Sicht von Stockum bis Voxtrup Peter Spachs Lieblingsplatz ist das Küchenfenster

Von Johanna Kollorz

Peter Spach genießt den Blick gen Süden aus seinem Küchenfenster. Auf dem Gelände des sogenannten Cholera-Friedhofs errichteten seine Eltern in den 50er Jahren das Haus, das er heute mit seiner Ehefrau und seinem Sohn bewohnt. Foto: Johanna KollorzPeter Spach genießt den Blick gen Süden aus seinem Küchenfenster. Auf dem Gelände des sogenannten Cholera-Friedhofs errichteten seine Eltern in den 50er Jahren das Haus, das er heute mit seiner Ehefrau und seinem Sohn bewohnt. Foto: Johanna Kollorz

Bissendorf. „Wenn morgens noch der Nebel in den Feldern hängt, sieht man nur die Achelrieder Kirche. Ihr Turm wirkt dann wie ein mahnender Zeigefinger Gottes“, schildert Peter Spach, Vorsitzender des Heimat- und Wandervereins, die Szenerie vor dem Küchenfenster seines Hauses in der Bauerschaft Stockum.

Aus seiner Küche im ersten Stock genießt Spach den freien Blick übers Feld. „An Gutwettertagen reicht die Sicht Richtung Eistrup und Uphausen sogar bis nach Voxtrup. Wenn ich dort eine dunkle Wolkenfront erblicke, weiß ich: In zwei, drei Minuten regnet es“, sagt der Mann, der im Alter von drei Jahren aus der Gemeinde Stolp in der ehemaligen Provinz Pommern vertrieben wurde.

„Seit dem 2. September 1947 bin ich wohnhaft in Stockum Bauerschaft – bis 1957 auf dem Hof Funke, heute Stegemerten“, berichtet Spach. Dieser war seinem Vater, dem Maler und Vergolder Erwin Spach, dessen Bilder bis heute viele Zimmerwände zieren, nach seiner Ankunft aus Lemgo zugewiesen worden. Seinen Sohn Peter und seine Ehefrau Erna holte er bald dorthin nach.

1951 begann Erwin Spach, gemeinsam mit Hans Lingnau eine Doppelhaushälfte an der heutigen Straße „Am Reitplatz“ zu errichten. Gebaut wurde das Eigenheim auf dem „Cholera-Friedhof“ – einer für Pesttote ausgewiesenen, jedoch wohl nie als solche genutzten Fläche, am Stockumer Berg. „Neben der freien Sicht, die mir hoffentlich erhalten bleibt, bis ich auf Wolke 17 sitze, liegt mir das Haus am Herzen, weil meine Eltern die Grundmauern in den 50er Jahren in mühevoller Handarbeit mit sehr viel Nachbarschaftshilfe errichtet haben“, sagt Spach. Immer sonntags sei es mit dem geliehenen Fuhrwerk samt Pferden in den oberhalb liegenden Steinbruch gegangen, aus dem auch das Material für den Turm der Achelrieder Kirche stammt.

In Bissendorf hat er vor 67 Jahren eine neue Heimat gefunden. Vor gut zwei Jahren ließ sich Peter Spach breit schlagen, nach 27 Jahren Mitgliedschaft und 12 Jahren Tätigkeit als Kassenwart den Vorsitz des Heimat- und Wandervereins (HWV) zu übernehmen. „Die bei Amtsantritt zur Bedingung gemachte Arbeitsteilung funktioniert ganz gut, da muss ich mal ein Lob an alle aussprechen. Natürlich dürfen es immer mehr aktive Mitglieder sein. Aktuell suchen wir Hilfe beim Inventarisieren der Heimatstube und beim Bedienen des dort aufgebauten Webstuhls, der hoffentlich zum Tag des offenen Denkmals am 14. September betriebsfähig ist.“

Spach selbst ist in Blickweite seines Lieblingsortes an zwei weiteren Stellen in der Gemeinde aktiv: Seit 14 Jahren hält er als Gärtner die Außenanlage des Kindergartens Achelriede in Schuss und sorgt dafür, dass auch Kinder, die keine eigenen Großeltern mehr haben, hin und wieder „den Dunst des Alters spüren“. Außerdem engagiert sich „Spachi“ (wie ihn die Kinder nennen) seit Ende der 90er Jahre in der Gräberpflege auf dem Friedhof Achelriede.

Ausgelöst wurde der vielfältige Aktionismus durch Spachs gesundheitlich bedingten Vorruhestand. Nach 40 nicht immer leichten Jahren Wechselschicht im Stellwerk- und Rangierdienst freut sich der HWV-Vorsitzende umso mehr darauf, in zwei Jahren mit seiner „Rosi“ goldene Hochzeit zu feiern.

„Was die Zukunft sonst noch so bringt, müssen wir mal schauen. Natürlich möchte ich dieses Haus am liebsten mit den Füßen voran verlassen. Aber: Der Herrgott wird es schon irgendwie richten“, sagt Spach und blickt gen Süden aus dem Fenster.