Zwei Katzenwelpen in Not Ärger um zwei Katzen beim Tierschutzhof in Bissendorf



Bissendorf. Eine Osnabrückerin findet zwei abgemagerte Katzenwelpen am Straßenrand in Bissendorf und bringt sie zum Tierschutzhof Krevinghausen. Doch der lehnt die Aufnahme ab - und verwies sie an die Polizei. Nun beschwert sie sich.

Es war Pfingstsamstagabend zwischen halb sieben und sieben Uhr, und es war heiß: Sabine Jensen kam vom Schwimmen, als sie am Buerschen Weg in Wulften zwei Katzenbabys, eines davon „ziemlich abgemagert“, am Straßenrand hocken sah. Von der Mutter weit und breit keine Spur. Also hielt die Osnabrückerin an, packte die Welpen in ihren Einkaufskorb und fuhr zum nahe gelegenen Tierschutzhof in Krevinghausen. Dort wurden die Fundtiere jedoch nicht aufgenommen – für Sabine Jensen Anlass zur Beschwerde.

Das tat sie dann mit einer E-Mail an eine Mitarbeiterin der Gemeinde Bissendorf . Denn für Fundtiere ist nach dem Gesetz grundsätzlich erst einmal die jeweilige Gemeinde zuständig. „Es gibt ja auch einen großen Tierschutzhof, aber Hilfe habe ich dort nicht bekommen“, schrieb sie in der Mail an die Behörde. Auf Nachfrage schilderte sie den Vorfall so: „Da waren mehrere Klingeln. Ich habe dort überall geklingelt, bis endlich jemand aufgemacht hat. Der Mann vom Katzenschutzbund hat mir gesagt, dass er keinen Raum für die Notaufnahme und keine Quarantänestation habe. Ich sollte die Katzen zur Polizei oder zum Tierheim in Osnabrück bringen oder sie mit nach Hause nehmen.“

„Zumutung“

Das aber empfand die Osnabrücker Tierfreundin als Zumutung. „Ich habe auch eine Katze und keine Quarantänestation, hätte sie also bei mir ins Badezimmer sperren müssen.“ Sie sei dann mit den Kätzchen im Auto zur Polizeistation in Belm gefahren, die allerdings auch nicht mehr besetzt gewesen sei. Da auch im Osnabrücker Tierheim samstags um 19 Uhr „natürlich niemand mehr ist“, habe sie hin und her überlegt, was sie mit den Katzenbabys anfangen solle. „Nach langer Sucherei fiel mir ein, dass der Nachbar meiner Eltern sich häufiger um Fundkatzen kümmert“. Dorthin habe sie die Katzen dann gebracht, wo sie sofort Wasser und Futter bekommen hätten, über das sie geradezu hergefallen seien: „Die hatten wohl schon länger nichts mehr getrunken oder gefressen.“ Sabine Jensen beklagt in der Mail an die Gemeinde auch, dass sich der Mann vom Katzenschutzbund die Tiere nicht einmal angesehen habe, und meint: „Mit Tierschutz hat das nichts zu tun. Und dann wundern sich immer alle, dass keiner mehr Zivilcourage zeigt und hilft, denn wenn man es tut, hat man nur Ärger!“

Bringt Zivilcourage Ärger?

Ihr Schreiben nahm Bissendorfs Bürgermeister Guido Halfter zum Anlass, sich an die Zeitung zu wenden. Er wies seinerseits per E-Mail darauf hin, dass die Gemeinde Bissendorf einen Bereitschaftsdienst habe – „rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr. Bürger können sich darüber an die Gemeinde wenden, wenn sie Tiere finden. Diese werden dann von der Gemeinde gegebenenfalls sofort abgeholt und ins Tierheim gebracht.“ Auf Nachfrage erklärte der Bürgermeister, dass bei einem Anruf unter der Nummer der Gemeindeverwaltung (05402/404-0) außerhalb der Dienstzeiten eine Bandansage komme, die auf den Bereitschaftsdienst für Notfälle hinweise und den Anruf auf eine Handynummer weiterleite. „Der diensthabende Beamte entscheidet dann“, so Halfter. Für so einen Fall wie den von Frau Jensen gebe es auf dem Bauhof der Gemeinde einen Käfig, in dem man Tiere zur Notaufnahmebox des Osnabrücker Tierheims bringen könne, für die es bei der Gemeinde einen Schlüssel gebe: „Das hat Frau Jensen nicht gewusst“.

Ist es ein Skandal?

Ist es also ein Skandal, wie Sabine Jensen und der Bissendorfer Bürgermeister zu glauben scheinen, dass der Katzenschutzbund die Welpen nicht aufnahm? „Nein“, sagt dessen Vorsitzender Andreas Renner dazu und erklärt, dass er der Mann war, der am Pfingstsamstag mit der Kätzchenfinderin gesprochen hat: „Wenn kein Platz frei ist, kann ich keine Tiere aufnehmen.“

Da der Katzenschutzbund auf dem von einer privaten Stiftung nach den Vorstellungen und Wünschen der Stifterin mit ihrem Geld und ohne Zuschüsse der Gemeinde (aus-)gebauten Tierschutzhof lediglich einen Teil der Räume gemietet hat, die bereits alle überfüllt waren, habe er die Aufnahme der Katzenbabys ablehnen müssen: „Mit tut so was auch immer leid, aber ich kann keine ungeimpften Tiere zu anderen Katzen oder in einen nicht desinfizierten Raum setzen. In den beiden Pflegestellen ist zurzeit auch alles voll mit Jungkatzen, sodass die da schon im Wohnzimmer wuseln. Deshalb habe ich Frau Jensen gefragt, ob sie die Katzen nicht bis nach Pfingsten mit zu sich nach Hause nehmen und dann ins Tierheim bringen kann. Da hat sie ja gesagt“, schildert er den Vorfall und betont: „Für mich war das damit gut, weil das erst mal die beste Lösung war.“

Fehler gemacht

Hätte er die Osnabrückerin nicht auf den Bereitschaftsdienst der Gemeinde hinweisen können? „Ja schon; sie hat ja auch recht damit, dass für Fundtiere die Gemeinde zuständig ist. Aber da habe ich in dem Moment gar nicht dran gedacht“, räumt Renner freimütig ein. Er berichtet auch, dass er nur zufällig gerade da war, weil er die Katzen gefüttert hat: „Es war Pfingstsamstagabend, und da war natürlich sonst keiner mehr“, erklärt er. Wie alle anderen Tierschützer im Katzenschutzbund ist auch Andreas Renner voll berufstätig und engagiert sich in seiner Freizeit ehrenamtlich und unentgeltlich im Katzenhaus des Tierschutzhofes.

Eine Notaufnahme rund um die Uhr mit Quarantänestation wäre nur mit wenigsten ein bis zwei hauptamtlichen Mitarbeitern, wie es sie im Osnabrücker Tierheim gibt, zu gewährleisten, gibt er zu bedenken. Doch wer soll die bezahlen? Die Versorgung der Katzen in Krevinghausen wird nämlich nur über Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert. „Wir haben keinen Vertrag mit der Gemeinde“, sagt Renner und fragt: „Wer kommt denn für die Kosten auf, wenn wir jedes Tier aus Bissendorf aufnehmen sollen?“

24 Katzen aus einem Messie-Haushalt geholt

Bei allem Verständnis für die Verärgerung der Katzenfinderin sind sowohl Renner als auch die zweite Vereinsvorsitzende Marita Biermann sauer darüber, dass „der Bürgermeister sich nicht erst an uns gewandt hat, um die Hintergründe zu erfahren, statt damit ungeprüft an die Öffentlichkeit zu gehen“. Marita Biermann: „Aber als wir letztes Jahr 24 Katzen für die Gemeinde aus einem Messie-Haushalt geholt haben, wurde der Mantel des Schweigens darüber gebreitet.“

Die Kätzchen vom Buerschen Weg sind immer noch beim Nachbarn von Sabine Jensens Eltern in Belm-Vehrte in Pflege. Dort stellte sich heraus, das ausgerechnet das gesünder aussehende Tier ernsthaft krank war und Durchfall hatte. Nach tierärztlicher Behandlung der Magen-Darm-Infektion ist es jetzt aber laut der Finderin auf dem Wege der Besserung. Beide Welpen sollen in gute Hände vermittelt werden. Wer sich für sie interessiert, kann sich unter Telefon 0152/52710237 melden.

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