Altes Schätzchen dreht sich Göpel für Heimat- und Wanderverein Bissendorf restauriert

Von Stefanie Preuin

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Der Heimat- und Wanderverein Bissendorf holt den restaurierten Göpel ab. Jan Düthmann (von links), Dieter Rolf, Wolfgang Oehms und Peter Spach testen die Kraftmaschine, Fritz Wilhelm Grupe schwingt die imaginäre Peitsche. Foto: PreuinDer Heimat- und Wanderverein Bissendorf holt den restaurierten Göpel ab. Jan Düthmann (von links), Dieter Rolf, Wolfgang Oehms und Peter Spach testen die Kraftmaschine, Fritz Wilhelm Grupe schwingt die imaginäre Peitsche. Foto: Preuin

Bissendorf. Er dreht und dreht, der erste Test wurde bestanden. Der Göpel ist wieder auf dem Weg nach Natbergen. Mit technischem Know-how und einem langen Atem haben Schüler der BBS Melle die alte Kraftmaschine zum Laufen gebracht.

Der Heimat- und Wanderverein Bissendorf wandte sich mit der schwierigen Aufgabe an die jungen Männer im Berufsvorbereitungsjahr. „Die Restaurierung war schwieriger, als wir glaubten. Wir waren ratlos“, berichtete Peter Spach, Vorsitzender des Vereins. Dieter Rolf, technische Abteilung des Heimatvereins, wandte sich an Lehrer Dirk Göcke. Die Anfrage stieß auf Interesse, denn die Schüler des Berufsvorbereitungsjahres arbeiten mit Holz und Metall. „In diesem Fall ging beides ineinander über. Die Schüler haben eigenständig Lösungen entwickelt“, erklärt Dirk Göcke. Besonders freue sich die Schule über nachhaltige Projekte.

Als Göpel bezeichnet man eine Kraftmaschine, meist angetrieben durch Pferde oder Ochsen, die im Kreis laufen. Die Kraftübertragung auf die anzutreibende Maschine erfolgt über ein Zusatzgetriebe mit Zahnradübersetzung, Ausrückvorrichtung und Transmissionswelle.

Doch wie kommt man an ein Gerät aus alten Zeiten? Heinrich Beckmann-Schlüter stellte den geerbten Göpel vor ein paar Jahren dem Heimatverein zur Verfügung. Ursprünglich stand der Göpel auf dem Hof Klausing in Holsten-Mündrup. Nach Schätzungen des Vereins wurde er im 19. Jahrhundert von Viktor Klausing gebaut und genutzt, den Namen verrät die Inschrift auf einem gusseisernen Maschinenteil.

Über die Jahre zerfiel der Holzrahmen, die Metallteile waren rostig geworden. Der Zahn der Zeit nagte an dem wertvollen Zeugnis der Technikgeschichte. Vereinsmitglieder reinigten Maschinenteile, aber „das Restaurierungswissen war nicht vorhanden“, so Vorsitzender Peter Spach.

Lehrer Dirk Göcke gab im Dezember 2013 den Startschuss zum Projekt „Göpel“. Eine nicht ganz einfache Aufgabe. „Die Lehrer haben uns erst einmal erklärt, was ein Göpel ist“, so der 17-jährige André. Gut sechs Stunden in der Woche, ein halbes Jahr, haben sie an der Kraftmaschine gearbeitet. „Vorher haben wir so etwas noch nicht gesehen, aber uns gefällt das Ergebnis“, ergänzt Phillip, der Tischler werden möchte.

Für jedes Problem wurde in der Schule eine Lösung gefunden. So sei es eine Katastrophe gewesen, als eines der wichtigsten Metallteile gerissen sei, so Göcke. Glücklicherweise war ein externer Schweißer zur Stelle und konnte erklären, wie man Gusseisen flickt. Nach langen Wochen der Arbeit war es ein Glücksgefühl, als der Göpel wieder rund lief. „Die Schüler liefen wie angeschossen zu mir. Herr Göcke, es läuft, haben sie mir strahlend gesagt“, so der BBS-Lehrer.

Behutsam verluden die Schüler mit den leitenden Lehrern Dirk Göcke und Dirk Fischer den Göpel. Das Gewicht wurde noch nicht genau bestimmt, die Techniker des Heimatvereins schätzen es auf zwischen 500 und 1000 Kilogramm. Zukünftig steht der Göpel im Museum für Landwirtschaft und Handwerk in Natbergen und dreht sich hoffentlich die nächsten hundert Jahre.


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