Duft der Vergangenheit Tag des offenen Denkmals im Haus Bissendorf

Von Stefanie Preuin

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Erika Holtmann besichtigt den Webstuhl in der Heimatstube, Anette Osterheider-Türke erklärt die Technik. Foto: PreuinErika Holtmann besichtigt den Webstuhl in der Heimatstube, Anette Osterheider-Türke erklärt die Technik. Foto: Preuin

Bissendorf. Nachdem man die Stufen zur Heimatstube im Haus Bissendorf erklommen hatte, sahen die Besucher in eine andere Welt. Hunderte Exponate ließen sich auch am Tag des offenen Denkmals bewundern, der heimliche Star war eine Hutschachtel.

Die Goldfarbe ließ sich noch gut erkennen, ein uniformierter Mann steht neben einer gut gekleideten Frau, die Wangen gerötet und um die Figuren herum reichlich Ornamente. Passend zum diesjährigen Motto „Farbe“ stellte Restauratorin Anette Osterheider-Türke eine Hutschachtel in den Fokus. „Von den Motiven lässt sich ableiten, welche Bedeutung die Hutschachtel und sozialen Status die Besitzerin hatte“, erklärte sie den Besuchern. Damals ging man nie ohne Kopfschmuck aus dem Haus, und auch im Haus trugen die meisten Frauen ein Häubchen. Die Hutschachtel wurde um 1800 bemalt. Filigrane Striche und Ornamentstempel aus Kork vervollständigten die Figurenmalerei auf der Spanschachtel. Die Grundbemalung aus grünen und roten Tönen ist zwar schon verblichen, aber die roten Wangen der zwei Figuren stechen hervor. Exakt wurden sie kreisförmig ins Gesicht gestempelt. „Das war damals wohl schon eine Sache der Mode und des Geldbeutels“, stellte Besucherin Erika Holtmann fest.

Besonders interessierte Erika Holtmann aber der Webstuhl, er wurde 2010 restauriert und stammt aus dem 18. Jahrhundert. Imposant steht er im hinteren Teil der Heimatstube. 526 Fäden, zwei Pedale und ein Schiffchen benutzt Anette Osterheider-Türke für ein neues Tuch. „Die Frauen webten besonders in der dunklen Jahreszeit. Für manche war es sogar ein Zubrot“, erklärte Osterheider-Türke. Neben der Hobbyweberin entdeckten die Besucher einige Tierknochen. Ein kurioser Anblick. Die abgewetzten Knochen seien zum Glätten der Stoffe, außerdem verleihen sie der Baumwoll-Leinen-Mischung einen schönen Glanz, berichtete Anette Osterheider-Türke. Erika Holtmann genießt den Besuch im Haus Bissendorf, viele Erinnerungen werden wach. Beim Vorbeigehen an den Korbkinderwagen bleibt sie stehen: „Ich fühle mich in alte Zeiten zurückversetzt.“


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