Das neue Rathaus im Bau Bissendorf baut Chefbüro mit Blick zur Kirche

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Bissendorf. Im künftigen Büro des Bissendorfer Bürgermeisters ist ziemlich viel los. Laut wird gehämmert, gesägt, gebohrt, direkt nebenan wird eine Betonwand gegossen. Handwerker geben den Ton an, ein neues Gerüst wird aufgestellt, die Bautreppe nach oben ergänzt. Amtsinhaber Guido Halfter strahlt, er fühlt sich trotz allen Tumultes äußerst wohl an diesem Ort. „Ungefähr hier wird mein Schreibtisch stehen“, meint Halfter. „Mit Blick auf die Kirche“, ergänzt Architekt Wolfgang Mayer. In einem Jahr wird all das lang ersehnte Realität sein.

An der Baustellenbegehung mit dem Architekten nehmen neben dem Bürgermeister auch Ingo Nagel, Leiter des Fachdienstes Planen und Bauen, und seine Kollegen Christian Schwarz und Ralf Haina teil. Auch sie deuten zielsicher auf einen Bereich des Rohbaus, von dem aus sie ab Mitte 2015 ihre Arbeit für die Gemeinde Bissendorf erledigen werden. Knapp 3,5 Millionen Euro kostet das neue Rathaus.

Alle 33 Verwaltungsmitarbeiter wissen, wo ihr künftiges Büro liegt. Seit Langem steht der Plan. Etwa dreißig Quadratmeter groß ist das Bürgermeisterbüro im ersten Stockwerk, schräg über dem Eingangsbereich. „Inbegriffen ist die Konferenzecke, aber alles ohne Dachschrägen“, bemerkt Halfter.

Der schönste Wohlfühlmoment beim Baustellenrundgang stellt sich bei den vier Verwaltungsmitarbeitern inmitten des künftigen Bürgersaals ein. Im Süden Richtung Kirchplatz und im Norden Richtung Wissinger Straße wird der künftige Saal durch Betonwände mit markanten Spitzgiebeln begrenzt. Zwölf Meter misst in der Höhe eine Giebelwand, ohne Zwischendecke wird es viel Raum nach oben im neuen Sitzungssaal geben. Für Leichtigkeit und Lichtdurchflutung sorgen dann sechsteilige Glasflügel in den Giebelwänden. Zur Seite fällt der Blick ebenfalls ins Freie.

Raum zum Wohlfühlen

Zum markanten Blickfang wird auch das Dach, verspricht Architekt Wolfgang Mayer: Außen mattiertes Zinkblech, innen helle Eiche. Das alles soll ein perfektes Ambientes zum Arbeiten, Planen und viel Gemeinsinn ergeben – eben ein besonderer Raum zum Wohlfühlen, da sind sich Halfter, Nagel, Schwarz und Haina inmitten des unwirtlichen Rohbaus einig. Im Bürgersaal sollen demnächst Ausschuss- und Ratssitzungen und vielerlei Veranstaltungen für bis zu 120 Gäste stattfinden.

Drei Details im neuen Bürgersaal und im Eingangsfoyer, das den Sitzungssaal und das Verwaltungsgebäude verbindet, sind bereits fertig, erläutert Wolfgang Mayer. Das sind die Innenwände, die in ihrer ursprünglichen Beschaffenheit in Sichtbeton unverändert bleiben, außerdem das Bissendorfer Wappen, in Beton gegossen. Ein weiteres Wappen und der Schriftzug „Gemeinde Bissendorf“ sind im Eingangsbereich zu sehen. Den Luxus einer spezial gefertigten Schablone für den Betonguss gönnte man sich gern.

Bei so viel vorgezogenem Wohlgefühl fällt den Verwaltungsmitarbeitern der Gang vom Bürgersaal in den Verwaltungstrakt fast schwer. „Wir errichten zwei unterschiedliche Baukörper, die verbunden sind, sich ergänzen, sie können getrennt oder zusammen genutzt werden“, so Mayer. Bei der Begehung führt der Weg also vom Bürgersaal durch den verbindenden Eingangsbereich in den nach Norden ausgerichteten Verwaltungstrakt.

„Wir mussten mit dem Platz äußerst ökonomisch umgehen“, erläutert Mayer. Sprich: Auf wenig Raum musste viel Platz zum Arbeiten entstehen. Das Stuttgarter Architekturbüro Blocher Blocher Partners entschied sich deshalb für die Planung eines Flurs mit beidseitigen Räumen. Somit können 33 Einzel- und Doppelbüros, außerdem Besprechungs- und Nebenräume eingerichtet werden. Etwa 50 Meter lang ist dieser Gebäudeteil, von „unendlichen“ Fluren ist trotzdem keine Rede. Der Gang wird im Erd- und ersten Obergeschoss von hellen Sitzecken und dem Mitteltreppenhaus unterbrochen. Das derzeitige räumliche Fiasko des alten Rathauses mit Stühlen im engen Flur und den Mini-Büros gehört also in einem Jahr der Vergangenheit an. Auf 1260 Quadratmeter Gesamtnutzfläche wird Bissendorf dann verwaltet. Im Untergeschoss entstehen Parkplätze und Nebenräume.

Das Rathaus sei weit mehr als eine weitere Gemeindeimmobilie, schwärmen die Bauamtsmitarbeiter und der Bürgermeister. Zum Eingang führt auf dem 980 Quadratmeter großen Areal kein Weg, sondern ein terrassierter Bürgergarten. Auf der Südseite wird das Rathaus dem Kirchplatz ein neues Gesicht geben. „Hier wächst zusammen, was zusammengehört: Kirche, Kindergarten und Kommunalverwaltung“, fasst Halfter zusammen.

Und es findet noch eine Verbindung statt, nämlich die zwischen Gegenwart und Zukunft: In gerader Linie zum Bürgersaal verläuft die Verbindungsbrücke in das Haus Bissendorf – historischer Stammsitz der Bissendorfer. Hinter uralten, dicken Mauern ist hier das Trauzimmer und im Dachgeschoss das Heimatmuseum des Heimat- und Wandervereins Bissendorf untergebracht. Wichtigster Aspekt: Das Museum ist künftig nicht mehr über eine steile Treppe, sondern barrierefrei über die Brücke erreichbar.

Richtfest nächste Woche

Noch hat Bürgermeister Halfter in seinem künftigen Büro kein Dach über dem Kopf und auch das Rohbau-Wohlgefühl im Bürgersaal ist nach oben offen. In der nächsten Woche werde sich hier eine Menge verändern, deutet Architekt Mayer an. Die Zimmerer beginnen ihr Werk. Stück für Stück erhält zuerst der Bürgersaal seinen Dachstuhl, etwa zwei Wochen später ist auch der Verwaltungstrakt überdacht. Im Juni nächsten Jahres wird dann Organisationsleiterin Martina Storck die Koordination des Verwaltungsumzugs zu stemmen haben – natürlich so detailliert geplant, dass die Verwaltung an jedem Tag arbeitsfähig bleibt.

Zunächst steht ein Etappenziel auf dem Programm, bei dem der Wohlfühlfaktor nicht zu kurz kommen soll: das Richtfest für den Bürgersaal am 30. September.


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