Von Ellerbeck bis Kasachstan Anguszucht Dieter Meyer: Betrieb für seltene Rinderrasse

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Ein Prachtstück: Der Angus-Bulle Terron, hier mit Marietta Meyer, hat sich mit seinen hervorragenden Erbanlagen einen Namen gemacht. Foto: Stefanie PreuinEin Prachtstück: Der Angus-Bulle Terron, hier mit Marietta Meyer, hat sich mit seinen hervorragenden Erbanlagen einen Namen gemacht. Foto: Stefanie Preuin

Bissendorf. Sie hat das Talent zur „Rinder-Flüsterin“. Marietta Meyer (35) steht häufig auf dem Laufsteg, doch die Augen des Publikums liegen eher auf ihrer Begleitung: kräftig bis stämmig, gestriegelt schwarz, gepflegte Klauen und keine Hörner. Wenn man die junge Frau dort sieht, glaubt man, das Angus-Rind folge ihr aufs Wort.

Ein bisschen ist es auch so. Wenn die Rinder der Ellerbecker Anguszucht bei Ausstellungen und Auktionen auflaufen, müssen sie darauf vorbereitet sein und den Trubel locker wegstecken. Vorbereitung wie eine Wildtier-Dressur sei es aber nicht, eher wie eine gute Erziehung, die einen Pflock setzt beim Punkt Gehorchen, sagt die Sozialarbeiterin. Wie gut, dass der Rasse gutmütiges Verhalten nachgesagt wird.

1977 gestartet

Die ganze Familie Meyer ist in ihre Angus-Rinder verliebt. Maria Meyer-Hafkemeyer und Dieter Meyer siedelten in Ellerbeck – auf einer Ausgleichsfläche, die dem Hof Hafkemeyer in Osnabrück-Schinkel gutgeschrieben wurde wegen des Grundstücks für die Gesamtschule Schinkel. Hafkemeyers übertrugen die Bewirtschaftung der Ellerbecker Flächen an die Kinder, die 1977 einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb aufbauten.

Schon damals war der Grundstein für eine Anguszucht gelegt. Dieter Meyer: „Mein Schwiegervater Heinrich Hafkemeyer war in Kriegsgefangenschaft in Großbritannien und den USA, hat dort die Black-Angus-Rasse kennengelernt. Schon in den 60er-Jahren hielt er die schwarzen hornlosen Rinder auf den Wiesen unterhalb des Schinkelberges.“ Als Mariettas Eltern sich für Ellerbeck entschieden hatten (Mutter Maria: „Wir sind beide sehr naturverbunden“), fiel auch rasch die Entscheidung zugunsten einer Anguszucht.

Aber beide wollten auch ausprobieren: So weideten in diesen Jahren schottische Hochland-Rinder in Ellerbeck. Es zeigte sich aber, dass für diese Rasse die Weiden im Hasetal zu fett sind. Seit 1992 konzentriert sich der Familienbetrieb auf die Anguszucht. Als Einziger im Osnabrücker Land, obwohl es weitere Angusrinder-Halter gibt.

Der heutige Zuchtbetrieb erfolgt als Nebenerwerbsbetrieb. Alle Familienmitglieder gehen ihren Berufen nach. Im Schnitt investiert jeder drei Stunden täglich für sein Hobby – Eltern, die drei Kinder und Schwiegerkinder. Das funktioniert auch deshalb, weil Angusrinder Selbstversorger sind. Sie sind ganzjährig auf der Weide, in nassen Wintern steht ein Stall zur Verfügung. Wegen ihrer „Leichtkalbigkeit“ müssen Menschen nicht dabei sein, wenn ein Kälbchen auf die Welt kommt. Die Kleinen sind sehr vital und schnell auf den Beinen. Dennoch keine Regel ohne Ausnahmen – manchmal wird auch ein Kaiserschnitt erforderlich.

Nach einem Vitalcheck erhalten die Kleinen ihre Ohrmarken. Dann bleiben sie zehn Monate bei ihrer Mutter. Angusrinder gelten als sanftmütig, ganz Übermütige werden von der Mutterkuh erzogen. Das klappt nicht immer, erzählt Dieter Meyer: „Tiere, die nicht den Zuchtzielen entsprechen, gehen in die Fleisch-Direktvermarktung.“

Das ist zwar nicht das Mittel der Wahl, doch bei einem Betrieb mit Fleisch-Direktvermarktung durchaus eine Lösung. Das Risiko, dass ein ausgewachsener Bulle mit mehr als 1000 Kilogramm Gewicht wütend wird und in Schwung gerät, kann selbst für den Züchter eine Gefahr darstellen. Diese Gefahr wollen Meyers nicht eingehen.

Zurzeit gehören 25 Hektar zum Angus-Hof in Ellerbeck. Sie dienen als Weidefläche und zur Heugewinnung, damit die Tiere in den feucht-kalten Monaten gesundes Futter bekommen. „So kann man aus Gras Geld machen“, schmunzelt Dieter Meyer, aber er weist auch darauf hin, dass die Weidewirtschaft für die Angusrinder passen muss. Um die Qualität der Weiden und das Grünfutter kümmert sich Sohn Andreas (37): „Angus brauchen weder Mais noch anderes Kraftfutter“.

Die Abnehmer für das Angus-Rindfleisch sind Privatkunden, die Fleisch essen wollen, dessen Herkunft und Fütterung belegt werden kann. Ein Qualitätsaspekt sei auch, so die Anguszüchter, dass möglichst keine Medikamente bei den robusten Tieren eingesetzt werden.

Ein zweites Standbein des Nebenerwerbsbetriebes ist der Verkauf der Tiere zur Zucht. Und da ist der Ellerbecker Familienbetrieb eine gute Adresse. Die Liste der Erfolge bei Ausstellungen und Auktionen ist lang. Sie ist die beste Werbung in der Branche, denn ausgezeichnete Kühe und Bullen mit hervorragenden Erbanlagen sind bei Züchtern sehr begehrt. Mittlerweile stehen in ganz Europa bis nach Kasachstan Angusrinder aus Ellerbeck auf den Weiden.


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