodens, was dessen Struktur verbessert.


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