Erster Pachtvertrag belegt Werpup’sches Haus prägte das Ortsbild

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Bissendorf. Dieser Ort an der Nordwestseite der St.- Dionysius-Kirche war schon immer ein besonderer. Von hier gingen viele wichtige Entscheidungen aus, hier war die Keimzelle der Vorfahren aller Bissendorfer, mittelalterliche Machtzentrale und Stammsitz des Adels. Zurzeit wächst hier mit dem Rathaus eine neue Schaltzentrale in die Höhe. Einen Steinwurf entfernt stand bis vor 43 Jahren das Werpup’sche Haus. Horst Kicker erhielt jetzt den ersten Pachtvertrag für seine Familie aus dem Jahr 1891.

Das Haus Bissendorf und eine Pfarrkirche gibt es seit mehr als 400 Jahren an diesem Platz. Archäologische Ausgrabungen in den letzten Jahren belegten außerdem die Existenz eines weiteren hochherrschaftlichen Gebäudes, das seinen Ursprung bereits vor rund tausend Jahren hatte. „Es wäre schön, wenn an diesem historischen Ort das Werpup’sche Haus noch stehen würde“, meinen Horst Kicker und Manfred Staub. In einer wohl übereilten Aktion war dieses ebenfalls mittelalterliche Haus am Rande der Kirchburg 1971 abgerissen worden, weil man Platz für Neubauten brauchte. Ortshistoriker Manfred Staub teilt dieses Bedauern mit Horst Kicker, der 1939 im Werpup’schen Haus geboren wurde und hier seine Kindheit verbrachte.

Die Archäologen legten auf der Spurensuche des ältesten Gebäudes auch Teile der Grundmauern des Werpup’schen Hauses frei, weitere Nachforschungen ergaben, dass 1891 ein Pachtvertrag für Heinrich Philip Kicker ausgestellt wurde, dem Urgroßvater von Horst Kicker. Damit steht fest, wann die Familie Kicker in das ehemalige Herrenhaus kam. Die stolze Summe von 105 Mark zahlte Heinrich Philip Kicker für die Pacht an die Gutsverwaltung des Stammlegats der Familie von dem Bussche-Hünnefeld.

Das ehemalige Herrenhaus wurde nach der Familie von Werpup benannt. Als Erbauer gilt Johann Adolf von Werpup, der vor oder während des Dreißigjährigen Krieges das dominierende Haus erbaut hatte. Nach 1891 lebten drei Generationen der Familie Kicker im Werpup’schen Haus.

Horst Kicker erinnert sich genau an den mächtigen Gewölbekeller, in dem es immer dunkel, kalt und für die Kinder ungeheuer war. Auch an seine ersten Schwimmzüge im benachbarten Mühlenteich, der „Badeanstalt“. Älteren Bissendorfern ist sein Großvater Heinrich Kicker, Sohn von Heinrich Philip, in Erinnerung. Er ist bekannt als unerschrockener Gegner des Nationalsozialismus während des Zweiten Weltkrieges. Statt „Heil Hitler“ habe sein Großvater mit „Keilt Hilter“ geantwortet und habe sich somit auf gefährliches Eis begeben, weiß Horst Kicker. Er bedauert, dass sein Großvater Heinrich in der Vergangenheit mit einem Friedrich Kicker, einem Gestaposekretär, verwechselt wurde.

Heinrich Kicker wurde nach dem Zweiten Weltkrieg Bürgermeister in Bissendorf. Er bewohnte bis zu seinem Tod 1955 das Werpup’sche Haus. Sein Enkel Horst verließ mit seiner Mutter und Schwester 1944 nach dem Soldatentod des Vaters das Anwesen und zog nach Holte-Sünsbeck.

Vielen Älteren dürfte auch der letzte Pächter des Hauses bekannt sein. Es war Paul Otto, genannt Ottopaul.


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